5G-Netz

On Air: Ericsson liefert 5G-Netz für Aachener Campus

Lizenz im März und Netz im Mai aktiv: So schnell kann es gehen, wenn Minis­te­rium, Netz­werk­lie­fe­rant und Forscher an einem Strang ziehen.

Der Bundes­mi­nister für Verkehr und digi­tale Infra­struktur Andreas Scheuer hat in Aachen das 5G-Industry-Campus-Europe-Forschungs­netz einge­schaltet: "Damit haben wir das größte 5G-Forschungs­netz Europas geschaffen. Es soll uns dabei helfen, 5G-Forschung und Indus­trie 4.0 zu vernetzen. Ich bin fest davon über­zeugt, dass Projekte wie dieses die Zukunft der deut­schen Indus­trie sind." Kein Wunder, sein Minis­te­rium hat das Projekt mit rund sechs Millionen Euro unter dem Akten­zei­chen "VB5GICEIPT" geför­dert.

Auf einer Fläche von knapp einem Quadrat­ki­lo­meter, stehen 19 Antennen und bieten eine Band­breite von zehn Gigabit pro Sekunde im größten 5G-Forschungs­netz in Europa. Das vom Bundes­mi­nis­te­rium für Verkehr und digi­tale Infra­struktur (BMVI) geför­derte Netz am RWTH Aachen Campus verbindet das Fraun­hofer-Institut für Produk­ti­ons­tech­no­logie IPT, das Werk­zeug­ma­schi­nen­labor WZL der RWTH Aachen, das Forschungs­in­stitut für Ratio­na­li­sie­rung (FIR) an der RWTH Aachen sowie zukünftig auch noch weitere Insti­tute der Hoch­schule mit dem neuen Mobil­funk­stan­dard. Gemeinsam können die Partner am 5G-Industry Campus Europe nun die Einsatz­ge­biete von 5G in der indus­tri­ellen Anwen­dung ausführ­lich erfor­schen und erproben.

Lizenz im März, Start im Mai

Nur das rote Band ist noch analog, der Rest ist längt mit 5G auf 3,7 GHz voll vernetzt Nur das rote Band ist noch analog, der Rest ist längt mit 5G auf 3,7 GHz voll vernetzt
Foto: IPT-Fraunhofer / Ericsson
Erst im März 2020 wurde dem 5G-Industry Campus Europe eine erste 5G-Campus-Lizenz im Bereich 3,7 GHz bis 3,8 GHz zuge­teilt, nun ging das Netz in den Live-Betrieb.

Das Ziel der betei­ligten Partner ist es, neue Einsatz­felder der Mobil­funk­tech­no­logie 5G in der Produk­tion zu erschließen: "Hier entsteht die Zukunft für eine inno­va­tive Produk­tion. Gemeinsam mit Unter­nehmen und Forschungs­part­nern schaffen wir mit dem 5G-Industry Campus Europe eine völlig neue Infra­struktur, in der wir unter­schied­liche 5G-Anwen­dungen in Ferti­gung und Logistik testen und erproben können. Die bishe­rigen Anfor­de­rungen an die Bran­chen werden dadurch voll­kommen neu defi­niert", freut sich Niels König, der das Projekt auf Seiten des Fraun­hofer IPT leitet und koor­di­niert.

Vernetzte Produk­tion: 5G-Technik von Ericsson

Mit den Projekt­part­nern von WZL und FIR wird das Fraun­hofer IPT in den kommenden drei Jahren Anwen­dungen und Lösungen für eine digi­ta­li­sierte und vernetze Produk­tion entwi­ckeln und umsetzen. Partner für den Aufbau der 5G-Infra­struktur ist der Mobil­funk­netz­aus­rüster Ericsson sowie das IT Center der RWTH Aachen.

"Wir freuen uns, dass aus einer gemeinsam präsen­tierten Idee auf der Hannover Messe 2019 jetzt Realität wird, und dass mit dem 5G-Industry Campus Europe welt­weit ein einzig­ar­tiges Ökosystem zur Forschung, Entwick­lung und Anpas­sung von 5G-Tech­no­lo­gien für die Indus­trie 4.0 entsteht", erläu­tert Jan-Peter Meyer-Kahlen, Leiter des Ericsson ICT Deve­lo­p­ment Center Eurolab in Herzo­gen­rath bei Aachen.

Mehr als ein Quadrat­ki­lo­meter Campus-5G

Die Forschungs­in­fra­struktur des 5G-Industry Campus Europe deckt rund einen Quadrat­ki­lo­meter des Campus Melaten der RWTH Aachen sowie insge­samt 7000 Quadrat­meter Hallen­fläche ab und bietet damit ein groß­zü­giges Areal zur Erfor­schung verschie­dener Anwen­dungs­sze­na­rien – von 5G-Sensorik für die Über­wa­chung und Steue­rung hoch­kom­plexer Ferti­gungs­pro­zesse über mobile Robotik und Logistik bis hin zu stand­ort­über­grei­fenden Produk­ti­ons­ketten.

Ein weiteres Ziel der Aachener Wissen­schaftler ist es, den Einsatz moderner Edge- Cloud-Systeme zur schnellen Datener­ar­bei­tung zu testen, um weitere Poten­ziale von 5G für eine voll­ständig vernetzte und adap­tive Produk­tion auszu­schöpfen. "Durch das intel­li­gente Zusam­men­spiel des 5G-Netzes und lokalen Edge-Cloud-Systemen sind wir in der Lage, durch­gän­gige Echt­zeit-Anwen­dungen auf eine skalier­bare Weise umzu­setzen – vom Sensor bis in die Cloud.

Damit entsteht in Aachen ein einma­liges Ökosystem, in dem sich zukunfts­wei­sende Konzepte und Archi­tek­turen, wie zum Beispiel Prozess­ana­lysen in Echt­zeit oder Closed-Loop-Anwen­dungen, ganz­heit­lich umsetzen und vali­dieren lassen", erläu­tert Sven Jung, der den Aufbau auf tech­ni­scher Seite leitet.

Unter­nehmen und Partner gesucht

Der 5G-Industry Campus Europe zielt unmit­telbar auf die Einfüh­rung des neuen Mobil­funk­stan­dards in der produ­zie­renden Indus­trie. Inter­es­sierte Unter­nehmen und Forschungs­partner, die sich infor­mieren oder betei­ligen möchten, können das Konsor­tium über die Projekt­web­seite kontak­tieren.