Förderung

Forderung: Glasfaser only statt Glasfaser first

Der Branchenverband Breko fordert abermals ein Umdenken beim Breitbandausbau und eine Abkehr vom VDSL-Vectoring-Ausbau. Auch Super-Vectoring werde langfristig nicht ausreichen.
AAA
Teilen (14)

Verkehrs- und Infrastrukturminister Alexander Dobrindt wird heute in Berlin für Förderbescheide aus der vierten Tranche des Bundesförderprogramms Breitband übergeben. Damit soll der Breitbandausbau in Gebieten, in denen ein Ausbau nicht wirtschaftlich ist, gefördert werden. Doch während das "Ob" nahezu unbestritten ist, gibt es in der Branche über das "Wie" nach wie vor Streit. Während ein Teil einen möglichst schnellen Ausbau mit VDSL bevorzugt, bezeichnet der andere Teil dieses als nicht nachhaltig und fordert, ausschließlich echte Glasfaserprojekte zu fördern. So meldet sich jetzt auch wieder der Breko, einer der drei großen Breitband-Branchenverbände zu Wort und fordert "eine weitsichtige Weiterentwicklung der Breitband-Förderung mit Fokus auf reine Glasfaser". Dabei setzen auch die Unternehmen des Breko in nicht unerheblichen Umfang VDSL und VDSL Vectoring ein.

"Die künftige Breitband-Förderung der Bundesregierung muss sich an einem weitsichtigen Ziel orientieren: Deutschland braucht bis 2025 flächendeckend Gigabit-Glasfaseranschlüsse bis in alle Gebäude. Die Politik darf sich daher künftig nur auf die einzig zukunftssichere Technologie – die reine Glasfaser – fokussieren", sagt Breko-Geschäftsführer Dr. Stephan Albers. "Für den Breko gilt damit nicht nur 'Glasfaser first', sondern 'Glasfaser only'." Kupferbasierte Übergangstechnologien wie VDSL2-Vectoring oder das angekündigte Super-Vectoring könnten die künftigen Bandbreiten- und Qualitätsanforderungen (zum Beispiel extrem geringe Latenz, hohe Upload-Geschwindigkeiten, hohe Widerstandsfähigkeit gegen äußere Einflüsse) nicht befriedigen, heißt es von dem Verband. Warum die Mitgliedsunternehmen dennoch auf diese Technologie setzen, teilte der Verband nicht mit.

Infrastrukturziel statt Breitbandziel

Glasfaser als InfrastrukturzielGlasfaser als Infrastrukturziel "Die Politik muss ihre Breitbandziele deutlich schärfen und schnellstmöglich ein ambitioniertes Glasfaser-Infrastrukturziel setzen", so Albers weiter. "Denn unser Land braucht Glasfaser bis in jedes Haus und Unternehmen als alternativlose Grundlage für die Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft." Deutschland entstünden Wettbewerbsnachteile.

Auch beim kommenden Mobilfunkstandard 5G werde Glasfaser in der Fläche benötigt, um die einzelnen Sendestandorte anzubinden. Da 5G-Netze vom Prinzip her nichts anderes als mobile Glasfasernetze mit Luftschnittstelle darstellen, werden leistungsfähige und zukunftssichere Glasfaseranschlüsse bis in jedes Gebäude benötigt, stellt das Gutachten des Instituts für Infrastrukturökonomie & Management (IEM) fest. Die künftigen 5G-Netze benötigen demnach eine hohe Zahl an per Glasfaser angebundener Basisstationen – insbesondere auch in weniger besiedelten, ländlichen Gebieten.

Mit der Ausweitung von Breitband-Förderprogrammen gewinnen Open-Access-Geschäftsmodelle immer mehr an Bedeutung. Denn Netzbetreiber, die Glasfasernetze im Rahmen von Förderprojekten ausrollen, sind nach Breko-Angaben dazu verpflichtet, ihre Netze für andere Nachfrager zu öffnen. Schon heute setzen zahlreiche lokale und regionale Netzbetreiber auf Open-Access-Kooperationen, um die Auslastung ihrer eigenwirtschaftlich errichteten Glasfasernetze zu steigern und so deren Wirtschaftlichkeit zu erhöhen. Carrier, die ihre Netze für möglichst viele Nachfrager im Markt öffnen wollen, können sich derzeit für die neue Handelsplattform registrieren lassen. Voraussichtlich im Frühherbst können dann erste Glasfaseranschlüsse auf der neuen Plattform aktiv gehandelt werden.

Zuletzt hatten 1&1 und M-net bekanntgegeben, dass sie auf Netzebene zusammenarbeiten werden. 1&1 will Glasfaserleitungen bei dem Münchner Anbieter einkaufen.

Teilen (14)

Mehr zum Thema BREKO