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Telekom, Vodafone, o2: Das sind die Herausforderungen bei 5G

Auf der diesjährigen connect-conference geht es um die Herausforderungen, die Netzbetreiber und andere Beteiligte bei der Entwicklung des LTE-Nachfolgers 5G zu bewältigen haben. Die Telekom, Vodafone und Telefónica gaben erste Einblicke.
Von der connect-conference in München berichtet
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connect-conference in Münchenconnect-conference in München Noch ist der LTE-Nachfolger 5G nicht final standardisiert - und doch müssen die Netzbetreiber, Netzausrüster und Diensteanbieter zeigen, dass mit 5G mehr als nur ein höherer Downstream als beim momentanen Standard LTE kommt.

Prinzipiell kämpfen alle Netzbetreiber bei der Entwicklung und Implementierung von 5G an derselben Front, auf der heute in München stattfindenden connect-conference wurde aber auch deutlich, dass die drei deutschen Netzbetreiber durchaus mit unterschiedlichen Voraussetzungen an die Sache herangehen.

Diese "Fehler" haben die Netzbetreiber bei LTE gemacht

Beim Vortrag von Cayetano Carbajo Martin, CTO Telefónica Germany, wurde deutlich, dass es beispielsweise nicht nur einfach um das Aufstellen neuer Basisstationen geht. Denn das wird nur dann möglich sein, wenn diese auch mit Highspeed, also per Glasfaser angebunden werden können. Martin musste hierbei eingestehen, dass Konkurrenten wie die Telekom hier bereits jetzt schon besser aufgestellt sind, insbesondere was die Anbindung abgelegener Standorte betrifft. Telefónica wolle diese Herausforderung aber annehmen.

Ein großes Versäumnis bei LTE konstatierte Martin im Bereich der Sprachdienste. Es sei ein Fehler gewesen, Voice over LTE (VoLTE) nicht gleichzeitig mit dem eigentlichen LTE-Standard zu verabschieden. LTE war zunächst als reiner Datenübertragungsstandard gestartet. Dies hat zur Folge, dass die Netzbetreiber sehr viel Energie und Kapazität dafür aufbringen müssen, sich um den Fallback auf 3G/UMTS zu kümmern, wenn der Nutzer telefonieren möchte. Dieser Fehler dürfe bei 5G nicht wiederholt werden, zumal es bei VoLTE auch nach der Einführung technische Barrieren gibt, insbesondere bei älteren Smartphones.

Als weiteren Fehler bezeichnete Martin, dass die Netzbetreiber die Kontrolle über die Endgeräte der Nutzer weitgehend aus der Hand gegeben hätten. Früher hätten die Netzbetreiber aufgrund einer angepassten Firmware mehr darüber "gewusst", was auf den Endgeräten der Nutzer vor sich geht. Heute sei es eher so, dass Entwickler von Smartphone-Herstellern bei den Netzbetreibern anfragen, ob nicht ein bestimmter technischer Parameter im Netz gesetzt werden könnte. Da die Nutzer sich aber mittlerweile an ungebrandete Geräte unter der Hoheit des Anwenders gewöhnt hätten, ist Martin nicht sicher, ob sich in diesem Punkt das Rad zurückdrehen lässt.

Telekom: Wirtschaftlichkeit von 5G sichern

Martin Bouchard, der bei der Telekom für strategische und technische Netzplanung zuständig ist, betonte die Wirtschaftlichkeitsaspekte beim 5G-Ausbau. Es könne nicht sein, dass ein Netzbetreiber für teures Geld eine Infrastruktur bereitstellt, die dann nur wenig ausgelastet ist.

Bouchard wies darauf hin, dass die Telekom sich insbesondere im Bereich der Small Cells engagiert, und genau hier hat die Telekom gegenüber den Wettbewerbern auch eine privilegierte Stellung. Viele Standorte in Innenstädten wie Telekom-Shops oder Telefonzellen sind bereits mit Glasfaser angebunden. Momentan werden dort oft WLAN-Hotspots realisiert. Doch in Zukunft könnte dies die Standorte sein, auf denen kleine 5G-Funkzellen sitzen, die vielleicht nur einen örtlich kleinen Bereich abdecken, dies dafür aber mit hoher Bandbreite, niedriger Latenzzeit und einer fast 100-prozentigen Verfügbarkeit.

Vodafone: Erste Tests zur Latenzzeit im Rennwagen

Anhand eines in Neuseeland produzierten Videos zeigte Michael Reinartz, Bereichsleiter Innovation bei Vodafone Deutschland, wie der Netzbetreiber jetzt schon mit der Latenzzeit bei der Datenübertragung experimentiert, die bei 5G maximal eine Millisekunde betragen soll.

Für den Test wurden die Scheiben eines Rennwagens komplett abgeklebt, sodass keine Sicht nach draußen mehr bestand. Der Rennfahrer und ein Vodafone-Mitarbeiter mussten sich beim Fahren auf dem Testparcours also ganz allein auf die auf Monitoren angezeigten Kamerabilder verlassen, die per LTE übertragen wurden. Dank der geringen Latenzzeit konnte der Rennfahrer wie im echten Leben auch riskante Brems- und Beschleunigungsmanöver und enge Kurvenfahrten durchführen, obwohl er die Hindernisse auf der Strecke nur per Videoübertragung sehen konnte.

Reinartz betonte, dass Vodafone bei der 5G-Entwicklung zunächst an den Endanwender denkt. Mit entsprechenden Rechenzentren in Fußballstadien sei es beispielsweise zukünftig möglich, dass der Stadionbesucher auf seinem Smartphone die Torszene gleichzeitig mit dem Gesamteindruck im Stadion erleben kann und nicht erst um mehrere Sekunden versetzt in der Zeitlupe - oder um mehrere Minuten versetzt wie bei derzeitigen Streaming-Services.

Alles rund um 5G finden Sie auf unserer Übersichtsseite.

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