DAB+ per Gesetz?

Ministerium will Gutachten zur Abschaltung von UKW präsentieren

Kann sich der digital-terrestrische Hörfunk (DAB/DAB+) mit Hilfe­stellung der Politik durch­setzen? Das Bundes­minis­terium für Verkehr und digitale Infra­struktur hat nun erste Schritte für einen Zeit­plan zum Aus­stieg aus UKW ein­ge­leitet. Es soll aber in Zukunft noch weitere Mög­lich­keiten geben, digitalen Hör­funk zu ver­breiten.

Ausstieg aus UKW droht Wird der alte, analoge UKW-Hörfunk nun doch abgeschaltet? Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur hat erste Schritte zum Ausstieg eingeleitet.
Bild: Shenzhen V.A.L. Technology Co.
Zwei Wochen vor Beginn der IFA in Berlin ist die seit Jahren geführte Diskussion um die Zukunft des terrestrischen Hörfunks wieder entflammt. Hintergrund: Die Politik schaltet sich jetzt offenbar doch in die Kontroverse um ein mögliches Abschaltdatum der analogen UKW-Verbreitung ein, um dem digital-terrestrischen Hörfunk (DAB/DAB+) den Weg zu ebnen. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur habe erste Schritte für einen Zeitplan zum Ausstieg aus der UKW-Übertragung eingeleitet, sagte Gerd Bauer, Direktor der Landesmedienanstalt Saarland (LMS), dem Branchendienst medienpolitik.net. Ein vom Ministerium beauftragtes Gutachten des Institutes für Rundfunktechnik (IRT) und von den Marktforschern von EMR (Euro-Marketing & Research), das zur IFA präsentiert werden soll, werde hier wichtige technische wie rechtliche und rechtsvergleichende Impulse für einen solchen Zeitplan leisten können, so Bauer.

Privatradios laufen Sturm gegen UKW-Abschalttermin

Ausstieg aus UKW droht Wird der alte, analoge UKW-Hörfunk nun doch abgeschaltet? Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur hat erste Schritte zum Ausstieg eingeleitet.
Bild: Shenzhen V.A.L. Technology Co.
Gegen ein festes UKW-Abschaltdatum sprechen sich vor allem die Privatradios aus. "Da wir ausschließlich von Werbeeinnahmen abhängig sind und nicht Garantie-finanziert wie die öffentlich-rechtlichen Kollegen, kann unser Umstieg von Analog auf Digital nur über ein funktionierendes UKW-Geschäftsmodell refinanziert werden", sagte Klaus Schunk, Vorsitzender des Fachbereichs Radio und Audiodienste des Verbandes Privater Rundfunk und Telekommunikation (VPRT) und Geschäftsführer des Baden-Württembergischen Privatsenders Radio Regenbogen gegenüber medienpolitik.net. "Solange sich dieses nicht entsprechend über DAB+ darstellen lässt, ist die UKW-Verbreitung für uns alternativlos".

Generell sieht Schunk DAB+ nur als eine von mehreren Möglichkeiten, digitale Hörfunksender zu übertragen. Nach dem Digitalisierungsbericht 2013 der Landesmedienanstalten waren bundesweit Digitalradio und DAB+ je nach Bundesland nur für 0,2 bis 0,9 Prozent der Deutschen die meistgenutzte Radioempfangsart. "Deshalb darf die Debatte zum Analog-Digitalumstieg nicht auf DAB+ verkürzt werden", so Schunk. "Technologie ist nicht zu verordnen, sondern setzt sich beim Verbraucher durch oder nicht. Es käme ja zu Recht auch niemand auf die Idee, der Automobilindustrie Verbrennungsmotoren zu verbieten, um Elektromotoren in den Markt zu drücken". Am Ende entscheide "der Hörer darüber, wie er Radio empfangen möchte. Und für uns gilt, pragmatisch und ideologiefrei: Wir sind überall dort, wo unsere Hörer sind".

DVB-T2 könnte auch für Hörfunk interessant werden

Zu den bisherigen digitalen Verbreitungswegen DVB-S (Satellit), DVB-C (Kabel), DAB, DAB+, DVB-T-Radio (alle terrestrisch) und Internetradio könnten sogar noch weitere hinzustoßen: Das Institut für Rundfunktechnik erprobt in den kommenden Jahren zusammen mit Partnern wie dem Bayerischen Rundfunk (BR) LTE Broadcasting. Vor allem aus Rheinland-Pfalz kommt der Vorstoß, DRM+ als zusätzlichen terrestrischen Verbreitungsweg für Radio einzuführen, und laut Informationen von teltarif.de arbeitet Netzbetreiber Media Broadcast auch an einer Möglichkeit, Hörfunk über den DVB-T-Nachfolgestandard DVB-T2 zu übertragen. Hier könnten – gemeinsam mit Fernsehsendern – auch Radiosender ihren Platz in einem neuen bundesweiten Bouquet finden. Im Vergleich zum alten DVB-T-Standard wäre mit DVB-T2 auch Mobilempfang mit hohen Geschwindigkeiten im Fahrzeug möglich.

Solange es keinen festen Abschalttermin für die analoge UKW-Verbreitung gibt, verunsichert dieses technische Wirrwarr allerdings den Verbraucher: In der Regel bleibt er bei UKW, weil es der einzige Weg ist bei dem er sich "zu Hause" fühlt. Hat er über die digitalen Möglichkeiten überhaupt schon etwas gehört, verwechselt er häufig Technologien, etwa DAB+ mit Internetradio.

Neue Digitalradio-Verkaufszahlen zur IFA

Zur IFA soll zunächst die Technologie DAB+ wieder in den Vordergrund rücken. Neben der mit Spannung erwarteten Präsentation der Studie des Ministeriums hat die Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationsforschung (gfu) voraussichtlich ab Ende kommender Woche aktuelle Verkaufszahlen auf Halbjahresbasis und eine neue Prognose parat, wie Sprecher Roland Stehle gegenüber teltarif.de mitteilt. Außerdem wäre die IFA eine geeignete Plattform, um den weiteren Ausbau beim bundesweiten Multiplex zu verkünden. Seit Ende 2013 verhandeln Deutschlandradio, Privatradios und Media Broadcast um den Umfang des Netzausbaus bis 2017. Über alle Themen sowie neue Entwicklungen auf Hardware-Basis zur IFA werden wir freilich umfassend informieren.

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