Zukunft

Breitbandausbau: Was bringen Kooperationen überhaupt?

Der Breitbandausbau sei nur zu schaffen, wenn alle Netzbetreiber an einem Strang ziehen und im Rahmen von Kooperationen zusammen­arbeiten. Was sie wirklich bringen, darüber wurde auf dem Tele­communications Executive Circle in Frankfurt diskutiert.
Vom Telecommunications Executive Circle in Frankfurt berichtet
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Telecommunications Executive Circle in FrankfurtTelecommunications Executive Circle in Frankfurt In der Tele­kommuni­kationsbranche wird schon seit einiger Zeit darüber diskutiert, dass die enormen Heraus­forderungen des Breitband­ausbaus nur dann organisatorisch und vor allem finanziell zu schaffen sind, wenn alle Beteiligten eng zusammen­arbeiten. Dazu gibt es verschiedene Kooperations­plattformen, die momentan noch mehr oder weniger genutzt werden.

Auf der Jahrestagung des Tele­communi­cations Executive Circle in Frankfurt diskutierten führende Vertreter der Branche darüber, ob derartige Kooperations­modelle überhaupt sinnvoll sind oder nicht. Alle Player haben ein großes Interesse an einer wachstums­orientierten Entwicklung, trotzdem sind die Netzbetreiber und Provider auch untereinander Konkurrenten. Doch den Verbrauchern ist es wichtig, möglichst schnell an einen leistungsfähigen Breitband­zu­gang zu bekommen, falls dieser am Ort noch nicht verfügbar ist.

Telekom sieht weiterhin einen Technologiemix

Laut einem Vodafone-Sprecher kommt bald die Daten­explosion, aber auch neue Geschäfts­modelle wie das autonome und vernetzte Auto. Ein Auto werde in Zukunft pro Sekunde 6 GB Daten produzieren. Ohne leistungs­fähige Netze werde das nicht funktionieren. Der LTE-Nachfolger 5G werde prinzipiell ein Festnetz sein, das in die Luft verlängert wird. Vodafone geht davon aus, dass diese Heraus­forderungen nur gemeinsam zu stemmen sind. Im ländlichen Raum will Vodafone auch eng mit Gemeinden zusammen­arbeiten, insbesondere auch bei der Versorgung von Gewerbe­gebieten.

Ein Telekom-Sprecher wies darauf hin, dass Deutschland eben ein Flächenland sei. Die Heraus­forderungen seien enorm und darum begrüße auch die Telekom Kooperationen, insbesondere beim Glasfaser­ausbau. Die Telekom komme geschichtlich betrachtet vom Eigenausbau, eine Phase dieses Eigenausbaus sei noch der Vectoring-Ausbau in den kommenden ein bis zwei Jahren. Letztendlich glaube die Telekom an einen Technologie­mix, bei dem verschiedene Techniken (Glasfaser, Kupfer, Mobilfunk) nebeneinander existieren.

Die Telekom wird den Eigenausbau also fortsetzen, dieser soll aber durch Kooperationen mit anderen Playern ergänzt werden. Momentan sei es ja so, dass nur eine Firma Wholesale-Kontingente verkauft (die Telekom) und alle anderen Wholesale-Kontingente nur einkaufen (die Mitbewerber). Dies werde sich umkehren, und auch die Telekom werde Leistungen bei anderen Netz­betreibern einkaufen. Erst Anfang September hatte die Deutsche Telekom mitgeteilt, dass sie Glasfaser-Anschlüsse mit bis zu 1 GBit/s für Privatkunden vermarktet. Das Angebot kostet knapp 120 Euro pro Monat.

Mehr Regulierung oder weniger?

Uneins waren die Teilnehmer der Diskussions­runde über die Frage, ob dank steigender Kooperationen beim Breitband­ausbau die zum Teil strenge Regulierung gelockert werden könne. Vodafone pochte darauf, dass insbesondere große Player wie die Telekom weiter reguliert werden müssten. Die Telekom räumte ein, dass die Nutzung des aus Bundespost-Zeiten stammende Kupfernetz weiterhin reguliert werden müsse. Bei der Glasfaser handele es sich aber um einen ganz anderen Markt, bei dem prinzipiell alle Anbieter in Deutschland noch ganz am Anfang stünden.

Vodafone entgegnete, die Telekom habe durch die Kupfer-Infrastruktur eben doch einen enormen Wettbewerbs­vorteil, denn das Glasfaser­netz setze auf dieser Infrastruktur auf. Die Telekom entgegnete, auch die komplett mono­polisierten TV-Kabelnetze seien geschlossen und für keine Wettbewerber zugänglich. Zur Abschaffung oder Reduzierung der Regulierung bleiben also die Positionen weiterhin strittig.

Die Vertreter kleinerer Netzbetreiber stellten klar, im Vordergrund stehe das, was die Geschäfts- und Privatkunden wollten, und das sei eine hohe Internet-Bandbreite. Die dahinter liegende Technologie sei erst einmal zweitrangig. Bei Kooperationen sei es aber wichtig, stets auf eine gute Auslastung zu achten, um die Netze voll zu bekommen und wirtschaftlich erfolgreich zu sein.

Lesen Sie auch: Glasfaser ist nach Meinung des BREKO die Zukunft für Gigabitnetze. Daher will man mit einer neuen Methode die Nachfrage nach echten Glasfaser­netzen und -anschlüssen für Unternehmen und Privat­haushalten ankurbeln.

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