Will nicht

Unitymedia: Weder Vorleistungsprodukt noch Open-Access

Unitymedia CEO Lutz Schüler lehnt Vorleistungsprodukte oder Open Access für seine Konkurrenz ab.
Vom Breitbandgipfel in Frankfurt berichtet
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Der Unitymedia Chef Lutz Schüler hat sich auf dem Breitbandgipfel ganz klar gegen eine Öffnung seines Netzes für andere Anbieter ausgesprochen. Er wolle kein Vorleistungsprodukt anbieten und auch keinen Open Access zu seinem Netz gewähren. Schüler plädierte ganz klar für Infrastrukturwettbwerb und zwar ohne öffentliche Fördergelder. Einzig in wirklich abgelegenen Gebieten könnte er sich Kooperationen mit anderen Netzbetreibern vorstellen. Schüler verwahrte sich gegen den Vorwurf, nur Ballungsgebiete wie z.B. Frankfurt am Main ausbauen zu wollen. "Wir sind auch in Lampertheim-Hüttenfeld" aktiv, wo Unitymedia das dortige TV-Kabelnetz auf die neueste Technik hochgerüstet habe.

Vorleistung im Kabel wäre komplex

Unitymedia CEO Lutz Schüler möchte weder ein Vorleistungsprodukt noch Open Access anbieten.Unitymedia CEO Lutz Schüler möchte weder ein Vorleistungsprodukt noch Open Access anbieten. Beim Vorleistungsprodukt müsste ein TV-Kabel-Anbieter wie Unitymedia oder Vodafone, die künftig ein Unternehmen werden sollen, seinen Mitbewerbern ein Signal anbieten, worüber Kunden des Mitbewerbers über die Leitungen des Kabel-TV-Anbieters zu "erreichen" sind. Das bedeutet nicht, dass vom Übergabepunkt zwischen Kabel-TV-Anbieter und Wettbewerb eine durchgehende ununterbrochene physikalische Leitung gelegt werden muss, sondern dass der Kunde die Möglichkeit hat, zu telefonieren, im Internet zu surfen und Fernsehprogramme zu schauen und eine Mediathek zu nutzen. Im Festnetz ist dafür der Begriff VULA (Virtual Unbundled Access) gebräuchlich. Die Details müssten dann zwischen der Bundesnetzagentur, Vodafone bzw. Unitymedia und dem Wettbewerb ausverhandelt und dafür ein verbindlicher Preis festgelegt werden.

Resale wäre einfach möglich

Denkbar wäre auch die Verpflichtung zum Resale. Hier würde ein Mitbewerber die Produkte des Kabel-TV-Anbieters unter seinem eigenen Namen auf der Rechnung verkaufen, könnte aber nur das anbieten, was ihm der Kabel-TV-Anbieter an Produkten oder Funktionen auch anbietet. Preislich müsste der Kabel-TV-Anbieter einen Rabatt einräumen, damit der "Wiederverkäufer" wenigstens eine Chance bekommen könnte, um seine Produkte verkaufen zu können.

Open-Access bei Koaxialkabel auch schwierig

Beim "Open Acess" müsste der Kabel-TV-Anbieter in der Tat seine Leitungen physikalisch zur Nutzung durch den Mitbewerber anbieten. Das wäre mit Glasfaser noch am ehesten zu realisieren, ist aber bei der Baumstruktur der TV-Koaxkabel-Netze völlig illusorisch.

Branchenkenner vermuten übrigens schon länger, dass es Vodafone bei seiner Akquisition im Kern nur darum ging, ein "eigenes" Netz zu den bereits vorhandenen Kunden zu bekommen und seine eigenen Mobilfunksendemasten zu erreichen, was vor allen Dingen die als "teuer" empfundenen Leitungsmieten der Telekom vermeiden würde. Prof. Torsten J. Gerpott hat die Hintergründe sehr gut in einem Gastbeitrag auf teltarif.de erläutert.

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