Tracking-Cookies

Tracking: So verfolgen Firmen ihre Kunden beim Surfen

Datenschützer warnen vor Horrorvision "Evercookie"
Von dpa / Melanie Höhn

Web-Unternehmen wollen immer mehr Informationen über ihre Nutzer herausfinden und verfolgen so deren Spuren  im Netz. Web-Unternehmen wollen immer mehr Informationen über ihre Nutzer herausfinden und verfolgen so deren Spuren
im Netz.
Bild: teltarif.de
Web-Unternehmen wollen immer mehr Informationen über ihre Nutzer herausfinden und verfolgen so deren Spuren im Netz. Gezielte Informationen über die Gewohnheiten, das Einkommen oder die Hobbys der Konsumenten sind für Unternehmen viel wert. Dadurch kann gezielte und passgenaue Werbung geschaltet werden. Diese verspricht gute Verkaufsmöglichkeiten und gewährleistet damit höhere Preise. Derjenige, der beispielsweise nach Kochrezepten sucht, wird auch noch Tage später Vorschläge zum Kochen angezeigt bekommen.

Verfolgung der Nutzerdaten

Web-Unternehmen wollen immer mehr Informationen über ihre Nutzer herausfinden und verfolgen so deren Spuren  im Netz. Web-Unternehmen wollen immer mehr Informationen über ihre Nutzer herausfinden und verfolgen so deren Spuren
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Bild: teltarif.de
Um möglichst viele Informationen über ihre Nutzer zu sammeln, greifen Unternehmen auf sogenannte Tracking-Cookies zurück. Das bedeutet, dass sie die Nutzer verfolgen bzw. ihnen bestimmte Informationen zuordnen. Dies geschieht durch Suchmaschinen, Werbevermarkter und Datenhändler. Vor allem wird durch die Dateien versucht, Nutzern nachzuspionieren. Meistens kommen diese Cookies nicht vom aufgerufenen Webserver, sondern von fremden Servern, so Marit Hansen vom Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD) in Kiel.

Die Cookies ermöglichen den Website-Besitzern, Besucher erneut zu identifizieren. Online-Shops beispielsweise nutzen diese Funktion, um sich den Einkaufskorb vergangener Einkäufe zu merken, so Prof. Norbert Pohlmann von der Fachhochschule Gelsenkirchen. Der Sicherheitsexperte fügte weiterhin an, dass die Idee an sich zunächst etwas Positives sei. Ein bekannter Anbieter ist beispielsweise Analytics, ein Google-Trackingdienst. Wenn ein Website-Besitzer diese Software verwendet, erhält dieser Statistiken über den Besuch der Seite. Google bekommt wiederum die Daten vom Website-Betreiber.

Aggressiver, aber dennoch unbekannter sind Datenhändler, die laut „Wall Street Journal“ präzise Profile erstellen und verkaufen. Der Datenschützer Hansen erklärt, dass die meisten Menschen nicht wüssten, dass Tracking-Dienste existieren und daher auch nicht darauf achten würden, welche Datenspur sie erzeugen.

Man kann sich wehren

Wenn man nicht durch diese Technologie ausspioniert werden will, hilft man sich am besten selbst. Nutzer können sich nämlich dagegen wehren und ihre Internet-Spuren verwischen. Beispielsweise kann man den Google-Tracking-Dienst auf einer Google-Website ausschalten.

Um sich selbst zu schützen, kann der Nutzer auch dem Browser verweigern, Cookies von Drittanbietern zu akzeptieren – die Dateien also, die das Verhalten der Nutzer über mehrere Webseiten hinweg verfolgen. Wie das mit Internet Explorer, Mozilla und Opera funktioniert, erklären die Kieler Datenschützer auf ihrer Website. Hansen warnt aber, dass das Abschalten manchmal zu Problemen führen kann, ohne dass man gleich merkt, woran es liegt. Die Browser Internet Explorer oder Firefox bieten einen gewissen Grundschutz durch einen privaten Modus des Browsers. Diese Funktion löscht Cookies und Verlauf der besuchten Seiten nach jeder Sitzung. Dadurch ist man beim erneuten Besuch dieser Website wieder ein Fremder, bevor man sich wieder neu einloggt, sagt Norbert Pohlmann.

Doch besonders hartnäckigen Spion-Dateien rückt diese Funktion nicht zuleibe. Denn die sogenannten Flash-Cookies [Link entfernt] werden nicht durch den Browser, sondern durch die Multimedia-Software von Adobe in einem Ordner auf der Festplatte verwaltet. In diesem Fall kann man die Better Privacy-Erweiterung [Link entfernt] von Firefox verwenden, die die Dateien nach jedem Surfen auf Wunsch löscht.

Für alle Browser außer Opera ist das Add-On Ghostery erhältlich, welches auf bestimmte Tracking-Dienste wie das von Google abzielen. Dabei können Nutzer die Cookies einzeln zulassen oder stoppen. Vergleichbares gilt auch für den Werbeblocker Adblock Plus, wobei hier Nutzer verschiedenste Skripte, unter anderem auch Tracking-Dienste, blockieren können.

Gefährlicher als gedacht

Das „Wall Street Journal“ warnte, dass diese Art von Überwachung viel ausgeprägter und penetranter ist, als viele Nutzer überhaupt wissen. Weiterhin erwähnte das Magazin, dass das Ausspionieren von Nutzern ein sehr schnell wachsendes Geschäftsfeld ist.

Der Bundesverband der Verbraucherzentrale (vzbv) [Link entfernt] hat vor kurzem gefordert, dass sich Web-Unternehmen eine aktive Anwender-Einwilligung einholen müssten, bevor sie die Daten der Nutzer verwenden. Doch die Wirtschaft hat dies abgelehnt, da so keine werbefinanzierten Internetangebote mehr möglich wären. Das Argument der vzbv war, dass durch Tracking-Dienste passgenaue Werbung für den Nutzer möglich sei.

Horrorvision Evercookie

Datenschützer warnen vor einem beunruhigenden Zukunftsszenario: einem Evercookie, welches von Informatiker Samy Kamkar entwickelt wurde. Dieser sei nicht zu löschen. Markus Hansen vom Landesdatenschutzzentrum Scheswig-Holstein betont, dass diese Art von Cookie jede Chance ausnutze, den Nutzer wiederzuerkennen. Es handele sich zwar bisher nur um einen Entwurf, jedoch werde es irgendwann zum Einsatz kommen, so Hansen weiter.

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