C64-Geburtstag

"Brotkasten" feiert Geburtstag: C64 wird 30 Jahre alt

Kult-Computer der 80er-Jahre hat immer noch große Fangemeinde
Von mit Material von dpa

Wer von den meist minderjährigen Spielern kein Geld für Software ausgeben wollte, hatte auch so eine große Auswahl. Schnell habe sich eine "illegale Subkultur der Cracker und Kopierer" im Umfeld des C64 entwickelt, ohne dass die erwachsene Öffentlichkeit davon etwas mitbekommen hätte, schreibt der Journalist Christian Stöcker in seinem Buch "Nerd Attack". Um das Urheberrecht scherte sich kaum jemand, und Urheberrechtsverletzungen waren deutlich schwerer nachweisbar als heute. Die Software-Industrie versuchte, durch erste Kopierschutzmaßnahmen der Kopiererei Herr zu werden, doch für die Schwarzkopierer bildete dies um so mehr eine sportliche Herausforderung, den Kopierschutz möglichst schnell auszuhebeln und eine geknackte Version des Programms in Umlauf zu bringen.

Großes Software-Angebot beflügelt Hardware-Verkäufe

Erfolgloser Nachfolger: Der Asus Eee Keyboard PC Erfolgloser Nachfolger: Der Asus Eee Keyboard PC
Foto: teltarif.de
Das kurbelte zumindest den Hardware-Verkauf an. Schätzungsweise 22 Millionen C64 gingen über die Ladentheke. Das Gerät von Commodore schaffte es, den Rechner kinderzimmer- und später salonfähig zu machen. Auch das Zubehör verkaufte sich recht gut: Neben den schon erwähnten Möglichkeiten der Datenspeicherung boten Commodore und die Zubehörindustrie eine C64-Maus, ein Grafiktablett und einen Drucker an. Beliebt waren - extern anzuschließende - Speichererweiterungen, um dem "Brotkasten" etwas mehr Hauptspeicher zu spendieren. Sogar für Datenübertragung war der C64 schon geeignet: Die erhältlichen Modems bekamen für den Betrieb in Deutschland in der Regel keine Zulassung durch die Deutsche Bundespost. Ein Ausweg bestand darin, einen Akustikkoppler zu benutzen, allerdings war diese Form der Datenübertragung sehr langsam und störanfällig.

Doch auch dem C64 war das Schicksal vieler Kult-Geräte beschieden: Irgendwann sind sie technisch hoffnungslos veraltet. Der Hersteller Commodore ging 1994 pleite und stellte die Produktion ein, sein beliebtestes Produkt verschwand mit der Zeit in den Kellern, im Elektroschrott, bei Sammlern oder in Museen.

C64-Emulatoren und Wiederbelebungsversuche

Das heißt: Nicht ganz. Noch heute soll es ein paar Fans geben, die voll Nostalgie auf ihrem "Brotkasten" daddeln. Und auch auf den modernen Maschinen erfreut sich mancher an "Kaiser", "Maniac Mansion" oder "The Last Ninja": Emulationsprogramme schenken den Klassikern auf modernen PCs neues Leben. Die meisten Spiele gibt es kostenlos im Netz, wie früher nicht legal, aber leicht zu bekommen.

Mit dem Lebensgefühl der 80er und frühen 90er Jahre versucht eine US-Firma wieder Geschäfte zu machen: Sie hat die Markenrechte für den C64 gekauft und bietet nun im alten Design einen Rechner an, den C64x. An Bord des Retro-Rechners ist ein moderner Intel-Prozessor, der heutigen Aufgaben gewachsen sein soll. Der Clou: Wer seine Jugenderinnerungen aufleben lassen will, kann in den Klassikmodus wechseln.

Einen weiteren Wiederbelebungsversuch des Konzepts eines Computers in der Tastatur startete Asus vor über zwei Jahren mit dem Eee Keyboard PC. Die leistungsschwache Hardware in Verbindung mit dem veralteten Windows XP sowie der mittlerweile große Erfolg der Tablet-Computer machten den Tastatur-PC aber bereits bei seinem Erscheinen zum Ladenhüter.

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