Breitbandausbau

Schleswig-Holstein ist das deutsche Glasfaser-Paradies

Nicht nur Strategien zum Ausbau von echten Glasfaseranschlüssen waren ein Thema der BREKO Jahrestagung, sondern auch aktuelle Erfolgsmeldungen wie sie Schleswig-Holstein bieten kann. Der Norden ist die Breitband-Bundesspitze.
Aus Berlin berichtet
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Glasfaserausbau in DeutschlandSchleswig-Holstein ist führend im Ausbau echter Glasfaseranschlüsse Wie jedes Jahr lädt der Bundes­verband Breitband­kommunikation (BREKO) zur Jahrestagung, um über aktuelle Probleme, Chancen und Strategien rund um den Breitband­ausbau zu diskutieren. Dieses Jahr konnte der Verband Dr. Bernd Buchholz, Wirtschafts­minister von Schleswig-Holstein, als einen der Redner gewinnen.

Und dieser konnte verkünden, dass das norddeutsche Bundesland seine Führungs­rolle beim Glasfaserausbau mit Leitungen, die nicht schon am Verteiler­kasten enden, weiter ausbauen konnte. So sind mittlerweile über 32 Prozent der Haushalte per FTTH/B angeschlossen - und 24 Prozent davon haben auch einen dieser Anschlüsse gebucht. Damit liegt Schleswig-Holstein deutlich an der Spitze: Der Bundes­durchschnitt für echte Glasfaser­anschlüsse liegt bei gerade mal sieben Prozent.

Die Landesregierung will sich mit dem Erreichten jedoch nicht begnügen und plant schon die nächsten Schritte für den weiteren Ausbau der Netze mit Glasfaser.

Grundlage für effiziente Breitbandstrategien

Das neue und sicherlich etwas ambitionierte Ziel ist es, bis 2025 flächen­deckend echte Glasfaser­anschlüsse in Schleswig-Holstein bieten zu können. Dafür sollen zusätzlich 50 Millionen Euro an Förderung bereit­gestellt werden, die jedoch intelligent verplant werden sollen. Dafür verantwortlich zeichnet sich das 2010 ins Leben gerufene Breitband-Kompetenzzentrum, eine von kommunalen Spitzen­verbänden unterhaltene Institution zur Beratung sowie Koordinierung von Ausbau­projekten rund um Glasfaser­anschlüsse.

Als Geldgeber für die zugehörigen maßgeschneiderten Finanz­konzepte agiert die Investitionsbank Schleswig-Holstein (IB.SH), wofür bisher über 500 Millionen Euro bereit­gestellt wurden. Dieses Geld ist für aktuelle Projekte genehmigt, was eine Glasfaser­abdeckung von 50 Prozent bis zum Jahr 2020 realistisch werden lässt, bis 2022 sogar 62 Prozent.

Nur will sich die Landes­regierung von Schleswig-Holstein damit nicht zufriedengeben. Das Breitband-Kompetenzzentrum soll erweitert werden, um den Glasfaser­ausbau stärker voranzutreiben als es derzeit der Fall ist. Unter anderem sollen die "weißen Flecken auf der Landkarte" wie zum Beispiel in Städten gezielt beseitigt werden. Buchholz will dafür verstärkt auf die Privat­wirtschaft setzen und sie zu entsprechenden Kooperationen bewegen.

Erfolgsgeheimnis für den schnellen Norden

Allerdings ist das Breitband-Kompetenzzentrum trotz seiner Leistungen nicht alleine verantwortlich für die sehr hohe Verbreitung echter Glasfaser­anschlüsse. Denn wesentlicher Faktor für den rasanten Ausbau sind kommunale Breitband­zweckverbände, etliche Stadtwerke und diverse Breitband­netzgesellschaften - letztere größtenteils aus der im Norden stark vertretenen Windbranche.

Diese genannten Akteure springen meistens dann ein, wenn sich für den geplanten Bau von Glasfaser­anschlüssen kein privat­wirtschaftlicher Anbieter finden lässt. "Auf diese Weise haben wir ein Investitions­klima geschaffen, das auch bei über­regionalen Anbietern großes Interesse auslöst", sagte Buchholz.

Kurzum, die Landes­regierung von Schleswig-Holstein kann trotz vergleichs­weise geringer Finanz­mittel einen wirkungs­vollen Anreiz schaffen, die zumeist nicht ganz unproblematische Anlaufphase von Ausbau­projekten anzukurbeln.

Die Nachfrage muss vorhanden sein

Mit Privatwirtschaft und kommunalen Betrieben alleine ist es trotz allem nicht getan, wie Buchholz weiter ausführt. Erst wenn auch die ans Glasfaser­netz angeschlossenen Betriebe und Haushalte tatsächlich Glasfaser­anschlüsse ordern, wird den Netz­betreibern gezeigt, dass der Bedarf sehr wohl da ist - was wiederum den weiteren Ausbau begünstigt und den Druck dazu erhöht.

Sein Schlussplädoyer lautet daher: "Die Erfolgs­faktoren Schleswig-Holsteins sollten vor allem Maßstab für die Breitband­politik einer neuen Bundes­regierung sein: Von ihr erwarte ich eine klare Ausrichtung auf ein Infrastruktur­ziel Glasfaser, weil die Zeit von Übergangs­technologien wie Kupfer ein Ende haben muss." Eine Ansicht, die auch BREKO und BVMW miteinander teilen.

Etwas scherzhaft fügte Buchholz zudem hinzu, Bezugnehmend auf die aktuelle bundes­politische Situation, dass eine Jamaika-Koalition doch ganz wunderbar funktioniere. Schleswig-Holstein ist auf Landesebene immerhin ein Beispiel.

Lesen Sie in einer weiteren Meldung, welche Auswirkungen die Bemühungen des BREKO auf den größten Netzbetreiber haben.

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