Software-Müll

Darum installieren Hersteller Bloatware auf PCs

Warum Bloatware meist vom PC gelöscht werden sollte, manchmal aber auch nützlich sein kann, davon handelt dieser Artikel.
Von Daniel Rottinger mit Material von dpa
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Asus stellt Nutzer das System Giftbox bereitAsus stellt Nutzer das System Giftbox bereit Hier ein Virenscanner, da ein PDF-Reader und schnell noch eine Browsererweiterung: Die meisten Computer aus dem Handel sind mit vorinstallierter Software vollgestopft. Viele Nutzer ärgert das. Aber ist die sogenannte Bloatware nur nervig oder ein echtes Problem?

Kein Müll und keine Altlasten, vom Hochfahren bis zum Programmstart läuft einfach alles: Für viele Computer­nutzer gibt es nichts Schöneres als einen brandneuen Rechner. Doch manch ein frischgekaufter PC ist gar nicht so unberührt, wie man denken sollte. Denn oft ist auf solchen Geräten neben dem Betriebssystem noch andere Software installiert. Der sogenannten Bloat- oder Crapware, abgeleitet von den englischen Wörtern für "aufblähen" oder "Mist". Glaubt man den unzähligen Klagen genervter Computerkäufer in Foren und Produkt­bewertungen, passt der Name.

So begründen PC-Hersteller die vorinstallierte Software

Fragt man Computerhersteller nach vorinstallierter Software, klingt das naturgemäß anders: "Unsere Umfragen haben ergeben, dass Nutzer sich einfach zugängliche Apps wünschen, die es ihnen erlauben, produktiv zu sein und unterhalten zu werden", heißt es zum Beispiel von Lenovo. Gleichzeitig verweist das Unternehmen darauf, dass Nutzer Testversionen zusätzlicher Programme leicht entfernen können. Bei seinen neuen Thinkpad-Laptops mit Kaby-Lake-CPU verzichtet der Hersteller allerdings komplett auf Bloatware.

Bei Asus sollen Computerkäufer über ein System namens Giftbox selbst auswählen, welche Programme sie installieren. Sogenannte Pure-Installationen ohne weitere Programme soll es bald ebenfalls geben - allerdings eher für erfahrene Nutzer. "Vorinstallierte Software ist in erster Linie dazu gedacht den Endanwender bei der Einrichtung seines Geräts zu unterstützen", sagt Jan Schneider von Asus.

Sinnvolle Programme wie Treiber

Tatsächlich ist nicht jede vorinstallierte Software automatisch schlecht. Treiber für Hardware zum Beispiel. Zudem gibt es Tools, die direkt vom Hersteller des PCs kommen, etwa das Akkumanagement beim Notebook. Alternativ kann man allerdings auch die Batterieverwaltung von Windows nutzen.

Und dann ist da noch die mitgelieferte Software von Drittherstellern: Virenscanner, Office-Pakete oder PDF-Reader zum Beispiel, gerne als Testversion, die sich nur ein paar Monate kostenfrei nutzen lässt. Die Rechenleistung beeinträchtigt die Bloatware allerdings kaum. Ein Virenscanner kann das System jedoch schon merklich ausbremsen. Und viele Tools, die erst geladen werden müssen, verlangsamen den Systemstart.

Sicherheit ist ein Problem

Größter Nachteil von Bloatware ist aber die Sicherheit. "Das Problem mit Bloatware ist immer, dass man mehr Software hat als nötig", erklärt Chris Wojzechowski vom Gelsenkirchener Institut für Internet-Sicherheit. "Und je mehr Software man auf einem Rechner hat, desto höher ist die Gefahr einer Sicherheitslücke."

Und gerade vorinstallierte Tools machen immer wieder Probleme: Anfang 2015 hatte etwa Lenovo Ärger mit einer Bloatware namens Superfish, einem potenziellen Einfallstor für Hackerangriffe. Auf Dell-Rechnern wurden im selben Jahr unsichere Zertifikate für verschlüsselte Datenübertragung gefunden. Mitte 2016 entdeckten Experten Hintertüren in den automatischen Update-Tools mehrerer PC-Hersteller.

Clean Install für die Komplettbereinigung

Um sich von der ganzen Bloatware auf einen Rutsch zu verabschieden, kann der Nutzer eine komplette Neuinstallation von Windows 10 durchführen. Auf teltarif.de haben wir bereits in der Vergangenheit ausführlich darüber berichtet, worauf es beim Clean Install mit dem RefreshWindowsTool zu achten gilt. Vor dem Refresh bietet sich die Erstellung eines Backups der persönlichen Daten an, da bei dem Vorgang alle Dateien auf der Festplatte gelöscht werden.

Weitere Tipps zur Entfernung vom Bloatware unter Windows haben wir in einem separaten Artikel für Sie zusammengestellt.

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