Verkaufsstopp

Doch kein Verkauf von Blackberry

Deutscher Chef Thorsten Heins muss gehen
Von dpa / Jennifer Buchholz
Kommentare (231)
AAA
Teilen

Der schwer angeschlagene Smartphone-Pionier Blackberry ändert seine Sanierungspläne: Der geplante Verkauf werde abgesagt, stattdessen soll eine Milliarde Dollar frisches Geld eingesammelt werden, teilte das Unternehmen mit. Der aus Deutschland stammende Chef Thorsten Heins werde gehen, sobald das Geld eingegangen ist. Blackberry hatte sich nach hohen Verlusten zum Verkauf gestellt.

"Die heutige Ankündigung stellt ein deutliches Zeichen der Zuversicht in Blackberry dar", erklärte Noch-Verwaltungsratschefin Barbara Stymiest heute am Sitz in Waterloo nahe Toronto. Auch sie räumt ihren Posten. Neuer Mann an der Spitze wird der erfahrene Technologie-Manager John Chen. Er arbeitete zwischenzeitlich auch bei Siemens.

Geplatzer Deal bringt Aktientief

Die Zukunft des Smartphone-Herstellers Blackberry ist weiterhin unklarDie Zukunft des Smartphone-Herstellers Blackberry ist weiterhin unklar Blackberry hatte sich nach hohen Verlusten selbst zum Verkauf gestellt und Fairfax Financial hatte zuschlagen wollen. Doch übers Wochenende mehrten sich die Anzeichen, dass die Finanzfirma das Geld nicht zusammenbekommt. Die Aktie von Blackberry fiel vorbörslich um 19 Prozent. Das Papier hatte schon in den vergangenen Wochen unter den 9 Dollar notiert, die Fairfax pro Aktie geboten hatte.

Weiterhin bestehen bleibt das Gerücht, dass sich der Smartphone-Hersteller von Facebook kaufen lassen möchte. Heins hatte im Januar 2012 die Führung von Blackberry übernommen. Trotz eines neuen Betriebssystems und neuer Smartphone-Modelle gelang es ihm nicht, den Sinkflug zu stoppen. Viele Kunden wanderten zu Apples iPhone, Android oder Windows Phone ab.

Düstere Zukunft für Blackberry

In der jüngsten Absatzstatistik des Marktforschers IDC taucht Blackberry gar nicht mehr auf. Stattdessen sind die fünf größten Hersteller - Samsung, Apple, Huawei, Lenovo und LG - alles Firmen, die früher kaum mit Smartphones in Verbindung gebracht wurden. IDC sagt einen weiteren Niedergang von Blackberry voraus: Bis zum Jahr 2017 werde der Marktanteil von heute 2,7 auf 1,7 Prozent schrumpfen. Das sind düstere Aussichten. Zumal weil Blackberry einst zusammen mit Palm zu den Wegbereitern des Smartphones zählte. Palm ist schon längst Geschichte und im Sumpf von HP versunken. Blackberry droht nun ein ähnliches Schicksal. Zwar hat es Heins durch eisernes Sparen geschafft, dass die Firma immer noch einen Milliardenbetrag auf der hohen Kante hat. Die jetzt angekündigte Finanzspritze von Fairfax Financial und anderen Investoren verschafft zusätzlich etwas Luft.

Heins musste wiederholt Verluste verkünden und tausende Stellen streichen. In der aktuellen Runde sollen 40 Prozent der Belegschaft gehen. Das Blackberry-Modell Z10, das zu Jahresbeginn die Wende zum Besseren einläuten sollte, erwies sich als teurer Ladenhüter und führte zu einer Abschreibung von fast einer Milliarde Dollar. Auch das neue Z30-Modell, das bessere Testnoten als das Z10 bekam, ist bislang kein Bestseller.

Heins dürfte nach dem Abgang eine Abfindung zustehen, die Blackberry in den Unterlagen für die Aktionärsversammlung im Sommer auf rund 22 Millionen Dollar beziffert hatte. Gut 16 Millionen Dollar davon entfallen allerdings auf Blackberry-Aktien. Im Falle eines Verkaufs hätte der Manager ein Vergütungspaket im Wert von bis zu 55,6 Millionen Dollar bekommen können - allerdings auch dann größtenteils in Aktien.

Teilen

Mehr zum Thema Blackberry