Smartphone-Schnüffelei

Geständnis: Carrier IQ hat SMS mitgeschnitten und übertragen

Hersteller der Schnüffelsoftware räumt Protokollierung von Nutzerdaten ein
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Carrier IQ veröffentlicht Details zu seiner umstrittenen SchnüffelsoftwareCarrier IQ veröffentlicht Details zu seiner umstrittenen Schnüffelsoftware Der in die Schlagzeilen geratene Hersteller der umstrittenen Schnüffelsoftware Carrier IQ hat zugegeben, dass das Programm ungefragt private SMS aufgezeichnet und in verschlüsselter Form an Mobilfunkprovider übertragen hat. Nach heftigen Vorwürfen hat der Software-Hersteller gestern ein 19-seitiges Dokument [Link entfernt] veröffentlicht, in dem dargelegt wird, was die Software macht.

Weltweit schlugen Datenschützer und besorgte Handy-Nutzer die Hände über dem Kopf zusammen, als kürzlich die Existenz der Carrier-IQ-Software bekannt wurde. Nach der Entdeckung der Software auch in Deutschland war das Rätselraten groß: Zuerst wusste niemand genau, was die Software eigentlich macht, wofür sie da ist und ob Nutzerdaten von privaten Mobiltelefonen ausgelesen und ungefragt versendet werden. Mit der Veröffentlichung möchte der Hersteller nun Licht ins Dunkel bringen.

Software sei fehlerhaft programmiert worden

Anscheinend soll die Software Carrier IQ weltweit auf bis zu 150 Millionen Mobiltelefonen installiert sein. Ausgangspunkt für den Einsatz der Software sind die Wünsche der Netzbetreiber und Hersteller, etwas über das Nutzungsverhalten der Anwender zu erfahren. Ursprünglich sollte die versteckt im Hintergrund laufende Anwendung lediglich Fehlfunktionen auf Geräten und in Mobilfunknetzen protokollieren und auf einen Server des Netzbetreibers übertragen. Dazu gehören beispielsweise Informationen über abgebrochene Mobilfunkverbindungen.

Das Unternehmen gesteht nun ein, dass die Software allerdings fehlerhaft programmiert worden sei. Dadurch sind private SMS aufgezeichnet und in verschlüsselter Form auf Server der Mobilfunkbetreiber übertragen worden. Carrier IQ behauptet allerdings, dass diese Daten niemals ausgewertet worden sind. Denn dazu hätte erstmals eine spezielle Software geschrieben werden müssen.

Auch Internetnutzung und Telefonnummern wurden protokolliert

Doch die Schnüffelsoftware begnügte sich nicht nur damit, SMS zu übertragen: Auch angerufene Telefonnummern und mit dem Handy aufgerufene Webseiten wurden aufgezeichnet. Gleichzeitig dementierte Carrier IQ den Einsatz eines Keyloggers, also eines Programms, das grundsätzlich alle Tastatureingaben auf dem Mobiltelefon mitschneidet. Das von einem Entwickler in einem Youtube-Video dokumentierte Aufzeichnen der Tastatureingaben gehe auf fremde Software zurück, die nicht von Carrier IQ, sondern von den Geräteherstellern stammt. Üblicherweise wird dieser Keylogger nur bei Tests im Werk verwendet.

Es fällt auf, dass Carrier IQ den Einsatz der Software gerne den Mobilfunkanbietern in die Schuhe schieben möchte. Anscheinend kommen alle Anforderungen zur Netz- und Geräteüberwachung direkt von den Mobilfunkfirmen. Mittlerweile wurde aber bekannt, dass Carrier IQ im Oktober eine Kooperation mit einem Marktforschungsunternehmen startete, bei der das Nutzungsverhalten bei Tablets und Smartphones ermittelt werden soll. Ob die Mobilfunkanbieter dem zugestimmt haben oder sogar an dieser Zusammenarbeit beteiligt sind, wurde bisher nicht bekannt.

Vor etwa einer Woche hatten Experten Spuren der Software auch auf in Deutschland verkauften Geräten gesichtet. Die deutschen Mobilfunkanbieter streiten bisher aber kategorisch ab, die Software einzusetzen. Eine spezielle Android-App zum Aufspüren der Schnüffelsoftware wurde seit etwa zehn Tagen nicht mehr aktualisiert.

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