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D-Netz & E-Netz: Nur noch Begriffe für den Volksmund

Wer von D-Netz-Qualität spricht, tut das nur noch als Marketing-Begriff. Technisch sind die Bezeichnungen D-Netz und E-Netz schon längst nicht mehr haltbar. Wir erklären Ihnen den Hintergrund der Bezeichnung und warum es nur noch ein Marken-Pseudonym ist.
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D-Netz oder E-Netz? Diese Begriffe sind fachlich seit vielen Jahren schon falschD-Netz oder E-Netz? Diese Begriffe sind fachlich seit vielen Jahren schon falsch Mobilfunknetze würden lange Zeit mit vorangestellten Buchstaben bezeichnet. Während A-Netz und B-Netz für Privatpersonen faktisch nicht nutzbar waren, war das C-Netz das erste echte Mobilfunknetz, das gegen ein entsprechend hohes Entgelt auch für Privatkunden zur Verfügung stand. Dann kamen das D1- und das D2-Netz, später E-Plus und Viag (Arbeitstitel E2-Netz, heute o2). Bis heute wird vom D-Netz und E-Netz gesprochen, dabei sind die einst technischen Bezeichnungen heute längst nicht mehr haltbar.

"Beste D-Netz Qualität", "Allnet-Flat im D-Netz" und ähnlich bewerben Anbieter, die entsprechende Tarife als Reseller im Netz von Telekom und Vodafone anbieten, ihre Netze. Dabei haben die verwendeten Netze längst nichts mehr mit dem einstigen D1- oder D2-Netz zu tun. Denn sie bezeichneten die GSM-Frequenzen um 900 MHz. Wer heute aber Mobilfunktarife bewirbt, macht das vor allem, um UMTS/HSPA oder LTE zu bewerben. Mit einem D-Netz hat das nichts mehr zu tun, es werden komplett andere Frequenzbereiche und Übertragungtechniken genutzt als Mitte der 1990er im GSM-Netz, dem D-Netz.

D-Netz-Frequenzen für E-Plus und o2 schon seit 2006

Auch E-Plus und das heutige o2 sind heute nicht mehr als E-Netz-Anbieter zu bezeichnen - und das nicht, nur weil sie ebenfalls HSPA und LTE nutzen. Ihr Netz entstand ursprünglich als GSM-Netz im Frequenzbereich um 1800 MHz. Doch die Trennung zwischen D-Netz (900-MHz-Bereich für Telekom und Vodafone) und E-Netz (1800-MHz-Bereich, E-Plus und o2) ist schon seit 2006 überholt.

2006 hat die Bundesnetzagentur sogenannte D-Netz-Frequenzen an E-Plus und das heutige o2 zugewiesen. Dabei handelte es sich um die E-GSM-Bereiche, die zuvor militärisch genutzt wurden. Dafür haben sie einige ihrer 1800er-Frequenzen abgegeben, die später an die Telekom und Vodafone gingen. Seit 2006 ist die Definition D-Netz und E-Netz also technisch überholt und reine Marketingbegriffe.

Betrachten wir nur das GSM-Netz, so nutzt die Telekom jedoch bis heute im Wesentlichen den Frequenzbereich um 900 MHz. Lediglich 2 x 5 MHz werden im 1800-MHz-Bereich genutzt. Gleiches gilt für Vodafone. E-Plus und o2 wiederum nutzen im Kern ihr angestammtes 1800er-Spektrum, haben jedoch jeweils 2x5 MHz im 900er-Bereich.

Warum spielen die Frequenzen eine Rolle?

Dass der Begriff D-Netz als Qualitätsmerkmal gilt, geht auf die Eigenschaften der verwendeten Frequenzen zurück. Die 900-MHz-Frequenzen haben deutlich bessere Ausdehnungseigenschaften als die 1800-MHz-Frequenzen. Damit war es den "D-Netz-Anbietern" Telekom und Vodafone schnell möglich, eine nahezu flächendeckende Netzabdeckung mit relativ wenigen Sendern aufzubauen, während man den "E-Netz-Anbietern" in ländlichen Regionen oftmals Funklöcher nachsagte.

Umgekehrt sind die 1800-MHz-Frequenzen besser geeignet, ein engmaschiges Netz in Städten aufzubauen, weil es durch die geringere Ausbreitung auch weniger Störungen durch andere Sender gibt. Allerdings: Wird die engmaschige Planung nicht vorgenommen, kommt es wiederum zu Problemen mit der Inhaus-Versorgung, weil diese Frequenzen schlechter durch Wände übertragen werden können als die 900-MHz-Frequenzen.

Ab 2017 komplette Vermischung

Die Lizenzen für die GSM-Frequenzen laufen Ende 2016 aus. Ab 2017 erfolgt eine komplett neue Zuteilung, die sich nach den Ergebnissen der Versteigerung der Bundesnetzagentur in diesem Jahr richtet. Mit der Neuzuteilung werden alle drei Netzbetreiber (Telekom, Vodafone und Telefónica) dann echte "D-Netz-Betreiber", denn alle drei haben sich mindestens 2 x 10 MHz, die Telekom sogar 2 x 15 MHz Spektrum im 900-MHz-Bereich gesichert. Auch im 1800er-Bereich haben alle Netzbetreiber zugeschlagen, hier wird jedoch voraussichtlich kein GSM mehr zum Einsatz kommen.

Während also aktuell der Begriff "D-Netz-Qualität" zumindest noch mit dem Fokus des GSM-Netzes bei Telekom und Vodafone auf 900-MHz-Frequenzen eine Teilberechtigung hat, wird auch dieses Argument spätestens 2017 obsolet. Die Provider wären also gut beraten, sich von diesem Begriff Schritt für Schritt auch wirklich zu verabschieden. Eine technische Relevanz hat er nicht mehr, es ist nur noch ein Pseudonym für Telekom oder Vodafone.

Welche Frequenzen welcher Anbieter derzeit und ab 2017 im Bereich um 900 und 1800 MHz nutzt, haben wir in einer eigenen Meldung für Sie zusammengestellt.

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