Blockade

Chinas zweite Mauer: Die große Firewall

In China gibt es zwei Mauern. Die eine ist Weltkulturerbe, die andere sorgt für Ärger. Denn die chinesische Zensur sperrt den Zugriff vor allem auf westliche Webseiten. Was kann man also tun, damit es nicht heißt: Offline in China?
Aus China berichtet
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Was die freie Nutzung des Internets angeht sind wir Deutschen verwöhnt. Das wurde mir allerdings erst bewusst, als ich eine Reise in ein Land geplant habe, in dem Dienste wie Facebook, WhatsApp, Google & Co. nicht regulär zugänglich sind. Denn ich wurde vom chinesischen Hersteller Honor nach Shenzhen in China eingeladen, um dort hinter die Kulissen eines Smartphone-Fabrikanten zu schauen und zusammen mit Honor den zweiten Geburtstag des Unternehmens zu feiern. Klar, dass ich bei diesem Besuch nicht vollständig vom Heimatland abgeschnitten sein wollte. Doch in China gibt es neben der beliebten Touristen­attraktion eine zweite große Mauer, die nicht nur uns Reisenden, sondern sicher auch vielen Chinesen das Leben schwer macht - die große Firewall.

Internet in ChinaOffline in China? Das Internet in China wird von oberster Stelle stark kontrolliert. Vor allem der Zugriff auf westliche Webseiten ist im Reich der Mitte blockiert oder die Seiten sind nur sehr eingeschränkt abrufbar. Twitter, Flickr, Instagram? Vergesst es. Auch Nachrichten-Portale wie das der New York Times hat die Internet-Sperre mittlerweile getroffen. Auf der Plattform Greatfire.org kann geprüft werden, welche Webseiten von China aus zu erreichen sind und welche die chinesische Zensur gesperrt hat. Doch was tun, wenn man in China nicht auf unser bekanntes Internet verzichten will? Die sogenannten Virtual Private Networks, bekannt auch unter der Abkürzung VPN, versprechen Abhilfe. Tja, wenn das nur so einfach wäre.

Wer suchet, der findet - oder so ähnlich

Wozu braucht man in China einen VPN? Mit der Software kann eine verschlüsselte Verbindung zu einem ausländischen Server hergestellt werden, Anfragen laufen also nicht mehr über die kontrollierten chinesischen Server. Nutzer können ihre Internet­verbindung beispielsweise also über die USA umleiten und so Dienste nutzen, die im eigenen Aufenthaltsland gesperrt sind. Das gilt nicht nur für den China-Aufenthalt. Wer also Streaming-Dienste nutzen will, die hierzulande nicht angeboten werden, oder die Nase voll hat von der YouTube-Meldung "Diese Inhalte sind in Ihrem Land gesperrt", kann mit einem VPN-Tunnel Abhilfe schaffen. Netter Nebeneffekt: Beim Surfen an öffentlichen WLAN-Hotspots sind die eigenen Daten gesichert und können somit nicht abgegriffen werden.

Doch es gibt eine Hürde: Wer sich allein im Google Play Store den Spaß macht und VPN als Suchbegriff eingibt, findet eine schier unüberschaubare Anzahl an entsprechenden Apps - und das allein für Android-Geräte. Hinzu kommen die VPN-Anwendungen für andere mobile Betriebssysteme wie iOS oder auch die Anbieter, die auf ihren Webseiten Programme für Windows-PCs und Macs anbieten.

Wer jetzt denkt: "Dann installiere doch einfach irgendeinen VPN, das wird schon klappen", liegt daneben. Denn die Zensoren sind pfiffig und stören mit verbesserten technischen Möglichkeiten zunehmend die VPN-Tunneldienste bzw. deren Protokolle wie IPSec, PPTP, L2TP. Und das so geschickt, dass ein VPN, der im vergangenen Monat noch offen war, heute vielleicht schon gesperrt ist. Die Folge: Verlassen sich China-Reisende auf einen einzigen VPN, der mittlerweile aber auf der Liste der chinesischen Behörden steht, gibt es vor Ort kein Facebook, Twitter oder GMail. Dann heißt es: Offline in China, oder das so gut wie.

Honor feiert zweiten Geburtstag in China
Honor feiert zweiten Geburtstag in China

Ein guter VPN kostet

Wer auf der Suche nach einem VPN ist, wird schnell feststellen, dass viele Anbieter Geld für ihren Service verlangen. Die Preise reichen von 5 bis zu über 12 Euro im Monat, alternativ kann ein Zugang auch für mehrere Monate oder ein Jahr gebucht werden, was meist etwas günstiger ist. Es findet sich allerdings auch kostenlose Software, bei der Nutzer aber vorsichtig sein sollten. Denn nicht immer gehen die Betreiber sorgsam mit den Daten um. Ein seriöser VPN-Anbieter, der Daten nicht weitergibt, ist also Pflicht.

Wollen China-Reisende nur ab und zu bei Facebook, Twitter & Co. vorbeischauen oder die ein oder andere E-Mail versenden, reicht in der Regel ein einfacher VPN-Zugang, der meist günstig zu haben ist. Dauersurfer und diejenigen, die Musik streamen oder mit dem Smartphone navigieren wollen, sollten allerdings Zugänge wählen, die die Übertragung von hohen Datenmengen und zudem ausreichend hohe Geschwindigkeiten erlauben. Derartige Angebote sind teurer, lohnen sich aber vor allem für längere Aufenthalte in China. Auch die Frage, wie viele Geräte gleichzeitig über den VPN-Tunnel ins Netz gehen sollen, ist für die Entscheidung wichtig. Denn einige Accounts erlauben nur das Einbuchen eines einzigen Endgerätes.

Auf der nächsten Seite nennen wir derzeit zuverlässige VPNs für China und sagen, wie unsere eigenen Surf-Erfahrungen vor Ort waren.

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