Digital Radio

DAB+: Alles zum Neustart des digital-terrestrischen Radios

Mehr Programme, mehr Sendeleistung, günstige Empfänger
Kommentare (1763)
AAA
Teilen

Am 1. August erfolgt in Deutschland der Neustart des digital-terrestrischen Hörfunks. DAB+ soll mittelfristig den alten analogen UKW-Hörfunk ablösen. teltarif.de gibt einen überblick über die Technik von DAB+, das künftige Programm- und das Geräteangebot.

Die Technik

Pure Siesta FlowPure Siesta Flow Genau genommen ist der DAB-Hörfunk ein alter Hut. Erste Versuche mit der neuen Technologie gab es schon zu Anfang der 1990er-Jahre. Das Bundesland Bayern hat bereits seit 1995 ein flächendeckendes DAB-Sendernetz in Betrieb. Doch bisher konnte sich der digital-terrestrische Hörfunk im Vergleich zu seinem Fernsehpendant DVB-T nicht durchsetzen.

Die Gründe hierfür sind unterschiedlich: Einer davon ist das bislang unbefriedigende Programmangebot. Die Audiodaten der Programme wurden im alten DAB-Standard Musicam (MP2) mit Datenraten von 32 bis 256 kbit/s codiert. In ein Bouquet passten damit maximal sechs bis acht Hörfunksender in Stereo-Qualität - zu wenig als Anreiz zum Kauf eines Empfängers. Da die Nachbarkanäle von DAB lange Zeit für militärische Funkdienste reserviert waren, konnten die Sendeanlagen zudem mit einer maximalen Sendeleistung von nur 1 kW arbeiten. Das war viel zu gering, um auch eine akzeptable Indoor-Versorgung zu schaffen.

Mit DAB+ soll nun alles besser werden: Um den Qualitätsanspruch auch mit niedrigen Bitraten erfüllen zu können, reichte das Konsortium WorldDMB [Link entfernt] das Verfahren HE AAC v2 als ergänzendes Kodierungsverfahren für DAB zur Standardisierung ein und benannte die neue Technik "DAB+". Dabei wird ein zusätzlicher Fehlerschutz (Reed Solomon Code) hinzugefügt. DAB+ benutzt damit einen ähnlichen Audiocodec wie viele Internet-Radiostreams. In ein Bouquet passen nun weit mehr Sender: Anstelle von sechs bis acht sind nun bis zu 18 Radiosender pro Paket möglich.

Außerdem kann inzwischen mit wesentlich höheren Strahlungsleistungen - bis zu 10 kW - gearbeitet werden. Das ermöglicht innerhalb des Sendegebietes auch störungsfreien Indoor-Empfang. Aufgrund der digitalen Übertragung von DAB+ sollen Störungen der Vergangenheit angehören: Auch das vom alten DAB-Modus bekannte "Blubbern" bei schlechtem Empfang gibt es bei DAB+ nicht mehr: Entweder das Signal ist ganz oder gar nicht hörbar. Erste Tests, etwa im Großraum Stuttgart, haben gezeigt, dass ein DAB+-Signal noch störungsfrei hörbar ist, während das selbe Programm auf der UKW-Skala vom gleichen Sendestandort schon leicht rauscht oder im alten DAB-Modus "blubbert".

Das Programmangebot

Mit dem Neustart des digitalen Radios am 1. August wird es erstmals ein bundesweites terrestrisches Radiobouquet geben. In diesem sind im Endausbau die drei regulären Sender des Deutschlandradios (Deutschlandfunk, Deutschlandradio Kultur, DRadio Wissen) zu finden. Dazu kommt der Deutschlandradio-Sonderkanal für die Übertragung von Dokumentationen und Debatten. Ferner gehören elf Privatsender zum Bouquet. Einer ist 90elf: Das vom Medienunternehmen Regiocast produzierte Fußballradio wird via DAB+ auch ohne Internetanschluss empfangbar. Wie im Netz will 90elf auch über DAB+ bis zu fünf Bundesliga- und Zweitligapartien live und in voller Länge parallel übertragen. Hinzu kommen ein Kanal für die Konferenzschaltung - sowie ein Rahmenprogramm mit Hintergrundberichten, Interviews und rockorientierter Musik.

Weitere Privatfunk-Zugpferde sind das Hamburger Klassik Radio, ein bundesweites Format der Jugendmarke Energy/NRJ sowie der bisher nur in Berlin hörbare Sender Kiss FM. Auch Formate, die man bisher auf der UKW-Skala vergeblich gesucht hat, sind im bundesweiten Multiplex vertreten. Darunter ein Sender mit "Easy Listening" (Lounge FM) oder das bislang nur in Hessen verbreitete Radio Bob und oder ein Programm mit "Album Oriented Music" (Absolut Radio). Damit sollen Publikumsschichten, die bisher kein Radio hörten, zum Kauf von DAB+-Empfängern animiert werden.

Neben dem bundesweiten Paket sollen ab dem 1. August auch in den einzelnen Bundesländern neue Ensembles starten oder die bestehenden ausgebaut werden. Auch regional wird es neue Angebote im Privatfunkbereich geben. So will Absolut Radio neben seinem Hauptprogramm auch noch einen Ableger namens "Absolut Relax" in den landesweiten Multiplexen starten. Außerdem bauen die ARD-Anstalten ihre bestehenden DAB-Angebote aus und verwenden hierbei erstmals den Codec DAB+. So will der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) ebenfalls schon am 1. August seine Wellen MDR 1 (Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen), Jump, MDR Figaro, MDR Info und MDR Sputnik in DAB+ übertragen. Darüber hinaus wird es via DAB+ auch neue Zusatzdienste in Text-, Bild- und sogar Videoform geben, etwa Journaline, eine Art "Videotext für Digitalradio", der etwa am PC oder über mobile Endgeräte verfügbar ist und Infos wie Nachrichten oder Wetter anzeigt.

Auf der folgenden Seite zeigen wir Ihnen, wo DAB+ genutzt werden kann und welche passenden Radio es gibt.

1 2 letzte Seite
Teilen

Mehr zum Thema DAB+