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Cyber-Mobbing: Gruppendruck in Sozialen Netzwerken (Update)

isharegossip.com landet auf dem Index der BPJM
Von dapd / dpa / Marie-Anne Winter

Cyber-Mobbing ist eine Straftat. Cyber-Mobbing ist eine Straftat, die Strafverfolgung ist aber oft kompliziert.
Bild: klicksafe.de
Von wegen sozial: Jugendliche fühlen sich häufig zur Anmeldung bei einem sozialen Netzwerk wie Facebook oder studiVZ genötigt. Sozialer Druck oder die Angst, ausgeschlossen zu werden, spielen dabei durchaus eine Rolle, wie der Medienwissenschaftler Bernd Schorb [Link entfernt] von der Universität Leipzig herausfand. "Es gibt ganze Schulen, die in schülerVZ oder im Süden bei den Lokalisten sind. Es ist ganz entscheidend, auch drin zu sein", erklärte Schorb in einer Mitteilung.

Cyber-Mobbing ist eine Straftat. Cyber-Mobbing ist eine Straftat, die Strafverfolgung ist aber oft kompliziert.
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Hauptgrund für die Nutzung sozialer Netzwerke sei, dass auch Freunde dort seien. Dies kam den Angaben zufolge bei einer Studie heraus, für die über 8 000 Jugendliche im Alter von zwölf bis 19 Jahren direkt in Sozialen Netzwerken befragt wurden.

Wie es weiter hieß, sind die meisten der Befragten nicht nur in einem, sondern in mindestens zwei Netzwerken aktiv. Dabei sind die sozialen Netzwerke laut Schorb für die einzelnen Nutzer nicht wirklich groß. "Sie sind lokal, denn man ist hauptsächlich mit den Freunden zusammen, die man auch sonst sieht", erklärte der Medienwissenschaftler. Aber sie seien auch Räume, in denen man zusammen sein könne, wenn man räumlich getrennt sei.

Brutale Gewalt durch Internet-Mobbing

Die jüngsten Vorfälle im Zusammenhang mit Cyber-Mobbing haben die Politik aufgeschreckt. Bundesjugendministerin Kristina Schröder (CDU) will konsequent gegen Mobbing-Seiten im Internet vorgehen. "Eine Gesellschaft, der der Kinder- und Jugendschutz etwas bedeutet, kann und darf eine solche Entwicklung nicht sang- und klanglos hinnehmen", sagte Schröder dem Wiesbadener Kurier Die Ministerin bezog sich auf Hetzbeiträge auf der Internetseite "Isharegossip", die am vergangenen Wochenende in Berlin Mitauslöser für eine brutale Schlägerei unter Jugendlichen waren. Diese Seite steht auch im Visier der Justizbehörden in Frankfurt am Main.

"Ich habe die Bundesprüfstelle für Jugendgefährdende Medien schon vor einiger Zeit gebeten, eine Indizierung der Seite zu prüfen. In dieser Frage muss mir auch keiner mit einer Zensurdebatte kommen", sagte Köhler der Zeitung. Die CDU-Politikerin zeigte sich bestürzt über die Inhalte der Seite: "Hier beleidigen sich Jugendliche aufs Übelste und ziehen unter dem Deckmäntelchen der Anonymität den Ruf des anderen in den Dreck - vor allem den Ruf junger Mädchen." Die psychischen Folgen für die Betroffenen von Internetmobbing seien "schlimm genug". Sie könnten bis hin zu Suizidversuchen führen. "Und in Berlin haben wir jetzt gesehen, dass das auch Auslöser brutalster realer Gewalt ist", sagte Schröder.

Cyber-Mobbing ist eine Straftat

Der Frankfurter Generalstaatsanwalt Hans-Josef Blumensatt, dem auch die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) in Gießen untersteht, hatte erst am Montag erklärt: "Cyber-Mobbing ist keine Schulhofreiberei, sondern eine ernsthafte Straftat." Das ZIT arbeitet seit dem vergangenen Jahr als bundesweit erste derartige Einrichtung. Blumensatt gab zu bedenken, es sei schwer, an die Betreiber der umstrittenen Seite heranzukommen: "Wir sind jeden Tag dran und verhalten optimistisch, die Betreiber zu ermitteln." Diese führten bewusst ein "Katz-und-Maus-Spiel" mit den Behörden.

Die Bundesprüfstelle für Jugendgefährdende Medien (BPJM) prüft derzeit eine Indizierung der Mobbing-Seite. Die Betreiber hatten nach Auskunft der Behördenleitung bis heute Zeit für eine Stellungnahme. Eine Entscheidung könne "sehr kurzfristig" fallen, hieß es.

Als Folge der Indizierung wäre die von vielen Minderjährigen genutzte Internetseite, die für Pornografie wirbt, nicht mehr über die gängigen Suchmaschinen auffindbar. Abschalten lässt sie sich über den Rechtsweg jedoch nicht. Die Anbieter der Seite können nach Angaben der BPJM nicht weiter durch Aufsichts- oder Bußgeldverfahren belangt werden, da sie die Seite vom Ausland aus betreiben.

Update: isharegossip kommt auf den Index der BPJM

Die Webseite isharegossip.com [Link entfernt] kommt auf den Index der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BpjM), so Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) heute in Berlin. Bei isharegossip.com handelt es sich um eine Gerüchte- und Mobbing-Seite. Diese war in den vergangenen Tagen mit Hetzbeiträgen und heftigen Beleidigungen gegen Jugendliche in die Schlagzeilen geraten. Jeder Eintrag kann dabei von einer breiten Öffentlichkeit gelesen und anonym kommentiert werden.

Landet eine Internetseite auf dem Index der Bundesprüfstelle, so kann diese nicht mehr so leicht in den deutschen Varianten populärer Suchmaschinen wie Google, Bing oder Yahoo gefunden werden. Im Jahr 2007 hatten sich die sechs größten, der in Deutschland tätigen Suchmaschinen, in einer freiwilligen Selbstverpflichtung bereiterklärt, inizierte Seiten nicht mehr in den jeweiligen Suchergebnissen aufzuführen. Die technische Umsetzung der Sperrung von isharegossip.com wird einige Tage in Anspruch nehmen.

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