Regulierung

Call-by-Call-Anbieter befürchten das Aus auf EU-Wunsch

Die Europäische Kommission könnte eine Empfehlung abgeben, nach der auf die Regulierung bestimmter Märkte verzichtet werden könnte. Dazu zählt auch Call by Call. Die Branche befürchtet in der Folge das Aus.
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Steht Call by Call vor dem Aus?Steht Call by Call vor dem Aus? Sechs bis sieben Millionen Deutsche nutzen Schätzungen zufolge nach wie vor aktiv Call-by-Call-Dienste. Doch jetzt droht dem Markt per EU-Empfehlung offenbar das Aus. Darauf weisen gleicher­maßen der Branchen­verband VATM als auch der Call-by-Call-Anbieter Tele2 hin. Sie setzen sich für den Fortbestand des Dienstes ein.

In diesem Jahr will die Europäische Kommission eine neue Empfehlung abgeben, welche Bereiche des Tele­kommunikations­marktes nach wie vor reguliert und welche dem freien Wettbewerb überlassen werden sollen. Die Empfehlung der Europäischen Kommission könnte lauten: Call by Call sowie Preselection müssen nicht mehr per Gesetz reguliert und ermöglicht werden. Und damit droht ihnen faktisch das Aus. Denn die Bundesnetzagentur, die in Deutschland für die letzte Entscheidung zuständig ist, folgt in der Regel der Empfehlung der EU-Kommission.

Tele2: Abschaffung hätte Re-Monopolisierung der Telekom zur Folge

"Die Teilmärkte der Tele­kommunikations­branche, in denen aktuell die Möglichkeit von Call by Call und Preselection geregelt ist, dürfen auf keinen Fall der De-Regulierung zum Opfer fallen", appelliert Oliver Rockstein, Geschäftsführer von Tele2 Deutschland, an die Gesetzgeber. "Das hätte eine Re-Monopolisierung der Deutschen Telekom zur Folge. Mit erheblichen Nachteilen für die Verbraucher und den gesamten Wettbewerb in Deutschland."

Vor allem bei Auslandsgesprächen spielt Call by Call noch eine große Rolle und nimmt der Deutschen Telekom einen hohen Marktanteilen. Rund ein Drittel aller Auslandsgesprächsminuten werden über Call by Call geführt", analysiert Dieter Elixmann, Senior Consultant bei WIK-Consult. Er ist Mit-Autor der WIK-Studie "Die Regulierung der Märkte 1 und 2 als Voraussetzung eines nachhaltigen und infra­struktur­basierten Dienste­wettbewerbs". Allein 2013 telefonierten die Deutschen rund 25 Millionen Minuten pro Tag über Call by Call oder Preselection. Jeder dritte Telekom-Kunde nutzt die Dienste noch. Angebote wie Flatrates oder Internet-Telefonie würden nach Ansicht der Anbieter eine entstehende Lücke nicht schließen können, da der hohe Teil der älteren Nutzer von Call by Call sich nicht mit Internettelefonie beschäftigen kann oder will und Flatrates sich für die Nutzer nicht immer lohnen würden.

VATM: "Politik darf nicht bestimmen, welche Produkte der Verbraucher nutzen darf"

"Es kann nicht sein, dass die europäische Politik bestimmt, welche Produkte vom Verbraucher bevorzugt und genutzt werden dürfen", so VATM-Präsident Knauer. "In fast allen EU-Ländern besteht ebenso wie in Deutschland aktuell Regulierungsbedürftigkeit für Markt 1 und vor allem für Markt 2. Ohne Dienstewettbewerb durch die infrastrukturbasierten Verbindungsnetzbetreiber ist ein funktionsfähiger und effektiver Wettbewerb auf dem TK-Markt schwer vorstellbar und wäre mit Schaden für die Verbraucher verbunden“, stellt Dieter Elixmann klar. Dies gelte nicht nur für private Verbraucher, sondern auch für den Geschäftskundenbereich. "Die Streichung der Märkte 1 und 2 aus der Regulierung würde auf eine Monopolstellung der Telekom hinauslaufen. Das würde sich sehr nachteilig auf den Innovationswettbewerb auswirken. Deutschland würde in Europa ins Hintertreffen geraten", so Knauer.

Die EU macht der deutschen Telekommunikationsbranche auch noch an anderer Stelle Schwierigkeiten. Mit dem Single-Market-Package sehen die Anbieter den weiteren Ausbau des schnellen Internets stark gefährdet. Ob das Festnetz generell am Ende ist, haben zwei unserer Redakteure in einer Pro-und-Contra-Betrachtung analysiert.

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