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BNetzA will jetzt auf einmal doch beschleunigten Glasfaserausbau

Die Vectoring-Regulierung hat der BNetzA den Vorwurf eingebracht, zu stark auf Kupfer-Technik und die Telekom zu setzen. Nachdem die Politik nun flächendeckend Glasfaser fordert, muss die BNetzA ein Konsul­tations­ver­fahren zum Glas­faser­aus­bau starten.
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Deutschland fällt in die digitale Steinzeit zurück, Kupfer reicht nicht, der Wettbewerb wird verdrängt, die Telekom will keine echten Glasfaseranschlüsse bis zum Kunden: So skandierten nicht nur die Telekom-Wettbewerber, sondern auch andere Kritiker des Vectoring-Deals, als die Bundesnetzagentur der Telekom weitreichende Befugnisse beim Vectoring-Ausbau einräumte. Inzwischen ist in der Politik aber offenbar angekommen, dass kupferbasierte Techniken alleine kaum geeignet sein werden, in den kommenden Jahrzehnten den Bedarf an Breitband-Zugängen zu stillen.

Denn inzwischen hat das Bundeswirtschaftsministerium in seiner digitalen Strategie "Zukunftsoffensive Gigabit-Deutschland bis 2025" den schnellen Aufbau eines Gigabit-Glasfasernetzes gefordert. Heute reagiert nun die Bundesnetzagentur darauf und startete ein "Konsultationsverfahren zu investitions- und wettbewerbsfreundlichen Rahmenbedingungen für beschleunigten Glasfaserausbau". Das ist im Prinzip das, was die Telekom-Wettbewerber seit Jahren fordern. Kommt jetzt endlich die "Flexibilisierung der Regulierung", von der BNetzA-Präsident Jochen Homann heute spricht?

Mehr Anreize für den Glasfaserausbau

Jochen Homann, Präsident der BundesnetzagenturJochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur In der heutigen Mitteilung konstatiert die BNetzA eine bekannte Tatsache: Der Ausbau von Glasfaseranschlüssen kommt in Deutschland nur langsam voran. Offenbar gebe es "hohe Unsicherheiten" für die beteiligten Unternehmen. Außerdem sieht die Regulierungsbehörde eine "zurückhaltende Nachfrage nach hochleistungsfähigen Breitbandanschlüssen". Die geringe Zahlungsbereitschaft der Kunden sei schuld daran, dass sich die hohen Kosten des Glasfaserausbaus in vielen Regionen momentan nicht rechnen. Die BNetzA will daher jetzt eine Diskussion um den regulatorischen Umgang mit den momentan entstehenden Glasfasernetzen.

"Die fortschreitende Digitalisierung erfordert immer leistungsstärkere Netze. Die Unternehmen brauchen Anreize, in den Ausbau von Glasfasernetzen zu investieren. Ihnen sollten die nötigen Freiheitsgrade gewährt werden, um den Ausbau schneller voranzubringen", sagte Jochen Homann heute. Durch "mehr Markt und weniger Regulierung" sollen privatwirtschaftliche Investitionen gefördert werden.

Wie kann man Kunden dazu bewegen, mehr zu bezahlen?

Offenbar ist die Zahlungsbereitschaft der Kunden ein Thema, mit dem sich die BNetzA intensiv auseinandersetzen möchte: "Kunden sollen auch weiterhin von einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis und vielfältigen Angeboten profitieren", sagte Homann. Wenn die Kunden dann einmal bereit dazu sind, für einen Glasfaseranschluss mehr zu bezahlen, sollen die Unternehmen aber die Preise flexibler als bisher festsetzen können.

Die Behörde spricht von einem "Nachbildbarkeitsansatz". Das bedeutet: Der Endkundenpreise soll als Ausgangspunkt dienen, um den Mietpreis für die Nutzung der Glasfaser durch Wettbewerber festzulegen. Der Mietpreis für die Nutzung von Glasfaserleitungen wäre also nicht starr, sondern könnte in Abhängigkeit von den Endkundenpreisen "atmen", sich also "im Zeitablauf und regional unterscheiden". Trotz allem will die Bundesnetzagentur natürlich, dass ganz viel Wettbewerb herrscht und das Preis-Leistungs-Verhältnis für die Kunden attraktiv bleibt.

Die Bundesnetzagentur lädt alle Marktbeobachter ein, zu den im Entwurf gestellten Fragen bis zum 26. April Stellung zu nehmen.

Was die Telekom-Wettbewerber in ersten Stellungnahmen zu dem Glasfaser-Konsultationsentwurf sagen, haben wir in einer weiteren Meldung zusammengefasst.

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