Rechnungs-Verbot

Router gehackt: Stadt muss Telefonate nicht bezahlen

Offenbar brechen Hacker immer noch in schlecht gesicherte Router ein und verursachen durch Auslandstelefonate horrende Rechnungen. Die BNetzA musste bei einer Stadtverwaltung einschreiten.
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Offenbar gibt es immer noch Verbrau­cher, Behörden und Firmen, die ihre eigenen Router schlecht absi­chern. teltarif.de hatte in den vergan­genen Jahren mehr­fach über das Problem berichtet. Hacker verschaffen sich Zugang zu einem schlecht gesi­cherten Router mit Tele­fonie-Funk­tion und führen darüber - oft in den Nacht­stunden - hunderte oder tausende Tele­fo­nate, meist ins Ausland, um eine hohe Rech­nung zu gene­rieren.

Die BNetzA schreitet nach Bekannt­werden derar­tiger Fälle meist ein und sorgt dafür, dass die horrende Rech­nung nicht bezahlt werden muss. Nun war offenbar sogar eine Stadt­ver­wal­tung davon betroffen.

Diese Fälle sind in den vergan­genen Wochen passiert

Überhöhte Rechnungen nach Einbruch in RouterÜberhöhte Rechnungen nach Einbruch in Router Den Namen der Stadt nennt die BNetzA zwar nicht, aber offenbar sind über den Anschluss einer Stadt­ver­wal­tung Anfang 2019 inner­halb von zehn Stunden unbe­merkt über 5000 Verbin­dungen zu rund 200 Auslands­ruf­num­mern initi­iert worden. Insge­samt seien in diesem Fall beinahe 59 000 Gesprächs­mi­nuten mit einem Schaden von mehreren tausend Euro gene­riert worden.

Doch die Stadt war nicht der einzige Geschä­digte: In einem anderen Fall wurden zu Lasten von verschie­denen Endkunden über 600 000 Verbin­dungs­mi­nuten zu über 1500 auslän­di­schen Rufnum­mern und sogar Satel­li­ten­ruf­num­mern gene­riert. Diese Verbin­dungen hätten dabei einen Gesamt­schaden über 200 000 Euro verur­sacht.

In einem dritten Fall wurden über die Anwahl von vier auslän­di­schen Rufnum­mern über Call-by-Call-Verbin­dungen am ersten Janu­ar­wo­chen­ende Verbin­dungs­kosten in Höhe von 24 000 Euro verur­sacht. Einem weiteren Verbrau­cher wurden offenbar für die über den gehackten Router ausge­löste Anwahl auslän­di­scher Rufnum­mern inner­halb von 24 Stunden über 10 000 Euro in Rech­nung gestellt.

So reagiert die Bundes­netz­agentur

"In allen Fällen hat die Bundes­netz­agentur durch ihre Entschei­dung verhin­dert, dass die betrof­fenen Verbrau­cher und Endkunden die ihnen entstan­denen Kosten bezahlen müssen", erklärt Jochen Homann, Präsi­dent der Bundes­netz­agentur. "Auch die Netz­be­treiber werden durch das zusätz­liche Auszah­lungs­verbot geschützt. Wichtig ist dabei, dass die Netz­be­treiber uns früh­zeitig infor­mieren und Geld­flüsse bis zur behörd­li­chen Entschei­dung einfrieren."

In mehreren Fällen habe die BNetzA Rech­nungs­le­gungs- und Inkas­sie­rungs­ver­bote sowie Auszah­lungs­ver­bote erlassen. Ein derar­tiges Auszah­lungs­verbot soll sicher­stellen, dass zwischen den betei­ligten Netz­be­trei­bern keine Auszah­lungen miss­bräuch­lich entstan­dener Verbin­dungs­ent­gelte vorge­nommen werden.

Um die eigenen Tele­fon­an­lagen und Router vor Angriffen zu schützen, empfiehlt die Bundes­netz­agentur mehrere Vorsichts­maß­nahmen. Die Systeme sollten mit indi­vi­du­ellen und sicheren Pass­wör­tern abge­si­chert werden. Mehr dazu lesen Sie auf unserer Ratge­ber­seite So finden Sie ein sicheres Pass­wort. Darüber hinaus sollte der Kunde grund­sätz­lich nicht benö­tigte Ziel­ruf­num­mern (z.B. Auslands­num­mern, Sonder­ruf­num­mern) im Router sperren. Bestimmte Rufnum­mern­arten wie Sonder­ruf­num­mern kann man außerdem beim Netz­be­treiber netz­seitig sperren. Außerdem ruft die BNetzA dazu auf, regel­mäßig und unver­züg­lich nach Herstel­ler­frei­gabe die Soft­ware der Endge­räte zu aktua­li­sieren. Schließ­lich sollten Verbrau­cher regel­mäßig ihre Rech­nung auf Auffäl­lig­keiten über­prüfen und gege­be­nen­falls rekla­mieren.

Ein sicheres und nicht zu erra­tendes Pass­wort ist heut­zu­tage uner­läss­lich. Doch wie sicher ist Ihres - und wurde es viel­leicht schon mal irgendwo geklaut, veröffent­licht und miss­braucht? Diverse Portale geben darüber Auskunft.

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