Lacher

2004: Pleiten, Pech und Pannen

ebay gestohlen, Brüller am Ohr, rasender Gebührenimpuls
Von Marie-Anne Winter

Eine der spektakulärsten Pannen des Jahres 2004 dürfte der unfreiwillige Umzug des Internetauktionshauses ebay gewesen sein. Ein Schüler, der Kunde des Webhosters intergenia war, hatte simpel und dreist so genannte KK-Anträge für bundesweit bekannte Domains wie amazon.de und ebay.de gestellt. Mit diesen Anträgen wird der Umzug einer Domain von einem Webhoster zu einem anderen beantragt. Theoretisch müssen Domain-Inhaber und technischer Verwalter diesem Umzug zustimmen, doch ausgerechnet bei ebay griff diese Sicherheitsvorrichtung nicht. Während im Falle von amazon.de der Antrag korrekterweise abgelehnt wurde, war dies bei ebay nicht der Fall, so dass der Umzug tatsächlich stattfand - und ebay für die Nutzer nicht mehr erreichbar war. Die Nutzer der Auktionsplattform fanden diesen Schüler-Spaß allerdings weniger lustig, ebay musste sich in der Folge mit Schadensersatzansprüchen herumschlagen.

Der Brüller von Siemens

Auch Siemens Communications hat 2004 eine dicke Panne hingelegt: Das Unternehmen musste eine erste Nahezu-Rückruf-Aktion einer ganzen Handyserie starten. Bei der 65er-Produktfamilie (unter anderem C65, CX65, M65, S65 und SL65) gab es eine softwarebedingte Fehleinstellung, die beim automatischen Abbruch eines Telefonats wegens eines leeren Akkus das Abspielen der Ausschaltmelodie mit einer Lautstärke auslösen konnte, die "im Extremfall (...) zu Hörschäden führen" konnte, wie Siemens Communications damals mitteilte. Von Hörschäden ist glücklicherweise nichts bekannt geworden. Allerdings verfehlte Siemens Communications das Ziel, zur Nummer drei im Handymarkt zu werden, um Längen.

Auch die Handynutzer in Frankreich hatten mit Pannen zu kämpfen. Mitte November brach das Mobilfunknetz des Anbieters Bouygues Télécom für rund 20 Stunden völlig zusammen, nachdem zwei Mammut-Server gleichzeitig ausgefallen waren, die sich eigentlich gegenseitig hätten ersetzen sollen. Auch Notrufnummern konnten nicht mehr angerufen werden. Zuvor war es beim Anbieter France Télécom zu einem Ausfall gekommen.

Anlaufschwierigkeiten bei Call-by-Call-Anbietern

Ebensowenig waren die einheimischen Telefonanbieter vor Pannen gefeit: Neben allerlei Netzstörungen und Fehlern bei der Bereitstellung von Telefon- oder DSL-Anschlüssen oder bei der Abrechnung, wie sie immer wieder auftreten, gab es auch den einen oder andern unfreiwilligen Lacher. So trat im August ein neuer Anbieter im Call-by-Call-Markt auf. Das Marburger Unternehmen fon4U Telecom bot über die Netzkennzahl 01053 Ferngespräche, Auslandsgespräche und Telefonate in die Mobilfunknetze an. Gleich zum Start seines Angebots wurden die Preise für Gespräche in die D-Netze in der Tarifansage deutlich teurer angegeben, als auf der Homepage zu lesen war.

Anlaufschwierigkeiten hatte auch der im Oktober an den Start gegangene Call-by-Call-Anbieter 01038. Viele Nutzer der neuen Call-by-Call-Nummer staunten nicht schlecht, als sie beim Telefonieren auf den Gebührenzähler ihres Telefons blickten. Dort wurde ein Vielfaches an Einheiten mehr angezeigt, als aufgrund der Preisangaben dieses Anbieters zu erwarten war. Es handelte sich um einen Programmierfehler, der allerdings nur die Anzeige des Gebührenimpulses betraf - abgerechnet wurden die versprochenen Minutenpreise.

Themenrecycling der anderen Art

Auch im Redaktionsalltag gab es einige Lacher: So verschickte Siemens Communications am Morgen des 15. Dezember eine Pressemitteilung zu einem angeblich neuen Handy, dem A60. Im Kopf der Mitteilung stand allerdings München, September 2003. Das erklärte, warum uns das Handy so bekannt vorgekommen war. Nach einiger Zeit entschuldigte sich Siemens, es sei ein Fehler in einer neuen Datenbankstruktur aufgetreten, weshalb man versehentlich die alte Pressemitteilung versandt habe. Ein bis zwei Stunden später kam eine Meldung der Nachrichtenagentur dpa hereingeflattert: "Neues Siemens-Handy für Einsteiger mit Farbdisplay", hieß es im Titel, weiter im Text wurde dann das Modell A60 vorgestellt - mit aktuellem Datum.