nachgefragt

Carrier IQ in Deutschland: Provider dementieren Handy-Spionage

HTC: "Carrier IQ lässt sich vom Kunden nicht abschalten"
Von Steffen Herget mit Material von dpa
Kommentare (1577)
AAA
Teilen

Seit der Einsatz der mutmaßlichen Spionage-Software von Carrier IQ auf Smartphones in den USA publik geworden ist, fragen sich auch Handy-Nutzer hierzulande, ob in Deutschland die Menschen nicht auf die selbe Art überwacht werden. Dies scheint nach derzeitigem Kenntnisstand nicht der Fall zu sein. Die deutschen Provider Telekom, Vodafone und o2 haben bereits gestern gegenüber der Medienlandschaft verlauten lassen, weder Carrier IQ noch ähnliche Software einzusetzen, um Daten der Nutzer zu sammeln. Nur von E-Plus war bisher nichts zu hören, weshalb wir dort noch einmal nachgefragt haben. Auf Anfrage von teltarif.de gab Pressesprecher Klaus Schulze-Löwenberg zu Protokoll, auch der Düsseldorfer Netzbetreiber setze "weder die Carrier IQ Diagnosesoftware noch eine vergleichbare Diagnose-Software ein, die ohne Wissen des Nutzers Daten auf Mobiltelefonen erhebt und auswertet."

Vermeintliche Schnüffel-Software von Carrier IQVermeintliche Schnüffel-Software von Carrier IQ In den USA ruft das Problem mittlerweile die Politik auf den Plan. Der einflussreiche US-Senator Al Franken forderte Carrier IQ sowie Netzbetreiber und Handy-Hersteller dazu auf, bis Mitte Dezember ausführliche Informationen vorzulegen. Unter anderem will der Vorsitzende des Unterausschusses für Datenschutz und Technologie wissen, ob tatsächlich gewählte Telefonnummern und SMS-Inhalte aufgezeichnet werden. Unterdessen räumten AT&T und Sprint ein, dass sie auf Dienste von Carrier IQ zurückgreifen. Der größte amerikanische Mobilfunk-Betreiber Verizon Wireless hingegen ist keine Kunde. Auf Nokia-Telefonen laufe die Software laut Hersteller grundsätzlich nicht. Auf dem iPhone seien nur sehr eingeschränkt Daten in einem Diagnosemodus erhoben worden. Diese Funktion sei vom Kunden abschaltbar gewesen; ab dem neuen Betriebssystem iOS 5 werde der Dienst von Carrier IQ komplett nicht mehr unterstützt. Nach Angaben auf der Website von Carrier IQ kommt die Technologie auf mehr als 140 Millionen mobilen Geräten zum Einsatz.

Carrier IQ wies die Schnüffel-Vorwurf erneut zurück. Der Dienstleister agiere ausschließlich im Auftrag der Netzbetreiber. Private Informationen würden nicht aufgezeichnet oder weitergeleitet, sagte Carrier-IQ-Manager Andrew Coward dem US-Blog All Things Digital. Die Software verfolge zwar tatsächlich Tastatur-Eingaben - aber lediglich um, in bestimmten von den Netzbetreibern vorgegebenen Fällen einzugreifen, etwa wenn der Nutzer im Telefonat mit einer Kunden-Hotline gebeten werde, einen Code einzutippen. Insgesamt gehe es bei den gesammelten Daten um Informationen zum Netzbetrieb, etwa wann und wo ein Anruf abbricht. "Wir lesen keine SMS", betonte Coward. Carrier IQ sehe allerdings den Eingang von Kurznachrichten und die dazugehörenden Telefonnummern.

HTC: "Carrier IQ lässt sich vom Kunden nicht abschalten"

Auch die Hersteller kommen natürlich als Quelle für die Software in Betracht. Auf Nachfrage von teltarif.de erklärte HTC, auf dessen Smartphone die Carrier-IQ-Software zum ersten Mal aufgetaucht war, in Deutschland und Europa käme diese nicht zum Einsatz. Generell schiebt der Hersteller den Schwarzen Peter den US-Providern zu: "Einige US-amerikanische Mobilfunkanbieter fordern den Einsatz von Carrier IQ auf Mobiltelefonen. Sollten Endkonsumenten oder Medienvertreter Fragen zu den Praktiken von Carrier IQ haben oder wissen wollen, was mit ihren Daten passiert, sollten sie daher am besten ihren Mobilfunkanbieter kontaktieren. An dieser Stelle möchten wir betonen, dass HTC kein Kunde oder Partner von Carrier IQ ist und Daten weder von der Anwendung und Firma noch von irgendwelchen Mobilfunkanbietern, die mit Carrier IQ zusammenarbeiten, erhält."

Das heißt allerdings nicht, dass auf den US-Smartphones die Spionage-App nicht vorhanden ist - das wäre allerdings nach den Erkenntnissen von Trevor Eckhart auch schwer zu widerlegen gewesen. Installiert wird sie aber laut HTC von den Providern: "Carrier IQ ist eine unabhängige Software, die HTC einschließlich seiner Datenschutzbestimmungen nicht kontrolliert. Unabhängig von Carrier IQ spricht sich HTC dafür aus, dass Nutzer ihre Zustimmung für die Applikation verweigern können." Diese Wahl haben die Kunden derzeit aber leider nicht: "Carrier IQ kann auf HTC-Geräten im Moment nicht abgeschaltet werden. Wir sind jedoch gerade dabei herauszufinden, wie wir unseren Kunden die Möglichkeit geben können, selbst zu entscheiden, die Anwendung zu nutzen oder zu deaktivieren."

Das Handelsblatt äußert den Verdacht, auf deutschen HTC-Handys erfülle ein Programm namens "HTC Report Agent" eine ähnliche Funktion. HTC selbst antwortete auf die Frage von teltarif.de nach diesem Dienst, es handele sich hierbei um das Feature "Tell HTC", das zur Qualitätskontrolle gedacht sein. Tell HTC lässt sich allerdings vom Kunden deaktivieren, so dass auf Wunsch keine Daten erfasst und gesendet werden. Auch bei aktiviertem Dienst werden jedoch laut HTC keine persönlichen Daten wie Namen, Telefonnummern oder E-Mail-Adressen gesammelt und auch keine Form der Kommunikation überwacht.

Noch kein Statement zum Thema Carrier IQ haben wir vom koreanischen Hersteller Samsung erhalten.

Teilen

Mehr zum Thema Datensicherheit Smartphone