Verbraucherschutz

BNetzA: Zu viele Beschwerden über Telefonwerbung & China-Schrott

Das Import-Tablet zum Internet-Kampfpreis ist gleich kaputt, auf den Paketboten wartet man vergeblich und dazu noch lästige Werbung am Telefon - die schöne neue Medienwelt nervt viele Verbraucher. Die Bundesnetzagentur will Kunden besser schützen.
Von dpa /
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Weiterhin zu viele Beschwerden über TelefonwerbungWeiterhin zu viele Beschwerden über Telefonwerbung Schadhafte Elektrogeräte mit potenzieller Lebensgefahr, Ärger über verspätete Postzustellung und nervige Werbung am Telefon - die Bundesnetzagentur in Bonn registriert deutlich mehr Beschwerden von Kunden im Post- und Telekommunikationsbereich. Sie will Verbraucher dagegen künftig besser schützen. Behördenchef Jochen Homann zieht dazu am Montag in Bonn eine Bilanz der vergangenen zwei Jahre.

Ein Hintergrund ist der Boom des Online-Versandhandels, durch den das Paketaufkommen so stark gestiegen ist, dass die Paketdienstleister mit der Einstellung von Personal nicht mehr hinterherkommen. Außerdem gelangen zunehmend Produkte aus Übersee ins Land, die nicht immer für die europäischen Märkte geeignet oder schlicht billig produziert und schadhaft sind. Insgesamt hätten im vergangenen Jahr mehr als 200 000 Menschen Rat bei der Behörde gesucht oder um Schlichtung in Streitfällen gebeten, hieß es vorab.

2016 Rekord-Bußgelder für Telefonwerbung von mehr als einer Million Euro

Fortschritte hat die Behörde bereits bei Telefon und Internet erzielt: Dank einer Transparenzverordnung haben Kunden seit Mitte 2017 das Recht, die tatsächliche Leistung ihres Internetanschlusses zu erfahren - nicht nur eine potenzielle Bandbreite, die im Alltagsbetrieb fast nie erreicht wird. Die Netzagentur bietet dazu den Verbrauchern ein Messwerkzeug im Netz an.

Eingegriffen hat die Behörde auch bei unerlaubter Werbung am Telefon ohne ausdrückliche Genehmigung der Verbraucher. Hier dürfen Bußgelder verhängt werden. Allein 2016 sei ein Rekord-Bußgeld von mehr als einer Million Euro erreicht worden, hieß es vorab.

Die Behörde überwacht den Markt von Elektronikgeräten und zieht Angebote aus dem Verkehr, die den Funkverkehr stören oder sogar die Gesundheit des Nutzers gefährden. Mit dem stark wachsenden Onlinehandel legte hier die Zahl importierter Billiggeräte etwa aus China stark zu. Fast eine Million solcher Geräte wurden eingezogen - zum Beispiel Lichterketten zur Weihnachtszeit, die Stromschläge verursachen.

Sehr viel Verbraucher-Ärger gibt es laut Netzagentur bei Post- und Paketdiensten. Hier wirke sich der Online-Bestellboom besonders aus, hieß es. Angesichts der wachsenden Paket- und auch Briefmengen wachse die Zahl der Kundenbeschwerden über zu spät zugestellte oder beschädigte Lieferungen. Die Teilnahme der Unternehmen am Schlichtungsverfahren ist allerdings freiwillig.

Verbraucherzentrale startet neues Portal zu Post-Ärger

Das Paket zerquetscht, der Brief viel zu spät am Ziel: Wer sich über seine Postdienstleister ärgert, bekommt künftig Informationen auf einem neuen Portal bei der Verbraucherzentrale. Klagen der Kunden über die Postunternehmen haben zuletzt deutlich zugenommen.

Die NRW-Verbraucherzentrale startet unter dem Stichwort "Post-Aerger.de" ein neues Informationsportal für verärgerte Kunden. Das neue Portal solle Mitte der Woche für zwei Jahre freigeschaltet werden, sagte eine Sprecherin. Hintergrund sind zunehmende Beschwerden von Verbrauchern über verspätet zugestellte oder verschwundene Briefe oder Pakete und Abzocke im Netz und am Telefon, etwa durch Ping-Anrufe, die teure Rückrufe provozieren.

Zuvor hatte die Verbraucherzentrale bis zum Herbst dieses Jahres mit Unterstützung des Bundes-Verbraucherschutzministeriums das Beschwerdeportal paket-aerger.de für Probleme mit der Paketzustellung geführt, das in zwei Jahren von mehr als 21 000 Menschen genutzt wurde. Wegen des Online-Handelsbooms gibt es bei den Paketdiensten ein rasantes Wachstum und massiven Personalmangel. Deshalb würden immer wieder Pakete beschädigt, viel zu spät oder beim falschen Adressaten zugestellt, sagte die Sprecherin.

Sehr häufig klagten Kunden aber auch über verspätet zugestellte Briefe, was etwa bei festen Kündigungsfristen teuer und ärgerlich werden könne, sowie über undurchsichtige Internet-Praktiken oder unerwünschte Werbung am Telefon. Deshalb seien bei der Neuauflage des Portals diese Bereiche mit aufgenommen worden.

Schlichtungsanträge bei der BNetzA haben sich verdreifacht

Die BNetzA registriert eine deutliche Zunahme der Verbraucherbeschwerden. Allein bei den Schlichtungsanträgen in Streitfällen zwischen Kunden und Brief- und Paketdienstleistern gab es zuletzt eine Verdreifachung, wie die Behörde mitteilte.

Das bevölkerungsreiche Nordrhein-Westfalen liegt unter den gut 4100 Beschwerden, die die BNetzA von Anfang bis Ende September 2017 registrierte, mit 573 klar auf dem Spitzenplatz. Gut die Hälfte der Beschwerden bezieht sich dabei auf Briefe, die aus Kundensicht verschwinden oder zu spät ankommen. Beschwerden über Paketdienste folgen auf Platz zwei.

Die Deutsche Post als klarer Marktführer der Branche weist Kritik an den Laufzeiten stets zurück. Die Brief- und Paketzusteller der deutschen Post lieferten jeden Werktag bundesweit 59 Millionen Briefe und mehr als 4,3 Millionen Pakete aus, sagte eine Sprecherin. 94 Prozent der Briefe erreichen ihre Empfänger bereits am nächsten Werktag, rund 90 Prozent der Pakete. "Das schafft kein anderes Postunternehmen in Europa", erklärte die Sprecherin weiter.

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