heimtückisch

Carrier IQ: Spionage-App soll Millionen Smartphones bespitzeln

SMS-Texte, Google-Suche und mehr können ausgelesen und weitergegeben werden
Von Steffen Herget mit Material von dpa
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Es klingt ein wenig nach Geheimdienst und Spionage: Offenbar bespitzelt eine Software der amerikanischen Firma Carrier IQ vor allem in den USA Millionen von Smartphones und sammelt umfangreiche Daten, um diese dann an Mobilfunk-Provider weiterzugeben. Zu den Daten gehören durchaus sensible Dinge, denn die Carrier IQ-App kann unter anderem SMS mitlesen, den Verlauf der Google-Suche auslesen und sogar auf Login-Daten des Online-Bezahlsystems PayPal zugreifen. Herausgefunden hat diese Dinge Trevor Eckhart, selber App-Entwickler für das Google-Betriebssystem Android.

Spionage durch Carrier IQ?Spionage durch Carrier IQ? Eckhart hat das Verhalten der Software in einem Video (siehe unten) festgehalten. In dem Video ist unter anderem zu sehen, wie die Software von Carrier IQ Suchanfragen und gewählte Telefonnummern schon beim Eintippen aufzeichnet. Die Daten würden dann an Server von Carrier IQ weitergeleitet, ebenso wie komplette SMS-Nachrichten. Abschalten könne man die Funktion meist nicht so ohne weiteres, weil sie Teil der Betriebssoftware des Telefons sei. Eckhart demonstrierte die Funktionsweise der Software auf einem Android-Smartphone von HTC, hat sie aber auch bei anderen Android-Herstellern und auf dem Blackberry gefunden. Eckhart ordnete die Software als "Rootkit" ein, der heimlich im Hintergrund den Anwender ausspioniere.

Carrier IQ zog Klage gegen Eckhart zurück

Carrier IQ, ein amerikanischer Dienstleister für Mobilfunk-Anbieter, betont, es würden keine Tastatureingaben aufgezeichnet, keine Überwachungs-Werkzeuge zur Verfügung gestellt und auch keine Inhalte von Korrespondenz wie E-Mail und SMS inspiziert. Die Technologie des Unternehmens sorge lediglich dafür, dass Netze von den Betreibern effizienter genutzt werden könnten. Dafür bekämen sie zum Beispiel Informationen über Verbindungsfehler und aktuelle Netzwerkprobleme. Genaue Angaben darüber welche Informationen dafür auf welche Weise ausgewertet werden, macht das Unternehmen nicht.

Nach Eckharts ersten Berichten über die Funktionsweise der Software überzog Carrier IQ ihn mit einer Unterlassungsklage und dem Vorwurf, urheberrechtlich geschütztes Material unrechtmäßig genutzt zu haben. Nachdem sich die einflussreiche US-Bürgerrechtsorganisation EFF (Electronic Frontier Foundation) hinter den Experten stellte, nahm die Firma die Klage zurück.

Nach Angaben auf der Website von Carrier IQ kommt die Technologie auf mehr als 140 Millionen mobilen Geräten zum Einsatz. Unterdessen meldeten sich immer mehr Netzbetreiber und Handy-Hersteller zu Wort, die betonen, Dienste von Carrier IQ nicht zu nutzen. Darunter sind unter anderem der größte US-Mobilfunkbetreiber Verizon Wireless sowie hierzulande Vodafone und die Deutsche Telekom. Der weltgrößte Handy-Hersteller Nokia betonte ebenfalls, für seine Geräte gebe es keine Produkte von Carrier IQ.

Die Erkenntnisse von Trevor Eckhart im Video

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