Digitalradio

Bundesregierung kippt DAB+-Pflicht für Radios

In der Bundesrepublik dürfen auch ab 2019 alle rein analogen UKW-Radiomodelle verkauft werden. Die Bundesregierung hat einen entsprechenden Entwurf des Bundesrats zur Änderung des Telekommunikationsgesetzes abgelehnt.
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Auch ab 2019 dürfen weiter alle Radiomodelle verkauft werden - auch wenn sie lediglich analogen Radioempfang über UKW eingebaut haben. Für die Bundesregierung hat das Bundeswirtschaftsministerium einen entsprechenden Entwurf des Bundesrats zur Änderung des Telekommunikationsgesetzes abgelehnt. Es sollte über eine Änderung des § 48 TKG erreicht werden, dass die meisten Radioempfangsgeräte ab 2019 nur noch gehandelt werden dürfen, wenn diese "zum Empfang normgerechter digitaler Signale geeignet sind". Laut Wirtschaftsministerium beruhe dieser Paragraph auf einer Anforderung der Universaldiensterichtlinie (RL 2002/22/EG, Art. 24). Diese beziehe sich aber lediglich auf die Interoperabilität von Fernsehgeräten. So dürfen in der EU schon seit einiger Zeit nur noch Fernsehgeräte mit Digitalempfnag verkauft werden. Eine entsprechende EU-Vorgabe für Radiogeräte bestehe dagegen nicht, daher könne dem Entwurf des Bundesrats nicht zugestimmt werden.

Freude bei DAB+-Gegnern

  Über das Nein der Bundesregierung zu einem Pflichtchip für Digitalradio dürften sich vor allem die Kräfte in Deutschland freuen, die weiter auf die alte UKW-Technologie setzen und den digital-terrestrischen Hörfunk DAB+ ablehnen. Das sind vor allem die großen Privatradios. Der Branchenverband VPRT hatte zuletzt erst zu den Münchner Medientagen eine Agenda verabschiedet, die nochmals unterstreicht, dass Radio "Multichannel mit UKW als Basis für digitale Investitionen" sei. Viele Branchenmitglieder sehen die Zukunft des Hörfunks eher im Internet.

Chance zur schnelleren Marktdurchdringung verpasst

Einerseits wurde eine historische Chance verpasst, die Marktdurchdringung mit digitalfähigen Radios zu beschleunigen. Durch eine Pflicht für DAB+ wären Digitalradiomodelle in der Herstellung erheblich günstiger geworden, Experten rechneten mit Einstiegspreisen ab rund 15 Euro (bisher: 25 Euro) aufgrund fallender Chippreise dank Massenproduktion.

Andererseits gibt es Anzeichen, dass sich DAB+ auch in Deutschland ganz von alleine durchsetzen kann, wenn alle Marktakteure mitziehen. "In Deutschland sind 19 Prozent der verkauften Geräte bereits DAB+ fähig, in Bayern sogar 40 Prozent", berichtet Helwin Lesch, Leiter Planung und Technik, Bayerischer Rundfunk (BR), anlässlich der Generalversammlung des WorldDAB Forum, des internationalen Branchenverbands für digitalen Rundfunk. "Digitalradio ist im Markt angekommen und hat eine nennenswerte, vermarktbare Reichweite erreicht. Ein Beispiel ist BR Heimat, ein Spartensender für Volks- und Blasmusik, der täglich 300 000 Hörer erreicht". Derzeit arbeite Deutschland an einer Roadmap für den Übergang von analog zu digital. Laut einer Einschätzung der ARD erreicht die Netzabdeckung die Mindestversorgung bereits im Jahr 2019.

Wenn Sie mehr zu DAB+ erfahren wollen, werfen Sie doch einen Blick auf unsere DAB+Themenseite.

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