Digitalradio

Medienanstalten bringen zweiten DAB+-Bundesmux voran

Die Landesmedienanstalten haben auf ihrer letzten Sitzung den Frequenzbedarf nach einem zweiten bundesweiten DAB+-Multiplex festgestellt und wollen diesen nun anmelden. Geben die Ministerpräsidenten ihr Okay, könnte noch in diesem Jahr eine Ausschreibung erfolgen.
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Es sieht danach aus, als könnten sich Digitalradio-Hörer vielleicht schon irgendwann im kommenden Jahr auf ein größeres Angebot über DAB+ freuen. Die Landesmedienanstalten haben auf ihrer Sitzung in Leipzig am 21. Juni den Frequenzbedarf nach einem zweiten bundesweiten DAB+-Multiplex festgestellt und wollen diesen nun anmelden. Wie teltarif.de aus den Reihen der Medienanstalten erfuhr, müsse nun die Politik formal über diesen Antrag entscheiden. Bundesweite Kapazitäten werden nach dem Rundfunkstaatsvertrag von den Ministerpräsidenten der Kommission für Zulassung und Aufsicht (ZAK) zur Ausschreibung zugewiesen. Die nächste Ministerpräsidentenkonferenz, bei der es um Rundfunkthemen geht, findet allerdings erst wieder im Oktober statt.

Ausschreibung noch 2016 möglich

Nach positivem Beschluss der Ministerpräsidenten wäre noch 2016 eine Ausschreibung möglichNach positivem Beschluss der Ministerpräsidenten wäre noch 2016 eine Ausschreibung möglich Im Falle einer positiven Entscheidung wollen die Medienanstalten dann noch 2016 die Frequenzen für den Plattformbetrieb ausschreiben. 2017 könnte anschließend – sollte es dem Plattformbetreiber nicht gestattet sein die Programme selbst auszuwählen oder zu veranstalten – die Aus­schreibung für bis zu 16 weitere bundesweite Hörfunkprogramme erfolgen.

Initiator für den zweiten Bundesmux ist der Leipziger-Millionär und Immobilienkönig Steffen Göpel. Wie der Branchendienst Meedia berichtete, wolle Göpel zusammen mit erfahrenen Radiomachern eine Kette an privaten Radiostationen aufziehen, die vor allem für die nationale Vermarktung interessant sind. Das können nach teltarif.de-Informationen auch bestehende Sender sein, die wichtige Marktlücken schließen, etwa ein Lounge-, ein Kinder- oder ein Jazzradio. Erfahrene Branchenmanager wie Florian Schuck, ehemals Geschäftsführer der Radio Saarbrücken GmbH, habe sich Göpel hierfür jedenfalls bereits an Bord geholt.

Pure mit DAB+-Geräteverkauf nicht zufrieden, andere schon

Der programmliche Zuwachs täte gut, denn der Digitalradio-Hersteller Pure ist laut eigenen Angaben mit dem Geräteverkauf von DAB+-Digitalradios im ersten Quartal dieses Jahres in Deutschland unzufrieden: "Das erste Vierteljahr 2016 blieb hinter unseren Erwartungen zurück", sagte Jens Wölfert, Vertriebsleiter von Pure Deutschland, in einem Interview mit dem "Meinungsbarometer Digitaler Rundfunk“. Der Markt für Unterhaltungs­elektronik schwächele zwar insgesamt, da die Menschen derzeit Geld für andere Dinge wie Urlaubsreisen oder Health Care-Produkte ausgeben.

Er zeige sich allerdings auch von der Entwicklung von DAB+ in Deutschland enttäuscht, wo aktuell eher lamentiert und diskutiert wird anstatt Fakten zu schaffen, etwa bei der Benennung eines verbindlichen UKW-Abschalttermins: "Aus unserer Sicht liegt Digitalradio weit hinter seinen Möglichkeiten". Man sehe es als Aufgabe der Politik an – natürlich in Absprache mit den Radioveranstaltern – den Weg für innovative Formate zu ebnen. "Dazu gehört: Das Ende von UKW zu bestimmen und einen Abschalttermin festzuschreiben, der nicht in allzu ferner Zukunft liegt. Von jetzt an noch weitere zehn Jahre zu warten, halte ich auch für die Hörer für nicht vertretbar".

Wie teltarif.de aus anderer Quelle erfuhr, habe es jedoch insgesamt auch im ersten Quartal 2016 deutliche Steigerungen beim Verkauf von Digitalradios mit DAB+ gegenüber dem Vorjahresquartal gegeben. Das bestätigt beispielsweise auch der Hersteller Alan Electronics. Vor allem die Online-Verkäufe würden sich sehr positiv entwickeln, heißt es.

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