Bundesliga

Kommentar: Was bedeuten die neuen TV-Rechte bei der Bundesliga?

Was bedeuten die neuen Bundesliga-Rechte für Sky? Ein Einschätzungs-Kommentar zur Vorstellung der Rechteausschreibung.
Ein Kommentar von Thorsten Neuhetzki
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Schon früh sickerte im anstehenden Vergabeverfahren der Fußball-Bundesliga-Rechte durch, dass das Bundeskartellamt gegen die Übermacht von Sky vorgehen will. Faktisch ist Sky derzeit der einzige Sender, der die Spiele der 1. und 2. Liga live zeigt - von wenige Ausnahmen im Free-TV abgesehen. Das Monopol wollte das Kartellamt aufbrechen. Doch ist es ihm gelungen? Und wie sehr leidet Sky unter den Einschränkungen und wie sehr der Fan?

Klar ist: Der Fan wird sich ab der Saison 2017/2018 umgewöhnen müssen. Nicht nur, was Änderungen wie fünf Spiele der 1. Liga am Montagabend angeht oder die Festlegung auch zwei englische Wochen pro Jahr, sondern auch was den Empfang der Spiele angeht. Wie bereits ausführlich dargestellt: Sky wird - egal wie der Sender bietet - nicht mehr alle Rechte halten können. Ein Wunsch des Bundeskartellamtes. Doch unterm Strich dürfte Sky das vergleichsweise wenig beeindrucken. Denn das Kerngeschäft, die Vermarktung von Abos für das Fernsehen, kann sich der Sender noch immer zusammenkaufen, legt er genug Geld auf den Tisch. Er verliert dann lediglich 103 Livespiele pro Saison für Web-TV, sprich für Sky Go.

Ob das zu verschmerzen ist, liegt im Auge des Betrachters. Wer zur Kern-Anstoßzeit gerne zwei Spiele - eins auf dem Fernseher, eins auf dem Tablet - im Blick hat, den dürfte dieser Einschnitt treffen. Er müsste sich das neue OTT-Abo beim Drittanbieter zusätzlich kaufen. Auch, wer sonntags pendelt und beispielsweise im ICE die Spiele über den hoffentlich funktionierenden WLAN-Hotspot schaut, dürfte hier Einschnitte spüren. Für Sky dürfte der Einschnitt aber verschmerzbar sein - auch wenn Sky nicht mehr alle Spiele live über Sky Go zeigen kann.

Die Zukunft der BundesligaDie Zukunft der Bundesliga Ärgerlicher dürfte es für die Münchner mit britischen Wurzeln sein, verliert man die Live-TV-Rechte. Vor allem die Konferenz ist quasi ein Baby von Sky bzw. dem Vorgänger Premiere. Gerade das Konferenzpaket, das dazu berechtigt, alle Spiele der Hauptanstoßzeit am Samstag zu zeigen, könnte jedoch interessant für einen Neueinsteiger im Markt sein. Gedankenspiele dazu hatten wir Ihnen bereits präsentiert. Aus diesen Gedankenspielen folgt: Für Sky gibt es Mittel und Wege, ein weitgehend unverändertes und exklusives Angebot anzubieten.

Unterm Strich steht als weniger Sky als viel mehr der Fan als Verlierer der Entscheidung des Bundeskartellamtes da. Denn ob sich ein echter Wettbewerb zwischen zwei Sendern entwickeln kann, die unterschiedliche Inhalte zeigen, ist fraglich. Aufgrund der Vergabemodalitäten scheint es wahrscheinlicher, dass die Preise für die Lizenzpakete steigen, es aber kaum Wettbewerb für den Verbraucher gibt.

Ausschreibung nach Technologien hätte mehr Wettbewerb zur Folge gehabt

Effektiver wäre hier wohl gewesen, die Pakete nicht technologieneutral auszuschreiben, sondern wie bei der aktuell noch laufenden Periode getrennt nach IPTV, TV und Web-TV. Hätte man dieses mit einer No-Single-Buyer-Rule verbunden, so hätte es für den Kunden wohl eine echte Alternative zu Sky gegeben, ein Wiedereinstieg der Telekom auf IPTV wäre leichter geworden und auch Amazon oder Google hätten Chancen gehabt, die kompletten Pakete für Web-TV zu ersteigern, ohne sich um die restliche Verwertung der Lizenzen kümmern zu müssen. Das Verbot des Alleinkaufs ist so unterm Strich eher ein "Verbötchen" und dürfte kaum zu mehr Wettbewerb führen.

Dieser Wettbewerb könnte höchstens entstehen, wenn unterschiedliche Pay-TV-Anbieter verschiedene Lizenzpakete ersteigern. Das aber wiederum wäre ein Wettbewerb auf dem Rücken der Fans. Ein solches Szenario zeichnete sich bereits bei der vergangenen Rechteperiode ab und könnte zur Folge haben, dass die Kunden für Satellit und Kabel zwei, drei oder noch mehr Abos abschließen müssten, um alles zu sehen - auch kein Wettbewerb, den der Kunde wirklich wollen kann. Somit bleibt auch hier nur die Conclusio, dass es einen Wettbewerb zwischen den Technologien, aber nicht zwischen Wettbewerbern auf einer Technologie geben muss. In diesem Fall wäre ein Szenario denkbar gewesen, indem Amazon oder Google einen Livestream anbieten, Sky die klassische Pay-TV-Übertragung und die Telekom IPTV - und der Nutzer hätte das für sich passende nutzen können. Diese Chance wurde vertan.

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