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Soldaten testen Handy-Tracking für Corona-Infizierte

Bei staat­lichen Soft­ware-Anwen­dungen vergehen rund zwei Jahre bis zum Einsatz in der Praxis. Solange kann in Zeiten der Corona-Pandemie niemand warten. Deshalb nehmen die Vorbe­reitungen für eine Stopp-Corona-App jetzt Fahrt auf.

Derzeit wird ein Handy-Tracking-Verfahren für Corona-Infizierte getestet Derzeit wird ein Handy-Tracking-Verfahren für Corona-Infizierte getestet
picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa
Die Pläne der Bundes­regie­rung für eine Nach­verfol­gung von Corona-Infek­tions­ketten per Handy werden jetzt konkret. In der Berliner Julius-Leber-Kaserne betei­ligen sich heute nach Angaben der Bundes­wehr etwa 50 Soldaten an einem Test für eine Anwen­dung des Fraun­hofer-Insti­tuts zur Nach­verfol­gung mögli­cher Corona-Infek­tionen.

Die schnelle Verfüg­barkeit einer solchen Technik gilt als eine Möglich­keit, die Ausbrei­tung der Lungen­krank­heit Covid-19 zu bremsen, wenn es irgend­wann Locke­rungen der aktu­ellen Einschrän­kungen des öffent­lichen Lebens geben wird. Unter anderem geht es darum, die nur in begrenzter Menge vorhan­denen Corona-Tests ziel­gerichtet einsetzen zu können.

Ablauf teilt sich in mehrere Phasen

Derzeit wird ein Handy-Tracking-Verfahren für Corona-Infizierte getestet Derzeit wird ein Handy-Tracking-Verfahren für Corona-Infizierte getestet
picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa
"Der Ablauf dieser Kali­brie­rung besteht aus mehreren Phasen, in denen sich in einem bestimmten, defi­nierten Areal zunächst zwei Personen aufhalten", teilte die Bundes­wehr mit. "Die Anzahl der Personen wird im Laufe der Zeit schritt­weise erhöht und nach Errei­chen einer fest­gelegten Ziel­größe anschlie­ßend wieder schritt­weise redu­ziert werden."

Die Soldaten müssen sich als Test­personen an bestimmten Punkten, für eine bestimmte Dauer aufhalten oder sich an einen anderen Punkt begeben. Die Test­zyklen finden auf dem Kaser­nenge­lände in Gebäuden und im Freien statt. "Selbst­verständ­lich wird auf die Sicher­heit und Gesund­heit der Teil­nehmer höchsten Wert gelegt und alle mit der nötigen Schutz­ausstat­tung ausge­stattet", hieß es dazu. An der Entwick­lung der Tech­nologie ist nach dpa-Infor­mationen auch das Robert-Koch-Institut betei­ligt.

Test: Anonymer Ansatz zur Kontakt­verfol­gung

Bundes­gesund­heits­minister Jens Spahn (CDU) hatte ursprüng­lich geplant, den Gesund­heits­behörden bei einer "epide­mischen Lage von natio­naler Trag­weite" zu erlauben, Kontakt­personen von Erkrankten anhand von Handy-Stand­ortdaten zu ermit­teln. Nach heftiger Kritik aus der Oppo­sition, aber auch der SPD, stellte Spahn diese Pläne zunächst zurück.

Für eine App, die Bürger frei­willig instal­lieren könnten und die sie ohne Preis­gabe von Namen oder Stand­ortdaten anony­misiert warnt, wenn sie Kontakt mit einem bestä­tigten Infi­zierten hatten, gibt es dagegen poli­tische Unter­stüt­zung aus allen im Bundestag vertre­tenen Parteien. Auch der Bundes­daten­schutz­beauf­tragte Ulrich Kelber (SPD) hält dies für einen gang­baren Weg.

Nach Angaben des Fraun­hofer Hein­rich-Hertz-Insti­tuts geht es bei dem Test um einen anonymen Ansatz zur Kontakt­verfol­gung, "der in voller Über­einstim­mung mit der Daten­schutz­grund­verord­nung ist und auch bei Reisen zwischen Ländern über einen anonymen, länder­über­grei­fenden Austauschme­chanismus verwendet werden kann". Persön­liche Daten oder Stand­orte würden dabei weder gespei­chert noch über­tragen.

Mehr Infor­mationen zum Thema Tracking in Zeiten der Krise lesen Sie in einer weiteren News.

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