Abschaltung?

Schweden und Niederlande wollen UKW-Hörfunk nicht abschalten

Den Beispielen Norwegen und der Schweiz werden vorerst keine weiteren europäischen Länder folgen: In Schweden und den Niederlanden haben die Regierungen den geplanten Ausstieg aus der analogen UKW-Verbreitung wieder abgesagt oder bis auf weiteres verschoben.
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Die Schweden und Niederländer brauchen vorerst keine Digitalradios, das alte analoge UKW läuft weiterDie Schweden und Niederländer brauchen vorerst keine Digitalradios, das alte analoge UKW läuft weiter Die schwedische Regierung hat den Übergang von analogem UKW zum digital-terrestrischen DAB+ gestoppt. Anders als im benachbarten Norwegen hat die schwedische Regierung jetzt entschieden das herkömmliche terrestrische Radio weiterzuführen und den UKW-Hörfunk nicht im Zeitraum zwischen 2022 und 2024 abzuschalten.

Man sei nach umfassender Prüfung zum Ergebnis gelangt, dass es der Bevölkerung nicht zuzumuten sei, mehr als 10 Millionen Radios auf den Müll zu werfen, teilte Kulturministerin Alice Bah Kuhnke als Begründung mit. Zuvor hatte bereits der grüne Koalitionspartner (Miljöpartiet) der schwedischen Regierung beschlossen, über 2022 hinaus an UKW festhalten zu wollen.

Schweden hört auf Votum der Bevölkerung

Interessant ist, dass – anders als in anderen Ländern - die Mehrzahl der schwedischen Radioveranstalter eigentlich den Wechsel zum Digitalradio DAB+ wollte. Ausschlaggebend waren in dem Land, das sehr stark auf Bürgerbeteiligung ausgerichtet ist, neben umweltpolitischen Aspekten das Votum der Bevölkerung, die sich in einer Umfrage deutlich gegen den Wechsel positioniert hat: 83 Prozent wollen an UKW und den herkömmlichen Radiogeräten festhalten, nur 17 Prozent stimmten für einen Technologiewechsel zu DAB+. Es stellt sich freilich die Frage, ob solche Umfragen überhaupt sinnvoll sind, denn niemand wirft gerne funktionierende Geräte zum Schrott, erst recht nicht, wenn er die Vorzüge der digitalen Technik noch nicht kennenlernen konnte. Hätte man die Deutschen gefragt ob sie am analogen Satellitenfernsehen und den alten Receivern festhalten wollten oder auf digitales Fernsehen umsteigen, hätte es wohl auch eine breite Zustimmung zugunsten der alten Technik gegeben.

Ob und wie es nun mit DAB+ in Schweden weiter geht ist offen. Im Rahmen von Testbetrieben senden Privatradios aktuell in den Großräumen Stockholm, Uppsala und Gävle über Digitalradio, ferner gibt es ein Ensemble des öffentlich-rechtlichen Sveriges Radio im alten DAB-Modus, das vorrangig in Ballungsräumen verbreitet wird. Die Frage ist, ob sich vor allem kommerzielle Veranstalter eine Doppelausstrahlung von UKW und DAB+ leisten wollen und können.

Niederlande verlängert UKW und stärkt DAB+

Auch die Niederlande haben eine Abschaltung von UKW vorerst verschoben. 2017 sollen die bestehenden UKW-Lizenzen per Auktion neu vergeben werden. Einen entsprechenden Plan stellte der niederländische Wirtschaftsminister am Freitag vor. Ursprünglich war es geplant die UKW-Lizenzen einmalig zu verlängern und das analoge UKW im Jahr 2022 abzuschalten. Nun soll die alte analoge Technik in den Niederlanden bis mindestens 2028 weiter laufen.

Das Ministerium will – anders als die Regierung in Schweden – jedoch auch das Digitalradio DAB+ weiter stärken. Denn jeder Veranstalter, der bei der Auktion im Jahr 2017 eine UKW-Lizenz ersteigert, muss sein Programm auch landesweit über den bestehenden nationalen Multiplex digital ausstrahlen - mit der Option hier auch ein zweites Programm verbreiten zu können. Die Veranstalter, die bei der Auktion leer ausgehen und neue Veranstalter haben die Möglichkeit ihre Programme in einem zweiten landesweiten Muxx zu verbreiten. Damit wird DAB+ in den Niederlanden deutlich attraktiver als UKW. Auch der öffentliche Hörfunk (NOS) will weitere Sender über DAB+ starten, hinzukommen diverse regionale Multiplexe, die sukzessive auf Sendung gehen sollen oder bereits on Air sind.

Deutschland erarbeitet Umstiegs-Szenario von UKW auf DAB+

In Deutschland ist unterdessen das neue Digitalradio Board des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) zu seiner ersten Sitzung zusammengekommen. Unter Leitung der Parlamentarischen Staatssekretärin im BMVI, Dorothee Bär, erarbeitet das Gremium einen konkreten Fahrplan für die Umstellung vom analogen UKW-Hörfunk auf den digitalen Standard DAB+. Ziel sei es, den Umstieg möglichst schnell, effizient und reibungslos zu gestalten.

Dem Board gehören insgesamt 15 hochrangige Vertreter aus Bund, Länder, öffentlich-rechtlichem und privatem Rundfunk, Landesmedienanstalten, Bundesnetzagentur, sowie Radio- und Automobilherstellern an. Binnen eines Jahres wollen die Mitglieder einen konkreten Zeitplan für die Umstellung auf den digitalen Hörfunk erarbeiten. Im Anschluss wolle das Board die Umsetzung konstruktiv begleiten. Über Ergebnisse des ersten Meetings schwiegen sich die Beteiligten jedoch aus.

Tipp: Wie man Digitalradio-Programme hören kann ohne seine alten UKW-Radios wegzuwerfen haben wir in diesem Ratgeber verraten.

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