hochauflösend

Durchbruch von Blu-ray steht bevor

"Wer sich erstmal an HD gewöhnt hat, will nichts anderes mehr sehen"
Von dpa / Marie-Anne Winter
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Keine Frage: Das Bild ist brillant, der Sound bombastisch. Trotzdem konnte die technische Überlegenheit der Blu-ray bisher noch nicht allzu viele Menschen motivieren, ihre DVD-Player einzumotten und sich für mehrere hundert Euro einen neues Gerät zu leisten. Der Durchbruch der Blu-ray zum Massenmedium soll nun mit neuen Spielern kommen, die auf der Messe IFA in Berlin (noch bis 9. September) vorgestellt wurden. Mit ihnen wird der Fernseher zur Multimedia-Unterhaltungsplattform: Sie können jedes Video-Format abspielen, dazu über USB-Anschluss Fotos oder Musik wiedergeben und den Zuschauer über WLAN mit Filmfans weltweit verbinden.

Die jüngsten Sprosse in der Familie der Blu-ray-Spieler würden immer mehr zu Multimedia-Talenten, sagt Andreas Stumptner von der in Poing (Bayern) erscheinenden Zeitschrift Video HomeVision. Doch bisher könne die jüngste, vierte Generation von Geräten auch nicht mehr als der Blu-ray-Player in Sonys Playstation 3. Er gelte unter Fachleuten noch immer als technischer Maßstab.

Aber die anderen Hersteller holen auf. Die neuen Modelle können fast durchweg über WLAN auf die Online-Angebote von BD-Live zugreifen. Damit können Filmfans sich nun zum Beispiel während des Schauens Kommentare über Twitter oder Facebook auf den Fernseher schicken. Eine andere Anwendung erlaubt es Nutzern, auf einer Weltkarte zu sehen, wer gerade wo auf Welt den gleichen Film sieht - und ihn direkt nach seiner Meinung zu fragen. Auf Knopfdruck lasse sich außerdem auf Datenbanken zugreifen. So können Nutzer während des Films nachschauen, in welchen anderen Streifen der Hauptdarsteller zu sehen war oder den Audiokommentar des Regisseurs zuschalten. Diese Funktion sind für alle Blu-ray-Geräte der Generation 2.0 verfügbar, die über BD-Live online gehen können.

Blu-ray auf dem Weg zum Massengeschäft

Wer diese Zusatzfunktionen nutzen wird, bleibt fraglich. Aber allein die Brillanz des Bildes wird laut einem BDA-Sprecher die Zuschauer überzeugen. Werden Blu-ray-Discs auf einem Full-HD-fähigen Fernseher abgespielt, sei die Auflösung fünfmal so hoch wie von DVD. Bei einem Fernseher, der HD-ready ist, sei sie immerhin zweieinhalb mal so hoch.

Deshalb sei Blu-ray auf dem Weg zum Massengeschäft. Innerhalb des ersten Halbjahres 2009 seien in Deutschland zwei Millionen Blu-ray-Discs verkauft worden - viermal so viele wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Und im letzten Quartal werde voraussichtlich allein die Hälfte aller Blu-rays des gesamten Jahres verkauft.

Auch Stumptner erwartet im Weihnachtsgeschäft den Durchbruch für die Blu-ray. Denn die Geräte und Filme würden immer billiger. Zudem können Besitzer eines Full-HD-fähigen Fernsehers bald TV-Programm in High Definition schauen, wie schon vor kurzem bei der Leichtathletik-WM. Und dann wollten sie Filme auch hochauflösend sehen, so Stumptner: "Wer sich erstmal an HD gewöhnt hat, will nichts anderes mehr sehen." Zum neuen hochauflösenden Fernseher müsse dann bald ein Blu-ray-Spieler ins Wohnzimmer.

Noch ist die DVD aber nicht ausrangiert. Schließlich haben sich die meisten Verbraucher erst vor wenigen Jahren einen Player dafür gekauft. Und bisher gibt es nur einen Bruchteil der Filme in Videotheken auf Blu-ray. Meist sind es laut Stumptner wenige Hundert Stück, wenn überhaupt. Auf Blu-ray sind nach BDA-Angaben aktuell rund 1 500 Filme in Deutschland erhältlich. Doch jeden Monat kämen rund 100 dazu, mit steigender Tendenz. Der durchschnittliche Kaufpreis für einen Film liege derzeit bei rund 20 Euro - und damit nur noch wenige Euro höher als für eine DVD.

Der endgültige Durchbruch der Blu-ray könnte also tatsächlich bevorstehen. Schließlich leisten sich immer mehr Verbraucher einen großen HD-fähigen Fernseher, mit dem sie die hohe Auflösung auskosten können. Doch vielleicht lohnt es sich, mit dem Kauf noch zu warten. Denn die nächste Wundertechnologie wartet schon: Full-HD-3D. Auf der IFA hat Panasonic für 2010 den ersten Spieler angekündigt. Hersteller wie Samsung und LG halten sich noch zurück und wollen die Reaktion der Zuschauer abwarten. Die Warteschlangen vor den Vorführungsräumen auf der IFA in Berlin haben aber gezeigt, dass das Publikum jetzt schon neugierig ist.

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