Breitbandausbau

Telekom-Glasfaser-Deal: getrübte Feierstimmung

Die Deut­sche Glas­faser und die Telekom feiern, wobei die Bonner bei der Vertrags­unter­zeich­nung für das Gigabit-Projekt in der Region Stutt­gart von Protesten begleitet wurden. Während­dessen musste Bundes­kanz­lerin Angela Merkel dem Wet­ter Tribut zollen.

NRW-Wirtschaftminister Andreas Pinkwart (Mitte), gratuliert gemeinsamt mit Marc Venten, Bürgermeister von Korschenbroich (2.v.r.) und Uwe Nickl, CEO Deutsche Glasfaser (r.), Familie Frensch NRW-Wirtschaftminister Andreas Pinkwart (Mitte), gratuliert gemeinsamt mit Marc Venten, Bürgermeister von Korschenbroich (2.v.r.) und Uwe Nickl, CEO Deutsche Glasfaser (r.), Familie Frensch
Deutsche Glasfaser
Hoher Besuch bei Familie Frensch im nieder­rhei­nischen Korschen­broich: NRW-Wirt­schafts­minister Andreas Pink­wart über­reichte der Familie eine 1-Gigabit-Trophäe, obwohl sie „nur“ einen Anschluss der Deut­schen Glas­faser mit nied­rigerer Geschwin­digkeit gebucht hatten. Aber es war der 500 000 Anschluss, den der Netz­betreiber aus dem Müns­terland verlegt hat – wohl­gemerkt, es handelt sich nicht um den 500 000 Kunden der Deut­schen Glas­faser, sondern um die Zahl der ange­schlos­senen Haus­halte (homes passed). Wie Deut­sche Glas­faser mitteilt, zählt das Unter­nehmen inzwi­schen 300 000 Kunden.

Gratu­lation

NRW-Wirtschaftminister Andreas Pinkwart (Mitte), gratuliert gemeinsamt mit Marc Venten, Bürgermeister von Korschenbroich (2.v.r.) und Uwe Nickl, CEO Deutsche Glasfaser (r.), Familie Frensch NRW-Wirtschaftminister Andreas Pinkwart (Mitte), gratuliert gemeinsamt mit Marc Venten, Bürgermeister von Korschenbroich (2.v.r.) und Uwe Nickl, CEO Deutsche Glasfaser (r.), Familie Frensch
Deutsche Glasfaser
Die freu­dige Über­raschung für Familie Frensch wurde mit einem Upgrade ihres gebuchten Tarifs auf 1 GBit/s gekrönt. Neben Pink­wart gehörten auch Korschen­broichs Bürger­meister Marc Venten sowie Deut­sche-Glas­faser-CEO Uwe Nickl zu den Gratu­lanten. Die Gemeinde zwischen Mönchen­glad­bach und Neuss ist eine von über 250 länd­lichen Kommunen, in denen die Deut­sche Glas­faser ihr Netz ausge­baut hat.

„Vor Jahren hat man uns für verrückt erklärt, FTTH-Netze in länd­lichen Regionen privat­wirt­schaft­lich auszu­bauen – heute gehören wir bundes­weit zu den stärksten Glas­faser­anbie­tern“, klopft sich Nickl ein wenig selbst auf die Schulter. Nach eigenen Angaben stammt fast jeder dritte neu gebaute FTTH-Anschluss von der Deut­schen Glas­faser.

FTTH für Unter­nehmen und Haus­halte

Mit dem 500 000 Anschluss soll natür­lich noch nicht Schluss sein. In Korschen­broich schließt die Deut­sche Glas­faser noch vier Gewer­bege­biete an. Darüber hinaus schlossen die Müns­terländer im Mai die Tief­bauar­beiten im Rethener Gewer­bege­biet an der Bremer Straße ab. Ab Juli 2019 stehen den dortigen Unter­nehmen symme­trische Band­breiten von 250 MBit/s bis 10 Gbit/s zur Verfü­gung.

Zudem ist die Deut­sche Glas­faser auch in Frank­furt am Main im Gewer­bege­biet Fechen­heim-Nord/Seck­bach aktiv. Im Herbst 2019 rollen die Bagger an. Der Groß­teil der Unter­nehmen soll noch bis Ende des Jahres einen Glas­faser­anschluss erhalten.

Etwas weiter ist Deut­sche Glas­faser bereits in Maintal. Im Gewer­bege­biet Süd hat das Unter­nehmen inner­halb von zehn Wochen sechs Kilo­meter Glas­faser­kabel verlegt. Im nächsten Schritt folgt das Gewer­bege­biet Ost. Im Juni 2019 starten zudem die Tief­bauar­beiten im Gewer­bege­biet Nord. Abschließen wird auch das Gewer­bege­biet West ausge­baut. Ob der Zeit­plan einge­halten werden kann, hängt aber nicht allein von der Deut­schen Glas­faser ab. Die Deut­sche Bahn muss noch Geneh­migungen erteilen.

Ebenso geht bei der Deut­schen Glas­faser der Breit­band­ausbau für Privat­haus­halte weiter. In Oden­thal im Rhei­nisch Bergi­schen Kreis können die ersten der insge­samt 2400 Haus­halte ab August 2019 mit bis zu 1 GBit/s im Internet surfen. Und auch die Gemeinde im Kreis Kleve können sich über Gigabit-Speed freuen. Landrat Wolf­gang Spreen und Deut­sche-Glas­faser-Chef Nickl haben für 15 Kommunen einen Ko­operationsvertrag für den Netz­ausbau unter­schrieben. Für die rund 1600 Kilo­meter an Glas­faser­kabeln stellt der Bund sowie das Land NRW Förder­mittel in Höhe von über 60 Millionen Euro bereit.

Proteste während der Vertragsunterzeichnung für die Gigabit-Region Stuttgart. Der Breko kritisiert ebenfalls den "Exklusiv-Deal" Proteste während der Vertragsunterzeichnung für die Gigabit-Region Stuttgart. Der Breko kritisiert ebenfalls den "Exklusiv-Deal"
diagnose:funk
„Kreis­weit haben wir insge­samt etwa 40 000 Glas­faser­anschlüsse privat­wirt­schaft­lich reali­siert“ erklärt Nickl. „Weitere 13 000 geför­derte Anschlüsse kommen jetzt da­zu.“ Der Ausbau beginnt im Herbst 2019 in den Kommunen Geldern, Issum, Kerken, Rheurdt, Straelen und Wach­tendonk. Es folgen die Gemeinden Kalkar, Rees, Uedem, Wall­fahrtstadt Keve­laer und Weeze. Den Abschluss bilden Bedburg-Hau, Emme­rich am Rhein, Goch und Kleve. Die betrof­fenen Haus­halte werden im Vorfeld des Aus­baus über den genauen Ablauf infor­miert.

Kritik an Ausbau­projekt für Region Stutt­gart

Grund zum Feiern hatte auch die Deut­sche Telekom. Ende Mai wurden die Verträge für die Gigabit-Region Stutt­gart im Beisein von Baden-Würt­tembergs Ministerpräsi­denten Winfried Kret­schmann unter­zeichnet. Das Ziel: Bis 2025 sollen von den 2,8 Millionen Menschen und 140 000 Unter­nehmen in Stutt­gart und den angren­zenden Land­kreisen Böblingen, Esslingen, Göppingen, Ludwigs­burg und Rems-Murr 99 Prozent LTE nutzen können. Bis dahin soll jedes Unter­nehmen und die Hälfte der Privat­haus­halte über einen Glas­faser­anschluss verfügen.

Bis 2030 will die Telekom die Privat­anschlüsse auf 90 Prozent stei­gern. Außerdem soll die Region ein Pilot­projekt für die Einfüh­rung des Mobil­funk­stan­dards 5G werden.

Die Feier­laune wurde jedoch von einer Protest­kund­gebung der Umwelt- und Verbrau­cher­orga­nisa­tion diagnose:funk getrübt. Nach eigenen Angaben kamen 80 Teil­nehmer zur Veran­stal­tung, auf der die Orga­nisa­tion die Offen­legung des unter­zeich­neten Vertrags forderte. Die Telekom bekäme alle Rechte ohne jegliche Ver­pflichtung zu einem flächen­deckenden Glas­faser­ausbau, lautete die Kritik.

„Noch be­steht die Chance, dass die Gemeinden in der Region ihren Mut zusam­mennehmen und das Breit­band-Glas­faser­netz selbst aufbauen, statt sich diesem Telekom-Deal zu unter­werfen“, sagte Jörn Gutbier, Vorsit­zender von diagnose:funk. „Denn offen­sicht­lich hat, außer in Stutt­gart, noch kein Gemein­derat in der Region den Geheim­vertrag zur Diskus­sion und Entschei­dung vorge­legt bekommen.“

Auch der Bundes­verband Breit­band­kommu­nika­tion (Breko) kriti­siert den „Exklusiv-Deal“. Dritte sollen laut Breko zwar Zugang zu den künf­tigen Glas­faser­netzen der Te­lekom erhalten, aller­dings wohl nur auf Basis eines neuen Vorleis­tungs­modells des Konzerns, das Zugang nur unter bestimmten Bedin­gungen vorsehe. „Die Begünsti­gung eines einzelnen Unter­nehmens ist mehr als kontra­produktiv, da dies zu einer Wett­bewerbs­einschrän­kung führt, die letzt­lich zu Lasten der Region, ihrer Bürger und Unter­nehmen geht“, sagt Breko Geschäfts­führer Stephan Albers.

Merkel-Flug abge­sagt

Von Protesten und Kritik in anderen Ausbau­gebieten, über die die Telekom in ihrem Unter­nehmens­blog infor­miert, ist indes nichts bekannt. Glei­ches gilt für die Insel Ummanz vor der West­küste Rügens. Die Ummanzer können nun mit bis zu 50 MBit/s schnell surfen. Zur Frei­schal­tung des Teil­netzes wollte auch Bundes­kanz­lerin Angela Merkel kommen, jedoch musste ihr Heli­kopter­flug zur Insel wegen starken Nebels abge­sagt werden.

Die Gemeinde freute sich auch ohne Merkel über die Fertig­stel­lung des Netzes. Berlin bezu­schusst das Gesamt­projekt in der Region mit 27,5 Millionen Euro. Das Land Meck­lenburg-Vorpom­mern fördert den Ausbau mit 11,7 Millionen Euro. Insge­samt profi­tieren 8000 Haus­halte, mehr als 850 Unter­nehmen und acht Schulen von den schnellen Netz­anschlüssen.

Gigabit für die Kabelhaushalte Brandenburgs: Den Startschuss gaben in Potsdam Jörg Steinbach (r.), Wirtschaftsminister des Landes Brandenburg, und Christoph Clément, Mitglied der Geschäftsleitung Vodafone Deutschland Gigabit für die Kabelhaushalte Brandenburgs: Den Startschuss gaben in Potsdam Jörg Steinbach (r.), Wirtschaftsminister des Landes Brandenburg, und Christoph Clément, Mitglied der Geschäftsleitung Vodafone Deutschland
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Auch in Bran­denburg freut man sich über Gigabit-Speed, zumin­dest wenn man ans Kabel­netz von Voda­fone ange­schlossen ist. Ende Mai rüsteten die Düssel­dorf 50 000 Anschlüsse in Potsdam mit Geschwin­digkeiten bis zu 1 GBit/s auf. Bis Ende des Jah­res folgen weitere 70 000 Anschlüsse in Cottbus, Falkensee und Königs Wusterhau­sen.

Bis 2021 will Voda­fone insge­samt 280 000 Kabel­haus­halte für Gigabit-Speed aufrüsten. „Für unsere länd­lichen Regionen ist Voda­fone Partner bei Glasfaseraus­bau, aber auch bei der Einfüh­rung der beson­ders leis­tungs­fähigen 5G-Tech­nologie“, sagt Jörg Stein­bach, Wirt­schafts­minister des Landes Bran­denburg.

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