Die Lösung?

Breitband auf dem Land: Das bringt die digitale Dividende

"Funk-Internet" könnte schon 2010 viele "weiße Flecken" schließen
Von Marc Kessler
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In den letzten Wochen und Monaten ist immer öfter vom Begriff "Funk-Internet", häufig gepaart mit dem Begriff digitale Dividende, die Rede. Doch viele können mit diesen Bezeichnungen nichts anfangen und haben auch keine konkrete Vorstellung davon, ob und wie Ihnen das Ganze zu einem Breitband-Anschluss mit mehreren Megabit pro Sekunde verhelfen könnte.

Das, was vereinfacht gerne Funk-Internet genannt wird, bezeichnet die Nutzung der sogenannten digitalen Dividende zur Breitband-Versorgung. Unter der digitalen Dividende versteht man den Gewinn von Frequenzen, die bislang zur analogen terrestrischen Ausstrahlung von Fernsehsignalen (heute durch DVB-T ersetzt) sowie vom Militär genutzt wurden. Dieser Frequenzgewinn betrifft insgesamt 72 Megahertz, nämlich das UHF-Frequenzband zwischen 790 und 862 MHz.

Tiefe Frequenzen ermöglichen große Abdeckung

Diese ehemaligen Rundfunkfrequenzen sollen nun zur Breitbandversorgung ReichweitenvergleichReichweitenvergleich bei 700 MHz und 2,1 GHz vor allem ländlicher Regionen genutzt, "weiße Flecken" - also Gebiete ohne verfügbares Breitband-Internet - geschlossen werden. Dadurch, dass die Frequenzen zwischen 790 und 862 MHz sehr tief liegen, besitzen sie eine deutlich höhere Ausbreitung als etwa UMTS-Frequenzen bei zum Beispiel 2,1 GHz. Somit kann mit den Frequenzen der digitalen Dividende pro Sendeeinheit ein wesentlich größerer Radius abgedeckt werden. Nachteil der tieferen Frequenzen ist die Tatsache, dass sie eine etwas geringere Bandbreiten-Kapazität besitzen und daher nicht ganz so hohe Datenraten ermöglichen.

Derzeit wird seitens der Politik intensiv über die Nutzung der digitalen Dividende diskutiert. Der Bundesrat wollte am 15. Mai entscheiden, dass die Frequenzen künftig für Mobilfunkdienste genutzt werden können. Die Abstimmung darüber hat er aufgrund einiger Probleme (vgl. letzte Seite dieses Artikels), die nach Ansicht zweier Ausschüsse noch nicht ausreichend geklärt sind, aber am Freitag zunächst verschoben. Nach der Verabschiedung dieser sogenannten Frequenzbereichszuweisungsplanverordnung will die Bundesnetzagentur (BNetzA) noch in diesem Jahr ein Zuteilungsverfahren entwickeln, was in der Praxis in einer Versteigerung der Frequenzen enden wird. Auch die Bundesregierung unterstützt in ihrer Breitbandstrategie die "rasche Nutzung des Potenzials der digitalen Dividende": Sie solle "für die Sicherstellung einer leistungsfähigen breitbandigen Versorgung (...) bislang nicht mit Breitband versorgter Gebiete" genutzt werden.

Mobilfunker testen bereits intensiv

Die Mobilfunk-Unternehmen testen derweil bereits die Nutzung der digitalen Dividende in verschiedenen Pilotprojekten: E-Plus-SendemastE-Plus-Sendemast in Grabowhöfe So betreibt E-Plus ein Testprojekt in Grabowhöfe (Mecklenburg-Vorpommern), T-Mobile in Wittstock (Brandenburg). Vodafone testet derzeit in Baden-Württemberg sowie Nordrhein-Westfalen. Unterschiedlich ist die jeweilige Technologie, die auf den Frequenzen der digitalen Dividende genutzt wird: Derzeit wird vor allem mit UMTS und Datenraten von bis zu 7,2 MBit/s im Downstream per HSDPA getestet, bei Vodafones Nordrhein-Westfalen-Pilot soll hingegen bereits der UMTS-Nachfolgestandard LTE erprobt werden. LTE ermöglicht Datenraten von bis zu 100 MBit/s, verlangt aber zur optimalen Nutzung eine Frequenzbandbreite von 2 mal 20 MHz (Up-/Downlink), die durch die digitale Dividende auch verfügbar wäre.

Der Endnutzer zuhause merkt von all der Technik im Hintergrund nichts: Er nutzt als Endgerät eine Art Modem, ein sogenanntes CPE (Customer Premises Equipment). Diese Empfangseinheit kann dabei indoor oder outdoor installiert werden, was auch von der Entfernung zum Sendestandort und der jeweiligen Signalstärke abhängig ist.

Auf der nächsten Seite lesen Sie, wie die Bundesnetzagentur dafür sorgen will, dass zuerst die ländlichen Regionen von der digitalen Dividende profitieren und was Vodafone-Chef Joussen verspricht.

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