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Kritik an Breitbandmessung: Nicht aussagekräftig

Die Bundesnetzagentur will zur Messung der Breitbandleitungen eine spezielle Software einsetzen. Doch es gibt Kritik: Gemessen werden sollen nur Verbindungen in ein bestimmtes Zielnetz.
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Server in einem Rechenzentrum (Symbolbild)Server in einem Rechenzentrum (Symbolbild) Die Bundesnetzagentur beschäftigt sich seit längerem mit der tatsächlichen Geschwindigkeit von Internetleitungen. Dabei geht es der Behörde maßgeblich darum, den Kunden transparent zu zeigen, wie schnell die heimischen Anschlüsse im Vergleich zur gebuchten "bis-zu"-Geschwindigkeit wirklich sind. Wie schnell ein Anschluss ist, ist einerseits davon abhängig, welche technischen Möglichkeiten der Anschluss bietet und welche Geschwindigkeit der Kunde gebucht hat. Ein weiterer Faktor - darauf weist jetzt die Peering GmbH in einer uns vorliegenden Stellungnahme an die Bundesnetzagentur hin - ist aber vor allem bei Messungen auch das Zielnetz der Messung.

Die Bundesnetzagentur plant, neben der Messung über die Webseite eine Software zu entwickeln, die vom Rechner des Verbrauchers über einen festen Zeitraum regelmäßig misst. Damit sollen schlechte Messergebnisse zu Spitzenlast-Zeiten sowie Messungen zu Niedriglast-Zeiten einen Mittelwert zusammengefasst werden. Bei Messungen ist es durchaus üblich, dass Spitzenwerte nach unten und oben "weggeschnitten" werden. Bislang wurde ausschließlich über eine Webseite gemessen. Die ersten Ergebnisse hatte die Behörde im März veröffentlicht und anschließend erste Maßnahmen vorgestellt.

Nur eins von 60 000 Netzen wird gemessen

Wie die Peering GmbH, Betreiberin der bundesweit fünf ECIX Internetknoten, zu bedenken gibt, besteht das Internet aus etwa 60 000 Autonomen Systemen (AS). Vereinfacht gesagt sind das verschiedene Backbone-Netze, die über private Zusammenschaltungen (Private Peering) oder aber Austauschknoten miteinander verbunden sind. Der Plan der Bundesnetzagentur bzw. des mit den Messungen beauftragten Unternehmens Zafaco sieht aber nach Angaben der Peering GmbH unter Berufung auf einen Workshop bei der BNetzA vor, dass die Messserver ausschließlich im Netz der Core-Backbone GmbH stehen - und zwar in Nürnberg und Frankfurt. Die Core-Backbone GmbH habe Peeringpoints in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Nürnberg und München. Sind Netzbetreiber mit ihren Netzen nicht an einem (gemäß Peering Policy sogar an drei) dieser Orte vertreten, müssen sie zwangsweise eine Alternative wählen - etwa einen Transit-Netzbetreiber. Das wirkt sich aber sowohl auf die Performance als auch auf die Kosten aus.

Nachteilig sieht der Betreiber des ECIX auch, dass Provider die Routen zu den Messservern schönen könnten oder aber die Peeringpoints und Messserver gezielt angegriffen werden könnten. Das Unternehmen erachtet "das Messverfahren in seiner dargelegten Ausgestaltung als nicht sachgerecht, leitlinienwidrig und insgesamt ungeeignet den gesetzgeberischen Zweck zu erreichen".

Für Nutzer gilt zudem: Eine Messung in ein bestimmtes Backbone-Netz sagt nicht darüber aus, wie gut die trafficintensiven Dienste von Amazon, Netflix oder YouTube tatsächlich zu erreichen sind. Sie werden über andere Netze realisiert - oftmals kommen dabei auch Content-Delivery-Networks (CDN) zum Einsatz.

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