Sonnen-Energie

Choetech Solar-Ladegerät im Test - lädt die Sonne das Smartphone?

Handy-Laden per Sonnen-Energie - reicht die Power eines handelsüblichen Solarpanels dafür aus? Wir haben ein Solar-Ladegerät von Choetech unter verschiedenen Bedingungen getestet und schildern Gefahren, die dabei drohen.
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In der Werbung für Produkte, die Solar-Energie nutzen, wird den Verbrauchern manchmal eine gewisse Unabhängigkeit von anderen Energiequellen wie der Steckdose vorgegaukelt - als ob die Sonne ausschließlich für die Energieversorgung ausreichen würde. Auch für Smartphones und Tablets sind in den vergangenen Jahren vermehrt Solar-Akkus und Solar-Ladegeräte auf den Markt gekommen

In der Regel werden derartige Solar-Ladegeräte fürs Smartphone in Tests eher kritisch bewertet - so auch bei der Stiftung Warentest, die vor einigen Wochen im Rahmen eines Testberichts zu externen Akkus auch zwei Solar-Ladegeräte testete (teltarif.de berichtete). Damals konstatierten die Tester, dass etwa 40 bis 90 Sonnenstunden notwendig gewesen wären, um die Geräte zu laden.

Das voll ausgeklappte Panel auf einer Wiese
Das voll ausgeklappte Panel auf einer Wiese
Üblicherweise werden externe Akkus und Ladegeräte heutzutage in China produziert. Hat das Unternehmen noch keinen in Europa bekannten Namen und kein europäisches Vertriebsnetz, erfolgt der Verkauf in der Regel über Amazon. So war es auch bei der von uns getesteten EasyAcc Monster Power Bank.

Eines der auf Amazon angebotenen Solar-Ladegeräte stammt von der chinesischen Firma Choetech in Shenzhen und nennt sich Choetech Solar-Ladegerät 19W SC001. Wir haben das Ladegerät, das auf Amazon momentan 46 Euro kostet, zum Test bestellt.

Solar-Ladegerät zusammengefaltet mit Loch zum Aufhängen
Solar-Ladegerät zusammengefaltet mit Loch zum Aufhängen

Diese Gefahren birgt die Nutzung eines Solar-Ladegeräts

Die durchschnittliche Sonnenscheindauer in Deutschland im Jahr 2015 betrug laut Statista 1723 Stunden. Je nach Wetterlage kann es in einzelnen Regionen vorkommen, dass aufgrund dichter Bewölkung oder wegen Nebel oder Regen die Sonne tagelang nicht zu sehen ist. In diesen Zeiten ist ein Solar-Ladegerät nicht verwendbar. Man muss für unsere Breitengrade also immer damit rechnen, dass ein Solar-Ladegerät gegebenenfalls eine echte Fehlinvestition ist - oder dass man es umsonst mitgeschleppt hat, wenn der Himmel im Urlaub wolkenverhangen bleibt.

Scheint dann die Sonne intensiv, steigen die Temperaturen auch in Deutschland über 40 Grad. Dann ist das Solar-Ladegerät zwar nutzbar, es droht aber eine andere Gefahr: Das zu ladende Smartphone oder Tablet muss zusammen mit dem Lade-Panel in die pralle Sonne gelegt werden und lebt dann sehr gefährlich. Bei großer Hitze verformen sich nicht nur die Plastik-Teile des Gehäuses, auch für die inneren Bauteile, für das Display und vor allem für den Akku besteht große Gefahr - ein Akku kann bei zu großer Hitzeeinwirkung sogar explodieren. Wie man das Handy davor schützt, haben wir in einem separaten Ratgeber erläutert.

Wer also regelmäßig ein Solar-Panel samt Smartphone in die pralle Sonne legt, darf dies niemals unbeaufsichtigt tun, sondern muss regelmäßig beobachten, ob die Geräte nicht zu heiß werden.

Anleitung in der aufgenähten Smartphone-Netztasche
Anleitung in der aufgenähten Smartphone-Netztasche

So ist das Choetech Solar-Ladegerät 19W SC001 aufgebaut

Das Choetech Solar-Ladegerät 19W SC001 wird von Amazon in einer schlichten braunen Kartonverpackung geliefert. Als Zubehör liegen lediglich ein Micro-USB-Kabel und eine Kurzanleitung bei. Das Ladegerät besteht aus drei Solar-Panels, zwischen denen jeweils eine Knickstelle liegt. Der Nutzer kann das Gerät also auf die Größe eines Panels zusammenfalten. Im gefalteten Zustand misst das Ladegerät 26 mal 16 mal 1,7 Zentimeter und wiegt mit USB-Kabel rund 500 Gramm. Im aufgeklappten Zustand misst das Panel 53 mal 26 Zentimeter.

Die drei Solarmodule sind mit einer gehärteter Plastikfläche aus PET eingewebt und stecken in einer Polyester-Hülle, die an das Material eines Wander-Rucksacks oder eines Zelts erinnert. Kratzfest ist die PET-Oberfläche allerdings nicht - nach wenigen Tests sahen wir bereits erste Kratzer auf den Solarmodulen. Auf der Außenseite eines Panels befindet sich eine aufgenähte Netztasche mit Reißverschluss. Darin ist der USB-Anschluss mit zwei USB-Buchsen angebracht. Über das Choetech Solar-Ladegerät 19W SC001 können also zwei Geräte gleichzeitig geladen werden, es liegt allerdings nur ein Micro-USB-Kabel bei. In unserem Test passten problemlos zwei 5,5-Zoll-Smartphones samt Kabeln übereinander in die Netztasche und der Reißverschluss hält das Gewicht auch aus. Ein paar Regentropfen oder Spritzwasser hält das Panel aus, untertauchen sollte man es allerdings auf gar keinen Fall.

USB-Anschlüsse und Micro-USB-Kabel
USB-Anschlüsse und Micro-USB-Kabel
Das Panel verfügt an einem Ende über ein mit einem Metallring verstärktes Loch, zusätzlich gibt es seitlich sechs Schlaufen. Man kann das Solar-Ladegerät also mit einem Gurt, einem Seil oder mehreren Karabinerhaken am Rucksack, am Zelt oder an einem Baum aufhängen. Dabei sollte man mindestens zwei Schlaufen nutzen, damit das Gerät bei Wind nicht frei herumbaumelt. In der Tasche ist eine kleine Bild-Anleitung eingedruckt, wie das Panel zu positionieren ist: Es soll möglichst senkrecht zur Sonne positioniert werden, ab 45 Grad Einfallswinkel gibt es bereits Einbußen und bei einem noch flacheren Winkel lädt das Panel irgendwann gar nicht mehr.

Die technischen Daten des Choetech Solar-Ladegerät 19W SC001 sind schnell erwähnt: Das Solar-Panel hat eine Leistung von 19 Watt. Über jeden USB-Port werden maximal 5 Volt und 2,4 Ampere abgegeben. Mit der Auto-Detect-Technologie erkennt das Solar-Ladegerät, welche Stromstärke das angeschlossene Gerät maximal verträgt und passt sich daran an. Ein Akku ist im Choetech Solar-Ladegerät 19W SC001 nicht verbaut, das Panel kann also keine Energie zwischenspeichern, sondern nur direkt abgeben. Der maximale Output liegt bei 3000 mA.

5,5-Zoll-Smartphones passen in die Tasche
5,5-Zoll-Smartphones passen in die Tasche

Leistung des Panels wegen Hitze schwer zu beurteilen

In unserem Test haben wir das Choetech Solar-Ladegerät 19W SC001 in verschiedenen Situationen getestet. Bei einem Testlauf lag es an einem wechselhaften Tag auf dem Balkon. Empfängt das Panel genügend Sonnenenergie, um Ladung an ein Smartphone abzugeben, leuchtet hinter den USB-Anschlüssen eine rote LED, außerdem sieht man natürlich auf dem Smartphone-Display, dass ein Ladevorgang stattfindet. Hat man zusätzlich im Smartphone eingestellt, dass bei angeschlossenem Ladegerät ein Signalton ertönt, hört man anhand des Pieptons, wann das Ladegerät nach einer Wolkenphase wieder zu laden beginnt. Vollständig laden konnten wir den Akku des Oneplus One mit 3100 mAh an diesem Nachmittag allerdings nicht, innerhalb einer Sonnenstunde stieg der Ladestand um etwa 15 Prozentpunkte von rund 30 auf 45 Prozent, danach hielt das Ladegerät diesen Ladestand, ohne weiter zu laden.

Bei direkter Sonne über mehrere Stunden droht Überhitzungsgefahr
Bei direkter Sonne über mehrere Stunden droht Überhitzungsgefahr
Mit Beginn des Hochsommers testeten wir das Panel dann an einem glühend heißen Sommertag auf einer Rasenfläche ohne Schatten, als kein Wölkchen den Himmel trübte. Und siehe da: Hier konnte man tatsächlich erstmals von einem echten Ladevorgang sprechen: Innerhalb von fünf Stunden konnten wir den Ladestand des Oneplus-One-Akkus von 18 auf 80 Prozent bringen. Die These, dass Solar-Ladegeräte den Ladezustand nur stabilisieren, aber nicht signifikant erhöhen können, ist damit eindeutig widerlegt. Für ältere Solar-Panels mit schwächerer Leistung trifft dies aber weiterhin zu.

In unseren Diagrammen sind die Ladezyklen der beiden Tests zu erkennen (erster Test links, zweiter Test in der Mitte und rechts). Beim zweiten Test war das Panel nach fünf Stunden in der prallen Sonne so heiß, dass wir uns schwere Verbrennungen zugezogen hätten, wenn wir die Solarmodule mit der Hand berührt hätten - hier hätte man tatsächlich ein Spiegelei auf den Paneelen braten können. Wir mussten das Gerät dann allerdings schnell aus der Sonne nehmen, weil auch das Oneplus One, das im Schatten unter dem Ladegerät in der Netztasche steckte, so heiß geworden war, dass die Gefahr einer Beschädigung bestand. Von daher können wir nicht beurteilen, ob das Ladegerät den Akku wirklich auf 100 Prozent gebracht hätte. Eine Steigerung der Ladung um 62 Prozentpunkte halten wir allerdings für so gut, dass wir das Ladegerät zu diesem Preis empfehlen können. Im rechten Diagramm ist dann zu sehen, wie der Ladezustand sank, nachdem wir das Ladegerät aus der Sonne nahmen.

Erster Ladevorgang links, zweiter Ladevorgang in der Mitte und rechts
Erster Ladevorgang links, zweiter Ladevorgang in der Mitte und rechts

Fazit: Solar-Ladung für aufmerksame Nutzer

Dem Choetech Solar-Ladegerät 19W SC001 können wir bescheinigen, dass es tatsächlich hält, was es verspricht. Im Vergleich zu älteren Solarpanels kann es bei optimalen Wetterbedingungen tatsächlich den Akku laden und nicht nur den gegenwärtigen Akkustand stabilisieren.

Die "idealen Bedingungen", nämlich starke und direkte Sonne, können allerdings schnell zum Problem werden und zu einer Erhitzung des Panels und des angeschlossenen Smartphones führen, was irreparable Schäden hervorrufen kann. Das Solar-Laden können wir also nur Anwendern empfehlen, die während des Ladevorgangs auch regelmäßig ein Auge auf Panel und Smartphone haben, damit keine Hitzeschäden zu beklagen sind.

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