Übernahme

Neue Hoffnung: Finanzinvestor will Blackberry kaufen

Der "kanadische Warren Buffet" Prem Watsa ist interessiert
Von Marie-Anne Winter mit Material von dpa
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Der Smartphone-Pionier Blackberry kann derzeit nicht an alte Erfolge anknüpfen.Der Smartphone-Pionier Blackberry kann derzeit nicht an alte Erfolge anknüpfen. Vielleicht ist es der erwartete Silberstreif am Horizont, der nun für angeschlagenen Smartphone-Pionier Blackberry erscheint: Der kanadische Konzern mit dem aus Deutschland stammenden Manager Thorsten Heins an der Spitze hat einen Kaufinteressenten gefunden. Die Investmentholding Fairfax Financial will Blackberry für 4,7 Milliarden Dollar (3,5 Milliarden Euro) schlucken und von der Börse nehmen.

Treibende Kraft hinter der Übernahmeofferte ist Prem Watsa, Chef von Fairfax Financial. Der Manager mit indischen Wurzeln wird auch der "kanadische Warren Buffett" genannt - nach dem US-Starinvestor mit dem scheinbar untrüglichen Sinn fürs Geldverdienen.

Die Übernahme ist jedoch noch lange nicht in trockenen Tüchern. Zunächst will die Finanzfirma die Bücher von Blackberry studieren, wofür sie sich sechs Wochen Zeit ausgebeten hat. Bis zum Abschluss einer Übernahme kann auch noch ein anderer Käufer auftauchen. Zunächst unterzeichneten beide Seiten nur eine Absichtserklärung.

Wie bereits gestern berichtet denkt auch der frühere Co-CEO von Blackberry, Mike Lazaridis, darüber nach, bei seinem Ex-Unternehmen wieder einzusteigen. Lazaridis, der 2012 durch Thorsten Heins abgelöst wurde, hält noch immer 5,8 Prozent der Aktien. Er soll derzeit mit den Risikokapital-Gebern Blackstone und Carlyle verhandeln.

Fairfax Financial will neun Dollar pro Aktie zahlen - das ist die Hälfte dessen, was die Papiere noch zu Jahresbeginn kosteten. Zwischenzeitlich war die Aktie auf gut sechs Dollar abgesackt. Bis kurz vor Börsenschluss stieg der Kurs leicht auf 8,80 Dollar.

Fairfax Financial besitzt bereits rund zehn Prozent an Blackberry. Die Übernahme will die Holding, die ihr Geld vor allem mit Versicherungen verdient, mit Hilfe von Krediten sowie anderen Investoren stemmen. Deren Namen wurden aber nicht genannt. Das Wall Street Journal berichtete unter Berufung auf eingeweihte Personen, dass zwei kanadische Pensionsfonds mitmachen könnten.

Konzentration auf Firmenkunden

Erleichtert würde die Übernahme dadurch, dass Blackberry schuldenfrei ist und zuletzt dank harter Einsparungen immer noch 2,6 Milliarden Dollar auf der hohen Kante hatte.

Blackberry leidet unter den Verkaufserfolgen von Apples iPhone und den Android-Handys etwa von Samsung. Die eigenen Smartphones verkaufen sich dagegen trotz eines neuen, hoffnungsvoll gestarteten Betriebssystems namens Blackberry 10 nur schleppend. Das Unternehmen erwartet deshalb einen Verlust von fast einer Milliarde Dollar für das vergangene Quartal und streicht wie berichtet weitere Jobs.

Blackberry hatte bereits vor einigen Wochen angekündigt, die Möglichkeit eines Verkaufs auszuloten. "Wir sind der Überzeugung, dass diese Transaktion ein aufregendes neues Kapital in privatem Besitz eröffnen kann", erklärte Fairfax-Chef Watsa. Er saß als Großaktionär bis vor kurzem selbst im obersten Firmengremium von Blackberry, dem Verwaltungsrat.

Der Rückzug von der Börse würde dem Management mehr Freiheiten bei einem möglichen Umbau eröffnen, weil es dann keine Rücksicht auf die Befindlichkeiten anderer Anteilseigner nehmen müsste. Blackberry will sich vor allem auf Firmenkunden konzentrieren.

Aktuelle Smartphones von Blackberry

Der Smartphone-Hersteller aus Kanada würde damit dem Vorbild des US-amerikanischen PC-Bauers Dell folgen: Gründer Michael Dell kauft den Konzern mit Hilfe eines Finanzinvestors gerade ebenfalls zurück, nimmt ihn von der Börse und baut ihn um. Dell leidet unter den branchenweit schwachen PC-Verkäufen und orientiert sich deshalb in Richtung lukrativer Dienstleistungen für Firmenkunden.
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