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Connected Car: Internet und AppStore im Auto

Continental und die Telekom sowie Alcatel-Lucent zeigen vernetzte Fahrzeuge
Von Lars Hessling /
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Auf der CeBIT zeigten Continental und die Deutsche Telekom sowie Alcatel-Lucent zwei Modelle eines Connected Car - also wie sie sich die gar nicht allzu ferne Zukunft von Internet, Kommunikation, Navigation und Datenaustausch im vollvernetzten Auto vorstellen. Bei beiden Fahrzeugen setzen die Hersteller sowohl auf die Mobilfunktechnik LTE als auch das App-Konzept, das bereits von vielen Smartphones bekannt ist. Dabei baut Continental auf Googles Betriebssystem Android, während Alcatel-Lucent als Basis das Echtzeitbetriebssystem QNX einsetzt.

Der Aufpreis für die Hardware soll Continental zufolge im günstigsten Fall nicht höher sein als bei einer heutigen Radio-Navi-Kombination. Diesen Punkt werden die Hersteller aber erst erreichen können, wenn die Technologie in großen Stückzahlen im Massenmarkt eingebaut wird. Erste Fahrzeuge können in etwa zwei Jahren erwartet werden, dann wird der Aufpreis noch deutlich höher liegen.

Apps statt Internetseiten

Vincent Charles, Marketing Manager bei Continental Automotive, zufolge will man das Internet nicht in der Form ins Auto bringen, die man vom Browser auf dem heimischen PC kennt. Man wolle keine Informationsflut generieren. Am Telekom-Stand zeigte Continental daher mit AutoLinQ verschiedene Funktionen in einem VW Passat CC, die an Apps auf einem Smartphone erinnern. Um Sicherheitsaspekte zu berücksichtigen, müssen die Apps zertifiziert werden. Dies gilt gleichermaßen auch für das Konzept von Alcatel-Lucent. Beide Hersteller setzen auf externe Entwickler und werden Interessierten ein Software Development Kit (SDK) zur Verfügung stellen. Das Cockpit des LTE-Autos von Alcatel-Lucent.Das Cockpit des LTE-Autos von Alcatel-Lucent.

Kern von AutoLinQ ist ein Sprachsteuerungssystem, denn Sicherheit habe oberste Priorität. Zur Bedienung "während der Fahrt sollen die Hände am Lenkrad bleiben", so Charles. Zur Sprachsteuerung gehört unter anderem die Steuerung aller Funktionen durch kurze Sprachanweisungen des Fahrers oder von Mitfahrern, aber auch eine Vorlesefunktion für E-Mails, Mitteilungen oder Routenanweisungen. Apps, die während der Fahrt vom Fahrzeuglenker bedient werden sollen, müssen zwingend per Sprachsteuerung bedienbar sein und eine Sprachausgabe aufweisen. Apps, die in Hannover gezeigt wurden, waren beispielsweise die vom Handy bekannte Musikerkennung Shazam oder ein Terminplaner für die Fußball-WM 2010. Auch ein angepasster RSS-Reader für aktuelle Meldungen verschiedener Genres war zu sehen. Außerdem ließen sich Aufnahmen auf dem heimischen Festplattenreceiver planen oder bereits vorhandene Sendungen während der Fahrt vom Beifahrersitz aus betrachten.

Neue Funktionen dank Internetverbindung

Durch die ständig verfügbare Internetanbindung sind Funktionen denkbar, die es in dieser Form bei einem Auto bisher nicht gab. Beispielsweise könnte man das Verdeck eines Cabrios bei Regen mit einem Befehl vom Handy aus schließen. Ein technisches Problem mit dem Fahrzeug könnte so nicht nur exakt gemeldet werden, sondern das System könnte automatisch eine Werkstatt in der Nähe heraussuchen und dem Fahrer einen Anruf dorthin anbieten.

LTE bietet Filme und Spiele

Regina Wiechens-Schwake, Vice President Communications bei Alcatel Lucent Deutschland, betont für den Netzausrüster vor allem Anwendungsmöglichkeiten, die mit UMTS noch nicht möglich sind, mit LTE dagegen machbar sein werden. Dazu gehören vor allem Filme per Video-On-Demand und Spiele über die Internetverbindung, die im Toyota Prius auf dem Alcatel-Lucent-Stand betrachtet werden konnten. LTE bietet in der ersten Entwicklungsstufe pro Zelle bis zu 140 MBit/s und besitzt besonders kurze Signallaufzeiten. Die schnellere Datenübermittlung kommt zustande, da LTE das erste Mobilfunknetz ist, das vollständig auf IP-Technologie basiert. Größere Umwandlungen zwischen verschiedenen Teilen des Netzes entfallen damit.

Vollständige Netzabdeckung wird 2020 erwartet

Ein weiterer Vorteil von LTE soll Alcatel-Lucent zufolge die bessere Netzabdeckung im Vergleich zu UMTS sein. Der Netzausrüster rechnet bis 2020 mit einer vollständigen Netzabdeckung, da sich durch die niedrigeren Frequenzen aus der Digitalen Dividende größere Gebiete wirtschaftlicher abdecken ließen. In Städten sollen Funkzellen bei 2,6 GHz innerhalb eines Radius von 5 km jeweils 140 MBit/s übertragen. Auf dem Land können 800-MHz-Zellen einen Radius von 10 km mit 70 MBit/s abdecken. LTE eignet sich ebenfalls für hohe Geschwindigkeiten auf der Autobahn - bis 300 Kilometer pro Stunde soll die Internetverbindung stehen.

Damit erlaubt LTE in jeder Situation die Übertragung von Sensorinformationen eines Fahrzeugs an andere Verkehrsteilnehmer. So könnten beispielsweise Warnungen vor Nebelbänken oder Staus in Zukunft über LTE zwischen verschiedenen Fahrzeugen übertragen werden. Im Gegensatz zur direkten Car-To-Car-Kommunikation gelingt dies mit LTE über eine wesentlich größere Entfernung und die Information könnten vor der Verbreitung durch Experten geprüft werden.

Mobilfunkvertrag zum Neuwagen?

Sowohl Continental als auch Alcatel-Lucent rechnen mit einer schnellen Markteinführung des Connected Car. "Ich glaube nicht, dass der Rollout auf LTE wartet", so Wiechens-Schwake. Daher wäre zunächst eine Abwärtskompatibilität zu UMTS bzw. HSPA denkbar. Eine offene Frage ist noch, wie die Tarifstruktur der Mobilfunkanbieter aussehen wird, wenn das Connected Car in Serie geht. Wenn ein Autohersteller mit einem bestimmten Provider kooperiert, muss der Auto-Kunde dann künftig vielleicht neben dem Leasing- oder Ratenkredit-Vertrag auch noch einen Mobilfunkvertrag abschließen. Und gibt es dann bald das erste Auto mit SIM-Lock?

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