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Unerlaubte Telefonwerbung: Bußgeld gegen Vodafone

Ab und zu klin­gelt das Telefon: Wollen Sie Telefon-, Strom- oder TV-Verträge? Hat jemand gekün­digt, können es 30 Anrufe hinter­einander sein.
Von mit Material von dpa
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Der Fest­netz- und Mobil­funk­anbieter Voda­fone soll wegen uner­laubter Tele­fonwer­bung 100.000 Euro Bußgeld zahlen. Einen entspre­chenden Bescheid gegen die Düssel­dorfer Tele­kommu­nika­tions­firma gab die Bundes­netz­agentur heute bekannt. Nach Erkennt­nissen der Bonner Behörde haben entweder Voda­fone selbst oder beauf­tragte Call-Center bei Noch-Kunden oder Bereits-Ex-Kunden ange­rufen, um sie zur Rück­nahme der Kündi­gung bezie­hungs­weise zur Rück­kehr zu bewegen - obwohl die erfor­derli­chen Einwil­ligungen der Kunden hierzu nicht vorlagen.

Anrufe trotz Unter­sagung

Callcenter sind hilfreich, wenn der Kunde Hilfe braucht, aber nervige Werbe-Anrufer mögen die Allerwenigsten.Callcenter sind hilfreich, wenn der Kunde Hilfe braucht, aber nervige Werbe-Anrufer mögen die Allerwenigsten. In vielen Fällen hatten die Betrof­fenen den Angaben zufolge das sogar ausdrück­lich unter­sagt, ange­rufen zu werden - entweder taten sie dies bei der Kündi­gung oder bei einem Werbe­anruf. An dieses Nein zur Werbung hielt sich Voda­fone nach Erkennt­nissen der Bundes­netz­agentur aber nicht - in Einzel­fällen monierten betrof­fene Bürger bis zu 30 weitere Anrufe oder Anruf­versuche. teltarif.de kennt mindes­tens einen solchen Fall, dummer­weise ist der Mann Rechts­anwalt und hat Voda­fone daraufhin auf Scha­dener­satz verklagt, den er auch erhielt. Sein Vertrag war damit im Nach­hinein komplett kostenlos.

Anruf nur mit Werbe­inwil­ligung

Firmen dürfen grund­sätz­lich nur Bürger anrufen, deren ausdrück­liche Werbe­einwil­ligung sie vorliegen haben. Die Bundes­netz­agentur weist darauf hin, dass ein Unter­nehmen auch bei externen Part­nern diese Regel­einhal­tung strikt kontrol­lieren muss.

Dabei entsteht ein interner Inter­essen­konflikt. Man möchte seine Kunden behalten oder neue Kunden gewinnen. Wenn aber die aller­meisten Bürger im Lande keine Werbe­anruf-Zustim­mung gegeben haben, bleiben die erhofften Kunden­zahlen auf der Strecke. Dann werden weniger Call­center Mitar­beiter gebraucht, weil es weniger Kunden gibt, das können Call-Center nicht gut finden.

Dabei wäre ein wesent­licher Faktor, die Kunden - soweit sie dem zustimmen - vorher zu befragen und genau hinzu­hören, warum Kunden kündigen. Neben Umzug oder Zusam­menle­gung oder Tren­nung von Anschlüssen, gibt es auch schlicht und ergrei­fend Unzu­frie­denheit mit den Preisen, dem Kunden­service, der Netz­qualität oder Verfüg­barkeit der Ange­bote. Dagegen kann man etwas tun.

Bundes­netz­agentur geht weiter vor

Mit dem Bußgeld möchte die Bundes­netz­agentur weiter gegen uner­laubte Tele­fonwer­bung vorgehen. Solche Miss­stände sieht sie vor allem im Tele­kommu­nika­tions- aber auch dem Energie- und TV-Bereich, überall dort wo Kunden­verhält­nisse auf Zeit abge­schlossen und mit hohen Provi­sionen „belohnt“ werden. Die verhängte Geld­buße ist noch nicht rechts­kräftig, Voda­fone könnte dagegen vor Gericht ziehen. Ob die mitunter wirk­lich lästigen Rückhol- und Werbe­anrufe dadurch wirk­lich weniger werden?

Ein Lösungs­vorschlag

Viel­leicht ließe sich das Problem mit ein paar einfa­chen Kunst­griffen lösen. Die Bundes­netz­agentur weist den Call­centern der Anbieter eine eigene Vorwahl zu, die kostenlos erreichbar sein muss und dem Ange­rufenen anzeigt, hier ist ein Call-Center, da gehe ich besser nicht dran. Beim Eintrag ins Tele­fonbuch sollte eine Pflicht­markie­rung erfolgen, wenn der Kunde keine Werbe­anrufe möchte. Das gibt es schon - in der Schweiz. Das hätte zwei Effekte: Man findet wieder Freunde, Bekannte oder Nach­barn im Tele­fonbuch, weil die keine Angst mehr haben müssen, von Werbe­anru­fern genervt zu werden.

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