Breitband-Ziel 2025

Flächendeckend Gigabit bis 2025? Nicht im "Ländle"!

Das neue Breitbandziel der Bundesregierung heißt: flächendeckende Gigabit-Netze bis 2025. Eine Studie des TÜV Rheinlands offenbart, dass dieses Ziel zumindest in Baden-Württemberg nicht erreicht wird.
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GlasfaserausbauGigabit-Ausbau in Baden-Württemberg "Unser Ziel ist klar: Gigabit fürs ganze Land", erklärte Thomas Strobl bei der Prä­sentation des Gutachtens. Der stellvertretende Ministerpräsident Baden-Württembergs und Minister für Inneres, Digitalisierung und Migration sagte jedoch nicht, in welchem Jahr das Ziel erreicht werden soll. Die Bundesregierung will bis 2025 die flächendeckende Versorgung über Gigabit-Netze erreichen. Das Gutachten des TÜV Rheinland geht jedoch davon aus, dass es im "Ländle" unter den jetzigen Bedingungen frühestens 2033 so weit sein wird. Also wieder eine Zielvorgabe aus Berlin, die nicht eingehalten werden kann?

Bei der Präsentation wies Strobl insbe­sondere auf das bisher Erreichte hin. Laut der Studie habe sich die Breitbandversorgung in Baden-Württemberg kontinuierlich ver­bessert: Vor sieben Jahren konnten 68,4 Prozent der Haushalte mit Bandbreiten von mindestens 50 MBit/s im Internet surfen. Der Anteil stieg bis Mitte 2017 auf 78 Prozent und liegt damit über dem Bundesdurchschnitt von 76,9 Prozent.

FTTB-Netz kostet 6,1 Milliarden Euro

Doch obwohl das Bundesland gute Voraussetzungen für den weiteren Breitband­ausbau mitbringt, wird es das politische Ziel der neuen Bundesregierung nicht erreichen. Der TÜV Rheinland berücksichtigt in seinem Gutachten solche An­schlüsse, die weder über das TV-Kabelnetz noch über FTTB/H angeschlossen sind, soge­nannte Gigabit-weiße Flecken. Das sind in Baden-Württemberg über 2,3 Mil­lionen Anschlüsse, darunter mit 1,7 Millionen rund ein Drittel der Privathaushalte. Die Studie ermittelt zudem fast 550.000 Unternehmen sowie über 47.000 Institutionen, die nicht Gigabit-fähig angeschlossen sind. Das entspricht einem jeweiligen Anteil von 98,3 bzw. 98,5 Prozent.

Der Aufbau eines landesweiten FTTB-Netzes für alle 2,3 Millionen Anschlüsse würde dem Gutachten zufolge 6,1 Milliarden Euro kosten. Mit 5,1 Milliarden Euro bilden die Tiefbaukosten den größten Anteil. Der TÜV Rheinland geht davon aus, dass zwischen 1,5 und 2,1 Milliarden Euro an Fördergeldern zur Verfügung gestellt werden müssten. Von den zehn bis zwölf Milliarden Euro des geplanten Digitalisierungsfonds würde demnach schon einmal ein Sechstel bis ein Fünftel nach Baden-Württemberg fließen.

Alternative Super-Vectoring

Strobl, Baden-WürttembergThomas Strobl, Baden-Württembergs Stellvertretender Ministerpräsident Doch selbst unter diesen Bedingungen erreicht das Bundesland laut Gutachten nicht das Ziel der Bundesregierung. Im Jahr 2025 prognostiziert der TÜV Rheinland eine Abdeckung von 72,7 Prozent. Auch fünf Jahre später überspringt der Versorgungs­grad nicht die 90-Prozentmarke. Die Studie geht von einer Gigabit-Abdeckung von 82,5 Prozent im Jahr 20230 aus. Bliebe die Förderung wie bisher, rechnen die Auto­ren erst zwischen 2033 und 2038 mit einer flächendeckenden Gigabit-Versorgung.

Um Baden-Württemberg schneller mit Gigabit-fähigen Netzen zu versorgen, hat das Land deshalb eine Investitionsoffensive gestartet. "Wir leisten hier eine echte Kraftanstrengung, haben den Gigabit-Ausbau mit einer Rekordförder­summe von rund 500 Millionen Euro in dieser Legislatur zu einem neuen Schwerpunkt unserer Regierungsarbeit gemacht", erklärt Strobl.

Außerdem schlägt der TÜV Rheinland ein Alternative zum FTTB-Ausbau vor: Super-Vectoring. Bis 2025 könnte die landesweite Verfügbarkeit von Anschlüssen mit maximal 250 MBit/s auf 90,3 Prozent steigen. Da der Vectoring-Ausbau günstiger und schneller vonstatten ginge, würden auch weniger Fördermittel benötigt. Allerdings brächte Super-Vectoring Baden-Württemberg keine Gigabit-fähigen Anschlüsse. So würde das erklärte 2025er-Ziel weiterhin verfehlt. Da­rüber hinaus will die Regierung Vectoring nicht mehr fördern, so dass selbst die Verfasser der Studie zu dem Schluss kommen, dass der Markt getriebene Netzausbau mit Super-Vectoring allenfalls ein Zwischen­schritt sein kann.

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