Pro & Contra

Pro & Contra: Brauchen wir noch Call by Call?

Die EU stellt den Call-by-Call-Markt und seine Zukunft auf den Prüfstand - das Aus könnte die Folge sein. In unserem Format Pro & Contra tauschen zwei unserer Redakteure ihre Argumente aus, warum Call by Call aus ihrer Sicht nach wie vor notwendig oder aber verzichtbar ist.
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Vergangene Woche berichteten wir, dass die EU-Kommission laut darüber nachdenkt, die Regulierung für die sogenannten Märkte 1 und 2 aufzuheben. Die direkte und spürbare Folge auf dem deutschen Markt, vor dem die Anbieter und der Branchen­verband VATM gleichermaßen warnen: Das Ende von Call by Call - dem Dienst, mit dem die Liber­alisierung des Tele­kommunikations­marktes und damit der Wettbewerb, den wir heute haben, im Jahr 1998 Fahrt aufnahm.

Call by Call: Was spricht dafür, was dagegenCall by Call: Was spricht dafür, was dagegen Doch braucht der Markt und brauchen die Kunden im Jahr 2014, also 15 Jahre nach der Liberalisierung und in Zeiten von Allnet-Flatrates, Skype und WhatsApp eigentlich die Vorvorwahl mit den fünf bzw. sechs Ziffern, die viele Kunden, die ihren Anschluss nicht mehr bei der Telekom haben, ohnehin nicht mehr nutzen können? Zwei unserer Redakteure tauschen sich über ihre Argumente Pro und Contra Call by Call aus und schildern dabei ihre Sicht der Dinge. Nehmen Sie gerne an der Diskussion teil.

Pro und Contra

Thorsten Neuhetzki
Pro
Thorsten Neuhetzki
Call by Call ist für viele Nutzer nach wie vor ein wichtiges Mittel, um günstig Handys anzurufen oder Familie und Freunde im Ausland zu erreichen. Alleine die vom VATM vorgelegten Zahlen, wonach im vergangenen Jahr noch täglich sechs bis sieben Millionen Kunden bis zu 25 Millionen Gesprächs­minuten über Call by Call telefon­ierten, zeigt die Relevanz des Dienstes.

Die Telekom zählte zuletzt 21,6 Milli­onen An­schlüsse. Jedem dieser Kunden steht Call by Call zur Ver­fügung. Und selbst, wenn viele von ihnen eine Deut­schland-Flatrate gebucht haben, so kosten be­ispiels­weise Gespräche in die Türkei 4,9 Cent, zu türkischen Handys 21,9 Cent pro Minute. Über Call-by-Call-Anbieter sind die Telefonate für unter 1,5 bzw. weit unter 10 Cent pro Minute möglich - ein erhebliches Einspar­potenzial. Würde Call by Call wegfallen, so wäre zu befürchten, dass das all­gemeine Aus­lands-Preis­niveau wieder steigt.

Und auch ältere Kunden, die zwar viel telefon­ieren, aber kein Internet nutzen, müssten sich auf höhere Kosten einstellen. Sie wählen heute "die günstigen Vorwahlen aus der Zeitung" vor und sparen gegen­über ihren Jahrzehnte alten Tarifen viel Geld. Eine Umstellung auf eine Flatrate würde sich für die meisten schlicht nicht lohnen. Daher muss Call by Call als eines der Mittel für einen liberalisierten Tk-Markt auch in Zeiten von Festnetz- oder gar Allnet-Flatrates erhalten bleiben, wenn nicht sogar erweitert und auch bei alternativen DSL- und Kabel-Anbietern angeboten werden. Dann würde auch die Relevanz am Markt und somit der Wettbewerb weiter zunehmen, und auch Kunden von Dritt­anbietern könnten günstig(er) ins Ausland telefonieren.

Markus Weidner
Contra
Markus Weidner
Call by Call war Ende der 90er-Jahre eine echte Inno­vation. Endlich machten private Mitbe­werber der Deutschen Telekom Kon­kurrenz, die auch schnell und unkompliziert genutzt werden konnten und damit ermöglichten, deutlich günstiger als zuvor innerhalb des deutschen Festnetzes, in die Mobilfunk­netze und nicht zuletzt ins Ausland zu tele­fonieren.

Seitdem hat sich der Markt allerdings drastisch gewandelt. Die meisten Nutzer verfügen heute an ihrem Festnetz-Anschluss über eine Flatrate für Telefonate ins deutsche Festnetz. Anrufe in die Mobilfunk­netze und ins Ausland sind selbst über den Anschluss-Netzbetreiber günstiger geworden. Call-by-Call-Anbieter sind zwar zum Teil preislich noch etwas attraktiver, dafür ändern sich die Tarife oft innerhalb weniger Stunden und die Sprach­qualität leidet unter wüsten Routing-Kon­struk­tionen.

Für Smart­phone-Nutzer sind inzwischen Allnet-Flatrates zu Monats­preisen von deutlich unter 20 Euro erhältlich - das sogar ohne Mindest­vertrags­laufzeit. Nun gibt es auch erste Festnetz-Allnet-Flatrates, so dass Call by Call maximal als Nischenprodukt für Kunden interessant sein könnte, die häufig ins Ausland telefonieren. Greift man dafür aber auf ein VoIP-Produkt oder auf Skype zurück, so lässt sich der Minutenpreis sogar auf 0 Cent drücken - und das ohne mit ständig wechselnden Tarifen und zum Teil schlechter Ver­bindungs­qualität konfrontiert zu werden.

Aus meiner Sicht ist Call by Call im Jahr 2014 verzichtbar. Die Nutzer­basis ist deutlich zurückgegangen, da es - anders als noch vor wenigen Jahren - inzwischen zahlreiche Alternativen gibt, um zu günstigen Konditionen oder sogar zum Pauschal­preis zu telefonieren.


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Günstige Call-by-Call-Anbieter für alle Ziele im In- und Ausland finden Sie übrigens über unseren Tarifrechner. Hier können Sie auch einstellen, wenn es Ihnen lieber ist, einen teureren, aber dafür stabileren Tarif als Ergebnis zu bekommen, um so groben Schwankungen nach Möglichkeit zu entgehen.

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