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Blau-9-Cent-Europatarif: Ohne Internet - ohne Zukunft?

Unser Kommentar und weitere Einschätzung zum neuen Prepaid-Tarif
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Hamburg, 23. Stock des Emporio-Hochhauses. Auf der Panorama-Etage hatte der in Hamburg ansässige Mobilfunk-Discounter blau.de zur Pressekonferenz eingeladen. Es sollte keine kleine Veranstaltung sein. Mit Kamerateam, Liveübertragung per Internet und Moderatorin Claudia Kleinert wollte der Anbieter eine Revolution vorstellen. Doch so richtig überzeugen konnte der Anbieter die etwa 20 anwesenden Journalisten von seiner Revolution nicht. Zu vieles stimmt bei diesem Angebot nicht, waren sich die Branchen-Kollegen im anschließenden Gespräch einig.

Nahezu mit argumentativer Gewalt wollte Blau-Geschäftsführer Holger Feistel die Journalisten davon überzeugen, dass die Kunden im Ausland vor allem telefonieren wollen und Daten nur eine untergeordnete Rolle spielen. Die Meinung der Branchen-Beobachter ist eine andere: Der Blick in die E-Mails, das Twitter- oder Facebook-Konto ist heute für viele auch oder gerade im Urlaub unverzichtbar. Doch das neue Tarifangebot von blau.de lässt das vollkommen außer acht. Es zielt lediglich auf die Telefonie im Ausland und ins Ausland ab - und das auch nur für die Prepaid-Kunden. Betrachtet man nur diesen Aspekt muss man aber auch anerkennen: Diese Umsetzung ist gelungen.

9 Cent für ganz Europa - aber nicht für jeden

Neuer Blau-9-Cent-EuropatarifNeuer Blau-9-Cent-Europatarif Mit der Blau-Prepaid-Karte können die Kunden ab sofort aus Deutschland ins EU-Ausland und die Schweiz für 9 Cent pro Minute telefonieren. Dabei ist es, anders als bei vergleichbaren Angeboten, egal, ob der Kunde in ein Festnetz oder Mobilfunknetz telefoniert. Der Kunde muss sich also keine Gedanken über diesen Unterschied machen. Auch kostet ihn das Telefonat aus dem EU-Ausland und der Schweiz nach Deutschland ab sofort nur noch 9 Cent - so viel wie das Telefonat innerhalb von Deutschland kostet. Anders als in Deutschland kosten aber eingehende Telefonate 8 Cent pro Minute, hält sich der Kunde nicht in Deutschland auf. Und auch, wer aus einem EU-Land wie Frankreich nach Spanien telefoniert, zahlt nicht die "europäischen" 9 Cent pro Minute, sondern 28 Cent pro Minute.

Leider hat sich blau.de nicht dazu entschließen können, diesen 9-Cent-Tarif auch jenen Kunden anzubieten, die sich fest an blau.de gebunden haben. Nur Prepaid-Kunden profitieren von dieser Preissenkung, Kunden die etwa eine Allnet-Flatrate nutzen, zahlen weiter die regulierten Roaming-Kosten. Das dürfte bei einer anstehenden großen Werbekampagne für Verwirrung bei den Kunden sorgen, wenn sie im Ausland die Roaming-Infos per SMS bekommen oder gar die berechneten Preise erst auf der Rechnung sehen.

Zum blau.de-Event wurde auch der Branchenexperte Prof. Torsten J.Gerpott eingeladen. Was er von dem neuen Prepaid-Tarif hält und wie unser Kommentar dazu ausfällt, lesen Sie auf der nächsten Seite.

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