Digitalradio

Medienanstalten präsentieren Roadmap zur UKW-Abschaltung

Inzwischen geht es nicht mehr um das ob, sondern um das wann: Die Medienanstalten legen ein Digitalisierungskonzept für den Hörfunk vor, an dessen Ende die Abschaltung der analogen UKW-Verbreitung steht.
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Inzwischen gibt es keinen Zweifel mehr: Das Radio wird nicht länger die letzte analoge Insel bei der Rundfunkverbreitung bleiben, und UKW soll von DAB+ beerbt werden. Auf der IFA haben die Landesmedienanstalten ihr Digitalisierungskonzept für den Hörfunk vorgestellt. Dieses unterscheidet zwischen einer Aufbau- und einer Migrations­phase.

Erste Ziele bei DAB+: 95 Prozent Netzabdeckung und überall mehr Programme als auf UKW

Abschaltung der analogen UKW-Verbreitung gilt als beschlossenAbschaltung der analogen UKW-Verbreitung gilt als beschlossen Während der Aufbauphase, die bereits 2011 begonnen hat, gibt es zunächst mehrere Kriterien zu erfüllen: Das sind 95 Prozent Abdeckung (mobile outdoor) mit mindestens zwei Multiplexen (also etwa der bundesweite und der regionale Muxx der zuständigen ARD-Anstalt) sowie ein quantitativer Mehrwert gegenüber UKW, also überall mehr Programme als auf der analogen Radioskala. Außerdem sollen 30 Prozent der aktuell verkauften Radiogeräte DAB+-tauglich sein. Ferner soll ein Messverfahren installiert werden, um die tatsächliche Nutzung des digitalen Hörfunkwegs zu dokumentieren. Die Medienanstalten gehen davon aus, dass diese Kriterien innerhalb der kommenden drei Jahre erfüllt sein können.

Anschließend folgt die Migrations­phase: Zu dessen Beginn legen die Markt­teilnehmer Kriterien fest, die für den Abschluss der Phase relevant sind. Die Medienanstalten wollen sich dabei an Schwellenwerten orientieren, die mit denen in Großbritannien oder Norwegen vergleichbar sind. Mit Beginn der Migrationsphase sollen der Simulcast (UKW - DAB+) der privaten Hörfunkveranstalter sowie der Ausbau der DAB-Infrastruktur finanziell gefördert werden. Mit der ARD soll ein Abkommen erreicht werden, dass private Hörfunkveranstalter deren Sendeanlagen und gegebenenfalls auch Multiplexe mitbenutzen können, was Kosten spart. Außerdem wollen die Medienanstalten Marketing- und Kommunikationsmaßnahmen aktiv unterstützen.

Keine Neuvergabe von UKW-Frequenzen mehr

Außerdem wollen die Medienanstalten mit Beginn der Migrationsphase das analoge UKW so unattraktiv wie möglich machen. Das bedeutet etwa, dass sie keine neuen UKW-Frequenzen mehr zuweisen wollen. Außerdem sollen von Hörfunkanbietern zurückgegebene UKW-Frequenzen nicht mehr neu vergeben werden. Das gilt auch für den Fall, dass ein Hörfunkanbieter auf UKW seinen Sendebetrieb einstellen musste - etwa aus finanziellen Gründen. Ganz am Ende der Migrationsphase folgt die Abschaltung von UKW. Hörfunk soll es in Deutschland dann nur noch digital geben, über DAB+, internetbasierte Wege, Kabel, Satellit und möglicherweise ergänzt um Techniken, die sich aktuell noch in Entwicklung befinden.

VPRT fordert "Euro-Chip" für alle Radiomodelle und Migration von DAB+

Der Verband Privater Rundfunk und Telemedien e.V. (VPRT) hat unterdessen auf der IFA seine umfassende Position zur Zukunft des Radios in einer konvergenten Welt vorgestellt. Ausgehend vom Status quo beschreibt der Verband die Ziele einer digitalen Hörfunkordnung und fasst die wesentlichen Anforderungen des Privat­radios an sie zusammen.

"Der VPRT zeigt in seinem Positionspapier die Anforderungen an eine digitale Hörfunkordnung auf, die für die Jahre bis 2030 und darüber hinaus richtungs­weisend sind", erklärt Klaus Schunk, Vorsitzender des Fachbereichs Radio und Audiodienste im VPRT: "Die Debatte zur Zukunft des Radios als Inhalteanbieter darf sich nicht auf einen technischen Weg beschränken. Wegweisend könnten deshalb EU-weite Vorgaben für einen technologie-neutralen Multi-Chip, der neben UKW und DAB+ auch Internet enthält, sein". Um die regionale Vielfalt des Mediums zu gewährleisten, brauche das Privatradio einen Ordnungsrahmen, der eine Schädigung der Gattung Radio und existenzielle Auswirkungen auf den Lokalfunk vermeidet. Sie müsse das Geschäftsmodell und die Finanzierungsgrundlage der Privaten berücksichtigen.

In seinem Positionspapier fordert der VPRT einen neuen Ordnungsrahmen, der die lokale und regionale inhaltliche Vielfalt des Mediums erhält, einen fairen Wett­bewerb im dualen Hörfunksystem und Kriterien für eine erfolgreiche Migration im Falle eines UKW-DAB+-Umstiegs statt einer UKW-Abschaltdebatte. Zudem stellt der VPRT seine Anforderungen an klare und verbindliche Kriterien für einen solchen Umstieg sowie für die Nutzung und Finanzierung dieser Übertragungstechnologie vor. Schließlich spricht sich der Verband dafür aus, dass Radio auf allen Endgeräten empfangbar und auffindbar sein muss.

In einer weiteren News sind wir auf die derzeitige Verbreitung von DAB-Geräten in Deutschland eingegangen.

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