Digitalradio

Media Broadcast sieht Grundlage für zweiten bundesweiten DAB+-Multiplex

Der Durchbruch ist da: Diese optimistische Botschaft verkündet Netzbetreiber Media Broadcast zum Thema DAB+ in Deutschland auf der Anga Com. Nun sei die Stabilität gewährleistet – für die Auto- und Geräteindustrie, für den Einzelhandel, aber auch für einen zweiten Bundesmuxx und weitere Regional-Multiplexe.
Von der Anga Com in Köln berichtet
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Der Ausbau beim bundesweiten Multiplex auf 110 Sender bis Ende 2016 sind für Thomas Wächter, Leiter Digital Broadcast Technology beim Netzbetreiber Media Broadcast, das Signal für den endgültigen Durchbruch für das digital-terrestrische Radio DAB+ in Deutschland. Wie Wächter in einem Gespräch mit teltarif.de auf der Anga Com in Köln sagte, sei die Einigung auf einen massiven Netzausbau ein ganz starkes Signal, bei dem nun auch die Automobilindustrie sowie Gerätehersteller und der Einzelhandel Vertrauen in die Technologie gewinnen würden, und die Grundlage für weitere Aktivitäten im Bereich Digitalradio sei. In den nächsten Monaten und Jahren würden immer mehr Autohersteller das digitale Radio serienmäßig anbieten, verspricht Wächter.

Ermöglicht wurde die Einigung auf den Netzbetrieb durch ein neues Tarifmodell beim bundesweiten Multiplex. Wächter vergleicht dieses mit einer Fluglinie, bei der alle Passagiere auf der gleichen Strecke mitflögen, aber verschiedene Preise für unterschiedliche Leistungen zahlten. Zu den verbesserten Leistungen gehörten etwa ein verbesserter Fehlerschutz oder eine stärkere Einflussnahme bei künftigen Senderstandorten, die ans Netz gehen sollen. Laut Wächter seien zwei kommerzielle Programme im Multiplex weggefallen – Kiss FM und Lounge.fm. Die frei gewordenen Kapazitäten hat das Deutschlandradio von den Landesmedienanstalten für einen besseren Fehlerschutz bekommen. Aktuell sei der Multiplex bis auf wenige Kapazitäten (CUs), die nicht mehr für die Ausstrahlung eines Hörfunkprogramms reichten, komplett belegt.

Zweiter Bundesmuxx und Regional-Muxx für NRW

Thomas Wächter von Media Broadcast auf der Anga ComThomas Wächter, Leiter Digital Broadcast Technology bei Media Broadcast, auf der Anga Com Wächter sieht dabei ein, dass die Maßnahme für Digitalradio-Hörer weniger attraktiv war – sie haben schließlich zwei Radioprogramme weniger auf der Senderliste. Da aber nun mehr Kapazitäten (CUs) vom Deutschlandradio als Haupt-Kunden bezahlt werden, sei dies erst Grundlage für den bevorstehenden Netzausbau auf 110 Sendestandorte gewesen – geplant waren ursprünglich nur 90. Mit der "Stabilisierung von DAB", wie Wächter es nennt, sei nun auch die Grundlage für eine Erweiterung des Programmangebotes in weiteren Multiplexen gewährleistet. Dazu gehöre auch ein zweiter, bundesweiter Multiplex.

Die Initiative hierfür hatte bereits im vergangenen Jahr das Unternehmen Privates Radio Deutschland gestartet, das nicht nur als Programm-, sondern auch als Plattformbetreiber auftreten und dabei Media Broadcast Konkurrenz machen will. Wächter kündigte jedoch an, sich auch bei einer Ausschreibung für den Netz- und Plattformbetrieb für einen solchen zweiten Multiplex zu bewerben, hierzu sei die Media Broadcast "immer bereit". Und selbst wenn man nicht den Zuschlag für den Plattformbetrieb erhalte, sei man zu Synergieeffekten bereit. Schließlich habe man an vielen Sendestandorten bereits die nötige Infrastruktur aufgebaut.

Neben den bundesweiten Aktivitäten will Media Broadcast auch weiter in regionale Multiplexe investieren. Wächter bestätigte den Start in Hamburg mit zunächst sieben Hörfunkprogrammen in der kommenden Woche. Außerdem liefen derzeit erste Gespräche über einen rein privaten, regionalen Multiplex in Nordrhein-Westfalen, dem bevölkerungsreichsten Bundesland.

Netzausbau und Leistungserhöhungen im Bundesmuxx schon ab diesem Monat

An welchen Standorten der erste bundesweite Multiplex in diesem Jahr noch startet, sei noch nicht endgültig geklärt und teils auch von den öffentlich-rechtlichen Anstalten abhängig. Hier will Media Broadcast die Sendeantennen mitnutzen. Als Beispiel nennt Wächter Aachen, es sei zum aktuellen Zeitpunkt noch fraglich, ob der "Bundesmuxx" hier schon 2015 starten kann. Daher verwies Wächter darauf, dass vom Netzbetreiber veröffentlichte Versorgungskarten für dieses Jahr teilweise vom Stand Januar 2015 seien und wieder überholt seien.

Man wolle kurzfristig offiziell bekannt geben, wann und an welchen Standorten der Netzausbau weiter gehe. Wächter bestätigte jedoch, dass man bereits im Sommer die Sendeleistungen an zehn bestehenden Standorten erhöhen wolle. Los gehe es bereits in diesem Monat: Am 30. Juni soll die Leistung des Senders Gera auf 10 kW angehoben werden, was den Empfang auf den Autobahnen A4 und A9 nochmals verbessere.

Baustellen DAB+ auf Smartphones und in Telematik-Systemen

Zwei große Baustellen gebe es laut Wächter noch: DAB+ müsse auch in Smartphones integriert werden. Gespräche mit Mobilfunkbetreibern wie Vodafone seien bei diesem Thema bislang ergebnislos verlaufen, obwohl es technisch kein Problem wäre, den entsprechenden Chip zu günstigen Preisen in die Gadgets einzubauen. Auch die Telematik-Industrie müsse noch überzeugt werden, dass DAB+ und der Standard TPEG die bessere Wahl seien. Aktuell setze die Industrie hier auf das mobile Internet, das jedoch in überlasteten Funkzellen, etwa in Staus, nicht zuverlässig oder überhaupt nicht funktioniere.

Die Zukunft sieht Wächter in hybriden Angeboten – mit DAB+ als Grundlage und Internetdiensten für den Rückkanal und zur Ergänzung. Überraschend hält Wächter nichts von einem verpflichtenden Abschalttermin für den analogen UKW-Hörfunk. Er selbst habe nun das Gefühl, dass der Markt alleine den Durchbruch für DAB+ bringen könne, da automatisch ein immer höherer Prozentsatz an hybriden Geräten mit dem digitalen Radio in die Läden komme. Trotz allem wolle Media Broadcast am Digitalradio-Board des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur, das den Weg zu einem UKW-Ausstieg in Deutschland vorbereiten soll, mitwirken. Die erste Sitzung sei am 17. Juni geplant, so Wächter.

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