Merkelphone

Blackberry: Sicherheits-Handy Z10 in Deutschland beliebt

Deutsche Politiker setzen auf Blackberry-Smartphone
Von Marie-Anne Winter
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Nach den vielen schlechten Nachrichten, die in der letzten Zeit aus dem Hause Blackberry zu hören waren, kann Blackberry-Chef Thorsten Heins endlich einen Erfolg vermelden - zumindest in Deutschland. Wie die Wirtschaftswoche berichtet, ist im Berliner Regierungsviertel die Nachfrage nach Blackberry-Smartphones stark gestiegen.

Verschiedene Bundesministerien haben in den letzten Wochen mehr als 1 000 Smartphones des Modells Z10 bestellt, mit dem verschlüsselte Telefongespräche möglich sind. Wie berichtet erfüllt die Verschlüsselung des entsprechend angepassten Blackberry Z10 die vom BSI vorgegebene Geheimstufe "Verschlusssache - Nur für den Dienstgebrauch VS-NfD". Die Bonner Behörde erteilte der kanadisch-deutschen Lösung ihren Segen, als sichergestellt war, dass die Daten nicht länger über ein Rechenzentrum vom Blackberry in Großbritannien transportiert werden. Die Nutzung von Blackberry-Geräten war genau deshalb jahrelang in deutschen Behörden und Unternehmen verboten.

Auch die jüngsten Snowden-Enthüllungen, nach denen die normale Blackberry-Verschlüsselung geknackt wurde, sollen laut BSI kein Grund zur Sorge sein, weil die darin beschriebenen Angriffsmethoden im Rahmen der auch vorher schon bekannten technischen Möglichkeiten liegen würden. Außerdem würden sich diese nur auf Seriengeräte der älteren Generation beziehen, das Sondermodell des Z10 sei davon nicht betroffen.

Angst vor ungebetenen Mithörern steigt

Das Merkelphone Blackberry Z10 verkauft sich derzeit sehr gut.Das "Merkelphone" Blackberry Z10 verkauft sich derzeit sehr gut. Zwar hat die Bundesregierung im Abhörskandal um den amerikanischen Geheimdienst NSA stets abgewiegelt, dass Deutsche nicht betroffen seien. Aber offenbar wird in den Ministerien dennoch zunehmend befürchtet, dass Feind oder auch Freund mithört - und damit steigt der Wunsch nach übertragungssicheren Geräten.

Es bestehe eine hohe Nachfrage von Politikern und Beamten schreibt die Wirtschaftswoche unter Berufung auf das Bundesinnenministerium. Der Bedarf sei riesig, doch die Budgets endlich. Auch Hans-Christoph Quelle, Chef des Düsseldorfer Sicherheitsspezialisten Secusmart, bestätige gegenüber der Zeitung, dass das Geschäft mit abhörsicheren Geräten derzeit gut laufe. Sein Unternehmen hat die besagten Blackberry-Geräte mit einer speziellen Chipkarte für die Verschlüsselung ausgerüstet. Etwa 2 500 Euro kosten die "Merkelphones", die gleichzeitig auch wie ein herkömmliches Smartphone benutzt werden können. Die bisher üblichen Sicherheitshandys waren sehr umkomfortabel und entsprechend unbeliebt.

Die Bundeskanzlerin hatte sich das "Merkelphone" schon auf der CeBit vorführen lassen. "Wenige Tage nach der Zulassung gab es bereits 1 200 Bestellungen", sagt der Sicherheitsspezialist. 20 Behörden, darunter 9 der 14 Ministerien, sollen zu den Interessenten gehören.

Damit sticht Blackberry derzeit noch die Deutsche Telekom aus, die mit dem SiMKo 3 ein umgerüstetes Samsung Galaxy S3 anbietet. Die SiMKO-Modelle sind mit 1 700 Euro zwar ein Drittel günstiger. Allerdings haben sie die Zulassung durch das BSI erst vor wenigen Wochen erhalten, so dass die Blackberry-Geräte zuvor die erste Wahl waren.

Secusmart rechnet sich jedoch gute Chancen aus, auch bei den künftigen Bestellungen den Vorzug zu bekommen, weil sich die Ministerien häufig für eine einheitliche Lösung entscheiden. Wenn nach der Regierungsbildung die neuen Mitarbeiter mit sicheren Smartphones ausgerüstet werden, dürften weitere Bestellungen folgen.

Sicherheitsspezialist Quelle prophezeit: "Wir gehen davon aus, dass 2014 noch einmal große Stückzahlen bestellt werden." Auch wir haben uns das Blackberry Z10 genauer angesehen, allerdings in seiner herkömmlichen Version. In unserem Test machte das Blackberry-Smartphone einen sehr soliden Eindruck und überzeugte mit einem durchdachten Konzept.

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