Blockade

Chinas zweite Mauer: Die große Firewall

In China gibt es zwei Mauern. Die eine ist Weltkulturerbe, die andere sorgt für Ärger. Denn die chinesische Zensur sperrt den Zugriff vor allem auf westliche Webseiten. Was kann man also tun, damit es nicht heißt: Offline in China?
Aus China berichtet Rita Deutschbein

Auf gut Glück verschiedene VPN-Abos abzuschließen, kann teuer werden. Zumal vorab mitunter gar nicht sicher ist, welche Dienste überhaupt funktionieren. Ich habe daher vor Reiseantritt Google bemüht (denn immerhin funktioniert die Suchmaschine hierzulande) und bin auf einige Webseiten gestoßen, auf denen China-Reisende von ihren Erfahrungen mit bestimmten VPNs berichten. Wertvolle Tipps gibt beispielsweise die Seite StartupLivingChina, die von einem in Kanada geborenen Chinesen betrieben wird, der in China lebt und daher die Funktionalität verschiedener VPNs zuverlässig testen kann.

Aktuell werden die VPNs von ExpressVPN, VyprVPN und Astrill als zuverlässige Dienste empfohlen. Zum Teil bieten sie einen Probebetrieb für bis zu sieben Tage an, in denen die VPNs kostenfrei ausprobiert werden können. Für meinen fünftägigen China-Trip also ideal. Als Empfehlung habe ich erhalten, vor Reiseantritt mehrere VPNs auf dem Smartphone, Tablet und PC zu installieren. Denn sollte ein Dienst von der chinesischen Zensur betroffen sein, hat man Ausweich-Software parat. Vor Ort in China gestaltet sich die Installation von VPNs zumindest auf Android-Geräten schwierig, denn häufig haben Reisende keinen Zugriff auf den Google Play Store. Internet in China ExpressVPN funktioniert in China zuverlässig
Bild: teltarif.de / Rita Deutschbein

VPN: Worauf sollten Nutzer achten?

Neben dem Preis und der Geräte-Kompatibilität spielen bei der Wahl eines VPNs noch weitere Faktoren eine wichtige Rolle. So sollte darauf geachtet werden, dass die Software leicht zu bedienen ist und Verbindungen stabil gehalten werden. Bei Diensten beispielsweise von F-Secure müssen Nutzer nach der App-Installation lediglich einstellen über welchen Server sie ihre Internet-Verbindung leiten wollen. Den Rest erledigt die Software. Es gibt aber auch Anwendungen, für die man quasi eine Technik-Ausbildung benötigt, um die notwendigen Einstellungen vornehmen zu können. Das ist bei Software, die man tagtäglich mehrmals benötigt alles andere als komfortabel.

Ein VPN sollte mit einer 128-Bit-Schlüssellänge gesichert sein, denn für die meisten Anwendungen bietet sie eine ausreichend starke Sicherheit vor Angriffen von außen. Eine höhere Schlüssellänge ist prinzipiell zwar auch zu finden, sie verlangsamt aber auch die Verbindungen. Zudem sollte ein guter VPN die wichtigen Protokolle OpenVPN, PPTP und IPSEC/L2TP unterstützen.

Die meisten VPN-Anbieter nutzen Server, die auf der ganzen Welt verteilt sind. In China gelten die Server in Los Angeles (USA) und Hongkong als sehr zuverlässig wenn es darum geht, die Internetverbindung umzuleiten. Es kann vorkommen, dass die Firewall in China bestimmte IP-Adressen blockt - je mehr Server also zur Auswahl stehen, desto mehr Ausweich­möglich­keiten haben Nutzer.

Nicht vergessen werden sollte der Kundenservice eines VPN-Anbieters. Denn gibt es Probleme mit dem Service, müssen diese möglichst schnell gelöst werden. Ansonsten sind Urlauber im schlimmsten Fall mehrere Tage von einem großen Teil des Internets abgeschnitten. Der Kundenservice sollte daher auch ohne VPN erreichbar sein - etwa über das Telefon. Internet in China ExpressVPN: Verbindung mit wenigen Klicks
Bild: teltarif.de / Rita Deutschbein

Aktuell empfehlenswerte VPN-Anbieter für China

Ich selbst habe in China ExpressVPN genutzt. Der Dienst ist mit 12,95 US-Dollar im Monat nicht besonders günstig, gilt aber als sehr zuverlässig. Und tatsächlich umging ich mit ExpressVPN in China nahezu problemlos jede Internet-Mauer. Die Server in Hongkong, Los Angeles (USA), Singapur sowie Tokio und Australien funktionierten tadellos. Ohne den VPN gab es beim Aufruf von Diensten wie der Google-Suche oder Twitter und Facebook enorm lange Wartezeiten, bis der Vorgang schlussendlich abgebrochen wurde. WhatsApp machte wiederum auch ohne VPN keine Probleme.

ExpressVPN bietet Apps für iOS aber auch Android und Kindle an. Ebenso gibt es Software für PCs. Allerdings kann immer nur ein Gerät einer Kategorie gleichzeitig über den VPN-Tunnel surfen. Ein Windows-PC und ein Android-Smartphone können den VPN also simultan nutzen, zwei mobile Geräte (Smartphones, Tablets) wiederum nicht.

Die Menge der Daten, die über den VPN-Tunnel von ExpressVPN geschickt werden kann, ist nicht gedrosselt. Falls es zu Problemen kommt, gibt es zudem einen Kundensupport, der rund um die Uhr erreichbar ist. Ich selbst brauchte diesen während fünf Tagen China allerdings nicht.

Mitreisende nach China haben mit dem Anbieter F-Secure ebenfalls sehr gute Erfahrungen gemacht. Sie umgingen sie mit dem VPN problemlos die Blockaden in China. Die Auswahl der zur Verfügung stehenden Server ist nahezu ebenso hoch wie bei ExpressVPN, wobei sich auch hier die bereits genannten Server in Hongkong & Co. als am zuverlässigsten erwiesen.

In sehr wenigen Fällen kam es vor, dass sich ExpressVPN nicht mit einem Server verbinden wollte oder der Tunnel sehr schnell zusammengebrochen ist. Komischerweise konnten wir in diesen Fällen aber auf F-Secure ausweichen. Ebenso geschah es andersherum, dass ExpressVPN als Alternative zu F-Secure herangezogen werden konnte, wenn es hier Probleme gab.

Meine persönliche Empfehlung sind also die beiden Anbieter ExpressVPN und F-Secure, wenn man eine Reise nach China plant. Zumindest aktuell umgehen diese die chinesische Firewall zuverlässig. Die Verbindung ist mit zwei Klicks hergestellt und auch für Laien ist die Software sehr einfach bedienbar.

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