Hacker gesucht

Bundeswehr sucht zivile Experten für Cyber-Kriegführung

Die Bundeswehr plant den Aufbau einer Hacker-Reserve, die Cyberangriffe abwehren soll. Dabei will sie auch auf zivile Experten zurrückgreifen.
Von Marie-Anne Winter mit Material von dpa
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Für die Cyber-Kriegführung will die Bundeswehr künftig auch auf Experten aus der freien Wirtschaft zurückgreifen. Die Bundeswehr werde "gezielt eine hoch qualifizierte und schlagkräftige Cyber-Reserve" aufbauen, heißt es im Entwurf eines Konzepts für eine solche Einheit. Dabei wolle man "auch auf ungediente Freiwillige und Seiteneinsteiger" zurückgreifen, steht in dem internen Dokument aus dem Verteidigungsministerium, das der Süddeutschen Zeitung vorliegt.

In dem Konzept werden vier Zielgruppen definiert, um die man sich besonders bemühen wolle. Zum einen gehe es um "Exzellenzen" sowie "Top-Führungskräfte", die für einzelne Projekte oder "spezifische Beratungsleistungen" gewonnen werden sollen. Zum anderen sollen ausscheidende Soldaten mit IT-Kenntnissen an die Truppe gebunden werden. Vor allem aber will man sich um Seiteneinsteiger bemühen.

Die Bundeswehr will für den Aufbau einer Cyber-Truppe auch auf zivile Experten zurückgreifen.Die Bundeswehr will für den Aufbau einer Cyber-Truppe auch auf zivile Experten zurückgreifen. Besonders deutlich wird der neue Ansatz an einer vierten Zielgruppe: "Freiwillige, die sich außerhalb der Reserve engagieren wollen". Hierzu zählten "auch Freiwillige mit herausragenden (Programmier-)Fähigkeiten, Studierende, Angehörige von Nicht-Regierungsorganisationen, Vereinen oder Verbänden, sonstige Talente oder Freiberufler". Als Beispiel werden sogenannte Ethical Hacker genannt, die in gemeinsamen Übungen Angriffe simulieren könnten, um Lücken aufzudecken.

Das Verteidigungsministerium wollte den Entwurf auf Anfrage nicht kommentieren. Ein Sprecher verwies darauf, dass er noch in der "finalen Abstimmung" sei.

Abgrenzung schwierig

Das Konzept lässt wichtige Fragen allerdings unbeantwortet, etwa wie im Fall eines schweren Cyberangriffs die Spezialisten alarmiert und zusammengezogen werden sollen. Unklar ist auch die genaue Abgrenzung dieser Truppe gegenüber der vom Bundesinnenministerium und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik geplanten Cyberwehr.

Das Konzept für die "Cyber-Reserve" der Bundeswehr klingt sehr ähnlich: "Sicherheit im digitalen Zeitalter kann nur im Rahmen eines gesamtgesellschaftlichen Ansatzes realisiert werden." Daher müssten "Institutionen sowie IT-Unternehmen, Hard- und Softwarefirmen" dazu aufgerufen werden, mit der Bundeswehr zu kooperieren. Für die Cyberwehr sollen entsprechende Unternehmen ebenfalls Experten abstellen, die im Fall des Falles an der Abwehr von Cyber-Angriffen arbeiten.

Hier zeigt sich ein grundsätzliches Problem der Cyber-Bedrohung - es wird zunehmend schwieriger, zwischen innerer und äußerer Sicherheit zu unterscheiden. Die Gefahr durch Cyber-Angriffe geht weit über die direkte Bedrohung der Streitkräfte hinaus. Sie können sich gegen lebenswichtige Infrastruktur etwa zur Energie- und Wasserversorgung richten. Es gab auch schon Angriffe auf Krankenhäuser und Telekommunikationsanbieter. Am vergangenen Freitag gab es in den USA eine schwere Cyber-Attacke mittels eines Botnetzes, die zu weitreichenden Ausfällen beliebter Internet-Dienste führte.

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