Hoffnung

Blackberry entwickelt neues Tastatur-Smartphone - Pläne aus Waterloo

Blackberry setzt auf Firmenkunden und hofft auf bessere Zeiten. Dabei kämpft der einstige Smartphone-Pionier an allen Fronten - ob mit der Konkurrenz, Nachahmern oder der Hardware-Entwicklung. Welche Pläne es in Waterloo gibt, lesen Sie bei uns.
Von Hans-Georg Kluge mit Material von dpa
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Blackberry mag mit Problemen kämpfen. Dennoch zeigt sich der kanadische Smart­phone-Hersteller zuversichtlich. John Chen, der neue Chef des Unternehmens und Nachfolger von Thorsten Heins, setzt für die Zukunft vor allem auf Unternehmenskunden.

Als Vertrauensbeweis in die neue Marschrichtung kauft Großaktionär Fairfax Financial noch einmal Wandelanleihen im Wert von 250 Millionen Dollar hinzu. Die Transaktion könne bereits am 16. Januar abgeschlossen sein, teilte Blackberry mit. Mit den neuen Anleihen stocke die kanadische Investmentfirma ihren Anteil von 9,9 auf maximal 17,6 Prozent auf.

Doch wie sehen die Pläne von Blackberry aus? Wir zeigen die wichtigsten Ideen, die im kanadischen Waterloo kursieren, um die Wende zu schaffen.

Hauseigene Entwicklung: Tastatur-Blackberry kommt

Blackberry hofft, dass die Kunden wieder zugreifen.Blackberry hofft, dass die Kunden wieder zugreifen. Blackberry will noch dieses Jahr ein neues Smart­phone auf den Markt bringen, das Blackberry-Fans erfreuen dürfte: Es soll sich vor allem durch eine echte Hardware-Tastatur auszeichnen. Dabei wird es sich wohl nicht um ein Einsteiger-Modell handeln. Vielmehr spricht John Chen von einem "higher-end"-Smartphone. Details dazu stehen noch nicht fest. Dass es sich dabei um das Z50 handelt, ist aber eher unwahrscheinlich.

Bereits gestern meldeten wir, dass die Kanadier außerdem im Markt der Einsteiger-Smartphones Chancen sehen. Hier könnte es bald ein Handy geben, das unter 200 Dollar kosten soll. Wahrscheinlich wird ein solches Smart­phone vor allem in Schwellenländern vermarktet. In diesem Preissegment erwarten Branchenbeobachter in nächster Zeit das größte Wachstum - allerdings auch geringere Margen.

Dabei bleibt ein großes Problem bestehen: Wie kommt Blackberry - mittlerweile immerhin ein Nischenhersteller - gegen die immer noch stärker werdende Konkurrenz an?

Hardware-Partnerschaft mit Foxconn

In Sachen Geräte-Entwicklung hat sich John Chen einem neuen Kurs verschrieben. Hardware werde künftig zusammen mit Foxconn entwickelt - Blackberry selbst sieht Chen eher für einige Hardware-Teile und vor allem für die Software zuständig. Weite Teile des Hardware-Designs könnten von Foxconn stammen - Blackberry traut dem neuen Partner zu, größere Rabatte für Einzelteile herauszuschlagen. Foxconn soll flexibler auf die Nachfrage reagieren können. Blackberry profiert von diesem Arrangement auch insofern, als das Abschreibungen auf nicht verkaufte Geräte der Vergangenheit angehören - diese waren mehrfach nötig gewesen - besonders prominent im Falle des Blackberry-Tablet-Versuchs Playbook.

Back to the roots: Firmenkunden im Fokus

Zunächst konzentriert sich Blackberry darauf, Firmenkunden anzusprechen und zu halten. Hier sieht John Chen das größte Potenzial. Allerdings ist auch hier der Markt nicht rosig: In einem Gespräch mit den Kollegen von cnet spricht er explizit Samsung an. Deren Technik, Samsung Knox, sei eine ernsthafte Konkurrenz für Blackberry - zumindest dann, wenn die Koreaner einige Sicherheitslücken in den Griff bekommen. Samsung Knox ermöglicht es Unternehmen, auf Smart­phones der Mitarbeiter einen beruflichen Bereich einzurichten. Dort kann die Firma Sicherheitsrichtlinien festlegen. So ist sichergestellt, dass Firmen-Interna dies auch bleiben.

Mit den eigenen Diensten will Blackberry dagegen halten und Firmen sichere Smart­phones anbieten. Die breitere Verfügbarkeit des BBM ist hier ein erster Schritt. Im Unternehmensumfeld wären aber wohl eine Ende-zu-Ende-verschlüsselte Chat-App noch interessanter - denkbar wäre, dass Blackberry den Schutz der Inhalte auch dahingehend erhöht. Die Konkurrenz ist hier schon recht weit: Wir haben mehrfach über solche Smart­phone-Messenger berichtet. Threema konnte im Praxistest überzeugen und mit Heml.is steht eine weitere App in den Startlöchern.

Kampf gegen iPhone-Hülle im Blackberry-Design

QWERTZ-Tastaturen sieht Blackberry als eigenes Markenzeichen an. Das geht soweit, dass das Unternehmen laut Medienberichten derzeit gegen ein Start-up aus Los Angeles gerichtlich vorgeht, das ein Cover mit integrierter Tastatur für das iPhone anbietet. Er wolle die Rechte von Blackberry verteidigen, sagte Chen in einem Interview mit dem Magazin "Forbes".

John Chen: "Ich mag einen guten Kampf"

Die Zukunft von Blackberry bleibt spannend. "Ich mag einen guten Kampf", so John Chen gegenüber cnet zu den Aussichten. Ob die aktuellen Ankündigungen den erhofften Umschwung bringen, bleibt abzuwarten. Entscheidend dürfte sein, ob es gelingt, den Kunden die Sicherheit zu geben, dass die Blackberry-Lösung auch langfristig am Markt bestehen kann.

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