Messe-Highlight

CES 2023: BMW verspricht Auto mit Emotionen

So viel Show ist selten bei Auto­bauer-Präsen­tationen: BMW holt die Holly­wood-Autos Herbie und KITT sowie Film­star Arnold Schwar­zen­egger auf die Bühne, um die Vision von einem Auto mit Persön­lich­keit zu zeigen. Aus Japan kommt derweil eine sach­liche Kampf­ansage.

BMW verspricht ein Auto mit Emotionen, der Elek­tronik-Riese Sony bereitet mit einem neuen Marken­namen eine Attacke auf die Platz­hir­sche vor: Der Wandel der Auto­branche wird auf der Technik-Messe CES greifbar.

Mit der Digi­tali­sie­rung wird das Auto zu einem Computer auf Rädern - und der Fokus auf künst­liche Intel­ligenz und digi­tale Dienste statt PS bestimmt die Zukunft.

BMW: "Herbie" und "KITT" auf der Bühne

BMW bot bei der pres­tige­träch­tigen Eröff­nungs­prä­sen­tation am Vorabend der CES eine üppige Show: Ein Kurz­film mit Arnold Schwar­zen­egger und David Hassel­hoff, plus der "Termi­nator"-Darsteller und die legen­dären Holly­wood-Autos Herbie und KITT live auf der Bühne. Als Sahne­häub­chen gab es dann noch eine Demons­tra­tion, wie ein Auto beliebig die Farbe wech­seln kann.

Vor einem Jahr zeigte BMW in Las Vegas schon ein mit E-Ink-Zellen verklei­detes Auto, das aller­dings nur zwischen Weiß und einem etwas gräu­lichen Schwarz wech­seln konnte. BMW auf der CES 2023 BMW auf der CES 2023
Bild: picture alliance/dpa | Andrej Sokolow

Wind­schutz­scheibe als Breit­band-Display

Der eigent­liche Clou steckt in der futu­ris­tischen Elektro-Limou­sine "BMW i Vision Dee" aber im Innen­raum. Neben der spre­chenden Soft­ware fällt im Cockpit das Fehlen der gewohnten Bild­schirme auf. Statt­dessen soll die ganze Wind­schutz­scheibe zum Breit­wand-Display werden. Tacho, Navi und alle anderen Infor­mationen werden per Head-up-Display auf der Front­scheibe ange­zeigt. Und man kann wählen, ob nur einige Infor­mationen einge­blendet werden - oder sich ganze digi­tale Welten mit der realen Umge­bung vermi­schen sollen.

Die Technik werde ab 2025 in die Modell­gene­ration kommen, die BMW "Neue Klasse" nennt, kündigte Konzern­chef Oliver Zipse in Las Vegas an. "Es ist mehr als eine Vision", versi­cherte er. Das Innen­leben des Fahr­zeugs mutet spar­tanisch an: Es gibt keine Türgriffe, Arma­turen­tafel, Tempe­ratur­regler, Schalter, Knöpfe. Zentrales Bedien­ele­ment ist eine Sensorik auf der Fläche, auf der bei heutigen Autos das Arma­turen­brett ist. Per Sprache oder Hand­bewe­gung entscheidet der Fahrer, welche Infor­mationen er auf der Wind­schutz­scheibe sehen will. Wenn das Auto steht, kann er die Realität mit Hilfe von dimm­baren Scheiben ausblenden.

Fahr­zeug als "Portal in die digi­tale Welt"

BMW-Design­chef Adrian van Hooy­donk sagte, das Fahr­zeug selbst werde zum Portal in die digi­tale Welt. Dabei behalte der Fahrer aber immer die volle Kontrolle. Nicht nur Bedien­ele­mente und Anzeigen, auch Mate­rial und Design wurden bewusst redu­ziert, damit "nichts vom digi­talen Erlebnis" ablenkt.

Die "Neue Klasse" fußt auf einer neuen, für Batte­rie­autos entwi­ckelten Archi­tektur. Sie soll sie so profi­tabel machen wie heute die Verbrenner und ab 2025 konzern­weit einge­führt werden.

Auch die Show mit Film- und TV-Autos hatte tiefere Bedeu­tung: Der VW-Käfer Herbie und Hassel­hoffs intel­ligenter Sport­wagen KITT aus der Serie "Knight Rider" stehen für Maschinen mit Gefühlen. Schwar­zen­egger wiederum tauchte nicht nur jüngst promi­nent als Gott Zeus in einem BMW-Werbe­spot auf, sondern verkör­perte mit dem "Termi­nator" auch einen Roboter.

"Afeela": Sony-Honda-Auto mit 45 Kameras

Bei Sony gab es kurz zuvor deut­lich weniger Pomp. Konzern­chef Keni­chiro Yoshida ließ recht sach­lich einen Proto­typen heraus­rollen - schon zum dritten Mal in Las Vegas. Inzwi­schen arbeitet Sony daran in einem Gemein­schafts­unter­nehmen mit dem Auto­bauer Honda. Und die beiden Partner ließen keinen Zweifel daran, dass sie es ernst meinen. So gibt es im Vorlauf zum für 2026 ange­setzten Markt­start einen eigenen Marken­namen: Afeela. Sony und Honda: Prototyp eines Elektroautos der Marke "Afeela" Sony und Honda: Prototyp eines Elektroautos der Marke "Afeela"
Bild: picture alliance/dpa | Andrej Sokolow
Sony wolle bei Afeela unter anderem die Stärken bei künst­licher Intel­ligenz, Unter­hal­tung und Kamera-Sensoren ausspielen, sagte der Chef von Sony Honda Mobi­lity, Yasu­hide Mizuno. Das neue Fahr­zeug lehnt an das Design der beiden vorhe­rigen Sony-Proto­typen an, erin­nert etwa in der Heck­partie aber etwas mehr als bisher an einen Porsche. Der Wagen soll 45 Kameras und andere Sensoren bekommen, unter anderem für auto­mati­sierte Fahr­funk­tionen. Ein unge­wöhn­liches Detail ist ein Display zwischen den Front-Schein­wer­fern, das Infor­mationen für Menschen vor dem Auto anzeigen kann.

Anders als beim BMW-Konzept wird das Arma­turen­brett komplett von Bild­schirmen ausge­füllt. Sony, das im Video­spie­lege­schäft mit der Play­sta­tion ist und auch eine Musik-Firma und ein Holly­wood-Studio hat, will für die Unter­hal­tung im Wagen sorgen.

Auftrags­fer­tiger Foxconn setzt auf Auto­com­puter von Nvidia

Im Wett­streit der Technik-Liefe­ranten um den Platz im Auto der Zukunft will der Chip­kon­zern Nvidia seine Reich­weite über eine Part­ner­schaft mit dem Auftrags­fer­tiger Foxconn ausbauen. Foxconn wird für Auto­bauer Bord­com­puter produ­zieren, die auf Nvidia-Technik basieren, wie die Unter­nehmen auf der Technik-Messe CES in Las Vegas mitteilten. Auch sollen bei Foxconn gebaute Fahr­zeuge Computer und Sensoren von Nvidia bekommen.

Foxconn ist vor allem bekannt als ein großer Hersteller verschie­dener Apple-Geräte, die Firma aus Taiwan versucht aber auch mit Nach­druck, sich im Auto­geschäft zu etablieren. Unter anderem soll bei Foxconn das nächste Modell des Elek­tro­auto-Anbie­ters Fisker gebaut werden - und der Fertiger entwi­ckelte auch eine eigene Fahr­zeug­platt­formen, auf die Marken zurück­greifen können.

Nvidia "Orin"-Zentral­rechner in Mercedes-Modellen

Mit dem Über­gang zu vernetzten und elek­tri­schen Fahr­zeugen geht ein Wandel der Auto­branche mit dem Bedarf unter anderem an leis­tungs­starken Compu­tern einher. Nvidia sicherte sich mit seinen "Orin"-Zentral­rech­nern bereits unter anderem einen Platz in künf­tigen Mercedes-Modellen.

Auch die Foxconn-Computer sollen auf "Orin" basieren. Zugleich streben aber Rivalen wie die Intel-Toch­ter­firma Mobi­leye und der Chip­kon­zern Qual­comm eben­falls in die Fahr­zeuge.

Laut Bran­chen­ver­band Bitkom werden Sprach­assis­tenten im Auto immer wich­tiger.

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