Hacker-Angriffe

Bericht: Bundestag nicht ausreichend vor Hackern geschützt

Wie leicht kommen Hacker an Mails und Dokumente von Abgeordneten und Regierungsmitgliedern? Wenige Monate vor der Bundestagswahl haben Experten einiges zu bemängeln an der IT-Sicherheit des Parlaments.
Von dpa / David Rist
AAA
Teilen (1)

Der Bundestag ist nach einem Medien­bericht weiter­hin nicht umfassend gegen Angriffe von Hackern geschützt. Als Risiko gelte beispiels­weise die hohe Zahl an Tablets und Smartphones, die von Abgeordneten und deren Mitarbeitern genutzt werden, berichten der NDR und die Süddeutsche Zeitung. Sie berufen sich auf eine geheime Analyse der IT-Sicherheits­firma Secunet im Auftrag der Bundes­tags­verwaltung, die im Februar fertig gestellt worden sei. Die Bundes­tags­verwaltung wollte sich auf Anfrage am Donnerstag nicht dazu äußern.

Vor der Bundes­tags­wahl befürchten Politiker, dass Hacker aus dem Ausland zum Beispiel E-Mails veröffentlichen und so die Wahl beeinflussen könnten.

Dass viele Menschen ihre eigenen Smartphones oder Tablets auch am Arbeits­platz nutzen und sich in die Unternehmens­netzwerke einwählen, sehen IT-Sicherheits­unternehmen schon seit Jahren als große Heraus­forderung. Bei den mobilen Geräten der Bundestags-Mitarbeiter und Abgeordneten wird dem Bericht nach moniert, dass sie nicht zentral verwaltet würden.

Geräte-Management mangelhaft

Die Parlamentarier des Deutschen Bundestages debattieren im Hintergrund. Im Vordergrund ist das Laptop eines Journalisten zu sehen.Vor allem die Verwendung privater Geräte von Bundestagsabgeordneten stellt ein Sicherheitsrisiko dar Die Installation von Apps werde nicht standard­mäßig verhindert. Über ein solches Geräte-Management könnte die Verwaltung festlegen, welche Apps erlaubt sind und welche nicht. Der Analyse zufolge könnten Hacker in das Bundes­tags­netz eindringen, wenn sie eines der Geräte infizieren, die Abgeordnete auch privat nutzen, zum Beispiel mit einem USB-Stick.

Hacker haben immer wieder den Bundes­tag, Parteien und die Regierung im Visier. Eine Gruppe, die unter den Namen "Sofacy" und "APT28" bekannt ist, drang 2015 ins Netz­werk des Bundes­tags ein. Bei ihr wird eine Verbindung zu russischen Regierungs­stellen vermutet, sie erbeuteten damals erhebliche Daten­mengen.

Die deutschen Behörden nehmen die Bedrohung ernst. Der Ältesten­rat des Bundes­tags habe eine neue Firewall für 470000 Euro bewilligt, heißt es im Bericht. Das Bundes­amt für Sicher­heit in der Informations­technik (BSI) veröffentlichte heute Mindest­standards für Browser, die auf Arbeits­platz­rechnern der Bundes­verwaltung eingesetzt werden [Link entfernt] . Die Komplexität heutiger Browser und das damit verbundene Potenzial für Schwach­stellen mache die Software "zu einem beliebten Ziel für Cyber-Angreifer", hieß es.

Die Standards sollen Nutzern und IT-Verantwortlichen Richt­linien für die Auswahl der Browser und aufbauende Schutz­maßnahmen an die Hand geben. Alle gängigen Browser wie Firefox, Google Chrome, Microsofts Internet Explorer sowie der neue Browser Edge halten grund­sätzlich den Anforderungen stand - mit wenigen Einschränkungen.

Übrigens, Firefox gibt es inzwischen auf in der besonders auf Privatsphäre bedachten Ausführung Firefox Klar.

Teilen (1)

Mehr zum Thema Deutscher Bundestag