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Editorial: geschrumpft

Der "Mythos CeBIT" ist gebrochen
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Lange war sie die ITK-Veranstaltung schlechthin: Die Computermesse CeBIT. Jeder mit Rang und Namen war da, mit ganz, ganz wenigen Ausnahmen. Über die Motive der CeBIT-Verweigerer wie Apple oder Dell wurde nicht nur in der Fachpresse ausführlich diskutiert.

Doch inzwischen drohen der CeBIT nicht nur einige große Namen, sondern eine ganze Sparte der ITK verloren zu gehen, und zwar die, für die das "T" aus dem Akronym "CeBIT" steht: Nokia, Samsung Mobile, Motorola, E-Plus, o2/Telefónica, Texas Instruments und viele weitere Größen der Branche bauten dieses Jahr keinen eigenen Stand in Hannover auf. Dabei waren diese Unternehmen im Februar allesamt auf dem Mobile World Congress (MWC) vertreten. Offensichtlich fühlt sich die Mobilfunkbranche in Barcelona wohler als in Hannover.

Beispiel Termin: Dieses Jahr lag nur eine freie Woche zwischen dem MWC und der CeBIT. Damit war es praktisch aussichtslos, die beiden Messen mit demselben Team zu stemmen. Somit wurden die Unternehmen zur Entscheidung "MWC oder CeBIT" gezwungen, die offensichtlich oft zu Ungunsten von Hannover ausfiel.

Kommendes Jahr wird das Problem nicht besser werden, denn die Messeleitung hat den Beginn der nächsten CeBIT ebenfalls wieder auf den ersten Dienstag im März gelegt. Dabei war es in der Vergangenheit durchaus üblich, dass die CeBIT erst in der zweiten oder dritten Märzwoche beginnt.

Wie viele Tage denn?

Beispiel Messedauer: Nach dem Riesen-Ansturm 2001 (knapp 850 000 Besucher) wurde die CeBIT 2002 von sieben auf acht Tage verlängert. 2004 folgte dann die Rückkehr zum gewohnten 7-Tage-Zyklus, 2008 wurde auf sechs Tage verkürzt, ab 2010 sollen es sogar nur noch fünf sein. Durch die kürzere Dauer sollen die Unternehmen Personalkosten sparen. Andererseits bleiben die - in der Regel dominierenden - Kosten für Standbau, -miete und -exponate trotz Verkürzung unverändert und müssen nun in entsprechend kürzerer Zeit wieder reingeholt werden.

Während die großen Berliner Messen wie die Grüne Woche, IFA und ILA erfolgreich mit einem Konzept arbeiten, das Fachbesucher wie Privatbesucher gleichermaßen anspricht, scheint auf der CeBIT eine zunehmende Phobie vor letzteren zu herrschen. Bei der anstehenden Reduktion von 6 auf 5 Tage wird der Sonntag gestrichen.

Wenn die Privatkundenaussperrung funktioniert, wird der Ruf der Messe darunter leiden. Wenn sie nicht funktioniert und sich künftig am Samstag die doppelte Zahl an Messebesuchern in den Hallen stapelt, wird das ebensowenig förderlich sein. Die CeBIT wird also weiter Federn lassen müssen, dabei liegen Besucherzahlen und Ausstellungsfläche bereits jetzt auf weniger als der Hälfte des Allzeit-Hochs 2001.

Für wen?

Zudem funktioniert Telekommunikation anders als die Sparten, mit denen die CeBIT groß geworden ist: PCs, Server und Software. In der Telekommunikation sind Standards noch wichtiger als im PC-Bereich. Viel Geschäft in der Telekommunikation läuft über bilaterale Verträge, etwa beim Roaming oder der gegenseitigen Terminierung. Diesen Umständen wird im Konzept der Messe nicht ausreichend Rechnung getragen.

Zu Zeiten des Booms hielt es die CeBIT-Leitung zudem für unumgänglich, Nicht-PC-Technik wie Spielkonsolen auszusperren, auch, wenn man damit Ausstellern vor den Kopf stieß. Entsprechend schwierig ist es, diese jetzt zur Rückkehr zu bewegen. Dabei werden, ermöglicht durch die immer höhere Integration und die immer geringeren Stückkosten, zunehmend Funktionen in spezialisierte Geräte ausgelagert. Nicht nur Spielekonsolen, sondern auch MP3-Player, Digitalkameras, Navigationssysteme, Fetplatten-Rekorder und dergleichen mehr. Wenn die CeBIT nicht bald einen angemessenen Rahmen hierfür findet, wird sie bald noch mehr Aussteller an Spezialmessen verlieren.

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