Einschätzung

Netzbetreiber rechnen mit Verfehlen des Breitbandziels 50 MBit/s bis 2018

Weil in zu vielen Regionen die Netze doppelt ausgebaut und Ausbaufristen sehr lang sind, rechnen die Netzbetreiber des Breko nicht mehr mit dem Erreichen des Breitbandziels der Bundesregierung. Ende 2015 waren etwa 70 Prozent erreicht.
Von Thorsten Neuhetzki
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Der Wettbewerbsverband Breko rechnet nicht damit, dass das Breitbandziel der Bundesregierung 50 MBit/s für alle Haushalte bis zum Jahr 2018 unter den aktuellen Rahmen­bedingungen noch erreicht werden kann. Dazu kommt der Verband, der einen Großteil der alternativen Festnetzanbieter vertritt, in seiner heute vorgestellten Marktstudie. Die jüngste Vectoring-Entscheidung werde den Ausbau in unterversorgten Gebieten sogar verlangsamen, so die These des Verbandes.

"Die Vectoring-II-Technologie, die nach den Vorgaben Brüssels erst nach Einführung entsprechender Vorleistungs­produkte und grundsätzlich nur vom Ex-Monopolisten in den zu weiten Teilen bereits gut versorgten Nahbereichen eingesetzt werden darf, wird den Ausbau unterm Strich verzögern, anstatt ihn im Wettbewerb zu beschleunigen", erläutert Telekom­munikations­experte Prof. Dr. Nico Grove, CEO des Instituts für Infrastruktur­ökonomie & Management.

Breko: Doppelausbau verzögert den Breitbandausbau

Der Breitbandausbau geht zu langsam voranDer Breitbandausbau geht zu langsam voran Nach Berechnungen des Verbands wird trotz der auch weiterhin erheblichen Anstrengungen der alternativen Netzbetreiber bis zum Jahr 2018 bestenfalls 85 Prozent aller Haushalte ein Breitbandanschluss mit mindestens 50 MBit/s zur Verfügung stehen. Heute liegt der Bundesdurchschnitt nach Berechnungen des TÜV Rheinland (Stand Ende 2015) bei 69,8 Prozent. Werden drahtlose Technologien einberechnet, seien es 70,1 Prozent.

Grund für die Verzögerung sei die Tatsache, dass in den vergangenen Jahren ein starker Doppelausbau vor allem in Gebieten mit paralleler Breitbandkabel-Infrastruktur stattgefunden hat. Nach Angaben des Breko sei das in erster Linie durch die Deutsche Telekom erfolgt. "Auf diese Weise haben im vergangenen Jahr mehr als 70 Prozent aller Investitionen nicht auf das Breitbandziel der Bundesregierung eingezahlt, sondern sind in den Überbau bereits vorhandener NGA-Netze geflossen", so der Breko heute. Als regulatorisch angeordneten Überbau bezeichnet Grove die jetzt abgegebene Ausbauverpflichtung der Telekom für die Nahbereiche. In diesen würde vielfach schon eine gute Infrastruktur bestehen.

VDSL bei bestehendem Glasfasernetz

Die Regulierungsentscheidung sieht vor, dass die Telekom dort, wo sie selbst in Pilotgebieten ganze Stadtviertel mit FTTB/FTTH erschlossen hat, keine eigene VDSL-Infrastruktur errichten muss. Sehr wohl kann (und muss) sie aber beispielsweise in München, wo M-Net den kompletten Innenstadtbereich mit FTTB versorgt hat, trotzdem VDSL Vectoring errichten. Die Telekom sieht darin einen Infrastruktur-Wettbewerb zwischen Kabel, Glasfaser und dem Telekom-Netz. Die Wettbewerber hingehen beklagen, dass die Telekom so Geld in eine veraltete Technologie wie das Kupferkabel steckt, obwohl bereits ein neueres und zukunftsfähiges Netz vorhanden ist.

Um beim Beispiel M-Net zu bleiben: Der Anbieter könnte den Ausbau durch die Telekom nur abwehren, wenn sie sich selbst verpflichtet, ihr Netz zu überbauen und VDSL Vectoring zu errichten. Das allerdings darf M-Net nur, wenn im kompletten Münchener Anschlussbereich bereits 40 Prozent der Kabelverzweiger vom Anbieter erschlossen wurden und das gleichzeitig noch 33 Prozentpunkte mehr sind, als die Telekom bereits errichtet hat. EWE-Tel-Chef Norbert Westfal - gleichzeitig Präsident des Breko - schließt zumindest für seine Gesellschaft nicht aus, dass man sich dort, wo es geht, zum Ausbau verpflichtet. Das erfolge dann allerdings nicht aus Überzeugung, sondern mehr, um die Telekom aus dem eigenen starken Gebiet herauszuhalten.

Ausbauverpflichtung mit Verspätung

Mit der Ausbauverpflichtung hat die Telekom sich an Ausbaufristen gebunden. Diese sind jedoch eher langfristig zu sehen. Die ersten 20 Prozent des Ausbaus müssen nach 18 Monaten erfolgt sein, weitere 20 Prozent nach 27 Monaten. Die restlichen 60 Prozent des Ausbaus müssen erst nach 30 Monaten erfolgen. Für die Fristsetzung ist nicht die Abgabe der Ausbauverpflichtung maßgeblich, sondern der Abschluss des zum Verfahren gehörenden TAL-Standardvertragsverfahren, dass den Zugang für die Wettbewerber regelt. Dieses Verfahren ist jedoch noch nicht angelaufen.

Was das von der Bundesregierung vor drei Jahren ausgerufene Breitbandziel angeht, hat Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) vergangene Woche gesagt, dass er dieses heute so nicht mehr formulieren würde. Heute seien Gigabit-Netze gefragt.

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