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Unitymedia-Übernahme: BNetzA erwägt Regulierung

Über die Fusion von Vodafone und Unitymedia spricht Telekom Chef Höttges als „Remonopolisierung des Kabelmarktes“. Die Bundesnetzagentur wird genauer hinschauen.
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Bei der geplanten Übernahme des Kabelnetzbetreibers Unitymedia durch Vodafone wird die Bundesnetzagentur (BNetzA) diesmal genauer hinschauen. Vodafone will 18,4 Milliarden Euro für den britischen Kabelanbieter Liberty Global ausgeben und würde in diesem Paket auch die deutsche Liberty-Global-Tochter Unitymedia bekommen. Ginge der Deal durch, könnte Vodafone den größten Teil der bundesweit verlegten Fernsehkoaxkabel-Infrastruktur kontrollieren und damit dem bisherigen Marktführer Telekom bei Breitband-Geschwindigkeiten spürbar Konkurrenz machen.

Bundesnetzagentur kündigt genauere Prüfung an

Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur wird bei der Fusion von Vodafone Kabel-Deutschland und Unitymedia sehr genau hinschauen.Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur wird bei der Fusion von Vodafone Kabel-Deutschland und Unitymedia sehr genau hinschauen. „Da wird ja zunächst mal der Wettbewerbs­druck auf den anderen großen Anbieter steigen. Das ist ja durchaus erwünscht“, sagte der Präsident der Bundes­netz­agentur, Jochen Homann, in einem Gespräch mit der Deutschen Presse Agentur (dpa), „wenn der Druck vom Kabel dazu führt, dass die Glasfaser schneller ausgebaut wird“. Und weiter: „Wir werden genau hinschauen, ob es irgendwo Regionen oder Lokalitäten gibt, wo das Kabel dann dominant und marktmächtig ist. Dann müsste gegebenenfalls natürlich auch das Kabel in diesen Fällen reguliert werden. Da würden wir Vodafone nicht anders behandeln als die Telekom.“

Kabelzugang für Fremdanbieter?

Denkbar wäre, dass Vodafone dazu verpflichtet wird, fremden Anbietern "Zugang" auf ihr Koaxkabel-Netz zu gewähren, beispielsweise durch Schaffung eines Vorleistungsproduktes (am einfachsten Resale (Verkauf des Kabelanschlusses von Vodafone mit Rechnung vom Drittanbieter), bis hin zu echtem VULA (Virtual Unbundled Line Accress, also Bitstream, woraus der Drittanbieter seinem Kunden eigene Angebote maßschneidern kann). Das würde beispielsweise bedeuten, dass die Telekom dort, wo sie selbst keine Infrastruktur hat, ihren eigenen Kunden Leistungen von Vodafone verkaufen könnte.

Branche hat Bedenken

Das wird Telekom Chef Tim Höttges und den Rest der Branche sicherlich freuen. Denn dort, wo TV-Koaxkabel-Netze von Kabel Deutschland oder UnityMedia (inklusive Kabel-BW) schon liegen, was künftig alles zu Vodafone gehören soll, könnte das bestehende Netz mit "relativ" geringem Aufwand auf Spitzengeschwindigkeiten von 1 GBit/s aufgebohrt werden. So schnell wäre die Deutsche Telekom dann noch nicht. Sie erweitert ihre Glasfaser/Kupferkabel-Netze mit "Super Vectoring" von bis zu 100 MBit/s auf bis zu 250 MBit/s. Deutlich schneller würde es nur mit echter Glasfaser bis zum Teilnehmer (FTTH/FTTB) gehen. Doch die ist lange noch nicht überall verfügbar.

Schnelles Kabel kann langsam sein

Nun sind die theoretisch möglichen 1 GBit/s im TV-Koaxkabel nur eingeschränkt nutzbar. Das hohe Tempo wird nur im Download erreicht, die Uploadwerte liegen deutlich darunter, was beispielsweise bei Unternehmen wichtig ist, die ihre Daten regelmäßig mit Cloud-Servern synchronisieren müssen. Mehrere Endkunden-Anschlüsse teilen sich ein Koax-Kabel, was die Download-Geschwindigkeiten wieder spürbar verringern wird. Zur Fernseh-Hauptsendezeit berichten private Kabel-Kunden über drastisch einbrechende Internetgeschwindigkeiten.

Lösbar wäre dieses Problem nur durch massive Verdichtung und Nachrüstung mit weiteren Verteilerknoten. Die Politik fördert daher aus gutem Grund nur den Ausbau mit Glasfaser direkt zum Kunden.

Glasfaser muss vor dem Bedarf verlegt werden

Doch das Verlegen von Glasfasern bis zum Kunden ist aufwendig, weil alles frisch aufgegraben werden müsste und damit sehr teuer. Aber erst mal abzuwarten, bis die Nachfrage entsteht, macht aus Sicht des BNetzA Chefs Homann keinen Sinn. „Dann verpassen wir den Zeitpunkt, zu dem wir die Bandbreiten brauchen. Ich bin der Meinung, dass hier die Infrastruktur vorgebaut werden muss, allein schon wegen der langen Vorlaufzeiten, bis Glasfasern tatsächlich verlegt sind.“

Darin ist sich wohl die gesamte Branche einig, wünscht sich aber ein Füllhorn an finanziellen (staatlichen) Mitteln, um auch dort ausbauen zu können, wo nur wenige zahlungsbereite Kunden zu finden sind, etwa in strukturschwachen oder dünn besiedelten Regionen.

Wie bereits berichtet, dürfte Vodafone weniger daran interessiert sein, die bestehenden Koaxkabelnetze flächenmäßig zu erweitern, sondern braucht die bestehende Infrastruktur, um günstiger die eigenen Kunden erreichen zu können.

Vodafone ist derzeit einer der größten Kunden der Telekom, woher sie die letzte Meile zu ihren Festnetzkunden zu regulierten Preisen, die sie als "zu teuer" empfindet, einkaufen muss. Die Telekom hingegen ist der Ansicht, dass sie die letzte Meile an ihre Mitbewerber zu viel zu niedrigen Preisen abgeben muss. Mit dem TV-Koaxkabel hofft Vodafone auch seine Mobilfunksendestationen in Wohngebieten günstiger anschließen zu können. Wie die Fusion einzuschätzen ist, hat Prof. Torsten J. Gerpott in einem Gastbeitrag auf teltarif.de dargelegt.

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